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Cochem

Gastronomen wollen Gewalt verhindern: Sogar Straßenreinigung wird angegriffen


Kevin Rühle

Ein gutes Dutzend Unternehmer sitzt gemeinsam am Tisch. Das Thema: die Gewalt in der Brückenstraße. Die Cochemer Feiermeile ist bekannt für ihre Exzesse. An den Wochenenden kann es vorkommen, dass Autofahrer sich den Weg durch Glasscherben und Betrunkene suchen müssen. Oder die Straße ist gleich gar nicht mehr passierbar, da größere Gruppen mit einer Schlägerei beschäftigt sind.

In der Brückenstraße kommt es nachts immer wieder zu gewalttätigen Szenen. Die Betreiber der Gastronomien suchen jetzt gemeinsam nach Lösungen.
In der Brückenstraße kommt es nachts immer wieder zu gewalttätigen Szenen. Die Betreiber der Gastronomien suchen jetzt gemeinsam nach Lösungen.
Foto: Kevin Rühle

Kein neues Phänomen, doch die Probleme scheinen zuzunehmen. Maximilian Bugdahn, Betreiber des Cochemer Kinos, sucht nach einer Lösung gegen die Gewalt und hat zu einem Treffen der ansässigen Gastronomen eingeladen. Bugdahn ist auch Verpächter der Diskothek Königstheke, die seit einiger Zeit höhere Auflagen erfüllen muss. Dort müssen mittlerweile vier Ordnungskräfte für Sicherheit sorgen – ein Umstand, der weder dem Betreiber noch Bugdahn gefällt. „Das ist aus meiner Sicht ein gesellschaftspolitisches Problem, das jetzt wir Unternehmer beseitigen sollen“, sagt Bugdahn. Der Unternehmer hatte vor Gericht gegen die zusätzlichen Auflagen des Ordnungsamtes geklagt, ohne Erfolg.

In der Brückenstraße seien zumeist die Gäste einer bestimmten Lokalität für die Einsätze der Polizei verantwortlich, sagt Reinhard Börsch, der Leiter der Cochemer Polizei. Dies hänge auch mit der Bewirtschaftung zusammen. Bei einer gewissen Klientel und viel Alkohol dürfe man sich über die Gewalt nicht wundern, merkt Börsch an. Seitens der Gastronomen gibt es aber auch Kritik an der Arbeit der Polizei. So seien am Wochenende zu wenige Polizisten in Cochem präsent, um bei Schlägereien eingreifen zu können. „Hier werden ständig Stellen abgebaut, wir haben einfach nicht genug Polizei hier“, ist Bugdahn überzeugt. Er beschreibt einen Vorfall, bei dem es eine Auseinandersetzung zwischen 40 Personen in der Brückenstraße gab und die Polizei vor Ort die Lage nur beobachtete. Damit konfrontiert, sagt Börsch: „Wir werden nie so viele Polizisten in Cochem haben, um solch einer großen Gruppe Herr werden zu können.“ Dafür sei Unterstützung weiterer Dienststellen notwendig. Das Risiko für die Beamten sei sonst zu hoch. Bugdahn und der Betreiber der Diskothek kommen nicht unvorbereitet in die Runde. Seit einigen Monaten werde stärker kontrolliert, mehr Hausverbote würden ausgesprochen, eine Kleiderordnung werde durchgesetzt. Zudem seien die Getränkepreise ab 23 Uhr auf dem Niveau anderer Kneipen. Die meisten Gäste kämen ohnehin erst ab 1 Uhr nachts. Bugdahn schlägt vor, zwei zusätzliche Ordnungskräfte an Freitagabenden auf der Straße einzusetzen, und bittet die anderen Gastronomen, sich finanziell daran zu beteiligen.

Welche Ausmaße die Gewalt in der Brückenstraße mittlerweile annimmt, beschreibt Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz: „Meine Straßenreinigung kann morgens nicht sauber machen und wird von Betrunkenen angegriffen. So geht das nicht weiter.“ Zusätzliche Security sei nicht die Lösung. Man dürfe die Leute nicht abfüllen und später nach der Polizei rufen. Auch andere Gastronomen weisen darauf hin, dass man mehr in den eigenen Läden tun müsse. „Ich habe am Wochenende wieder einen Verein mit 20 Leuten rausgeworfen, der sich nicht benommen hat. Da verzichte ich lieber auf 100 Euro“, sagt einer der Gastronomen.

Udo Bukschat, Leiter des Ordnungsamtes der VG Cochem, lobt die neue Initiative. Allerdings seien Security-Mitarbeiter außerhalb der Betriebe machtlos, da kein Hausrecht durchgesetzt werden könne. Ein weiterer Knotenpunkt für Konflikte ist aus Sicht der Gastronomen ein Schnellrestaurant, an dem sich auch spät in der Nacht viele Besucher der Kreisstadt treffen. Womit der Betrieb auf der Straße steigt. Die Unternehmer wollen nun Lösungsvorschläge sammeln und sich im Dezember erneut treffen.

Von unserem Redakteur Kevin Rühle
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