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Zell/Briedel

Ferienpark Marina: Das große Abwarten


David Ditzer

Der Kaimter Winzer Jürgen Mesenich ist ganz klar dafür, dass Investor John van der Voort im Zeller Hamm den Ferienpark Marina Weingarten samt Jachthaften realisiert. Lieber heute als morgen. Er gehört zu jenen Winzern, die Land im Projektgebiet besitzen. 50 bis 60 von ihnen kamen am Dienstagabend in der Zeller Schwarze-Katz-Halle zusammen. Vonseiten der Gemeinden Zell und Briedel, der Verbandsgemeinde Zell sowie vonseiten des Investors hörten sie Statusmeldungen mit Blick auf das 35 bis 50 Millionen Euro schwere Bauvorhaben. Und sie vernahmen sowohl positive als auch negative Botschaften.

Auf diesem Gelände an der Moselschleife zwischen Briedel und Zell könnte ein Ferienpark samt Jachthafen entstehen: Marina Weingarten. Doch noch steht eine Gerichtsentscheidung darüber aus, ob der Investor gegen ein Urteil aus dem Mai vergangenen Jahres Berufung einlegen darf.  Foto: Archiv Rühle
Auf diesem Gelände an der Moselschleife zwischen Briedel und Zell könnte ein Ferienpark samt Jachthafen entstehen: Marina Weingarten. Doch noch steht eine Gerichtsentscheidung darüber aus, ob der Investor gegen ein Urteil aus dem Mai vergangenen Jahres Berufung einlegen darf.
Foto: Archiv Rühle

Was den Winzer aus Kaimt sehr angenehm überrascht hat: „Es gab nicht einen im Saal, der dagegen gewesen wäre, die Optionsverträger mit Marina-Investor van der Voort ein weiteres Mal zu verlängern“, erzählt Jürgen Mesenich. Dabei steht das noch gar nicht zur Debatte, wie Karl Heinz Simon (SPD), Bürgermeister der VG Zell, im Gespräch mit der RZ verdeutlicht. „Die Optionsverträge zwischen Grundstückseigentümern und Projektgesellschaft laufen noch bis zum Jahresende.“ Doch man habe bei der Eigentümerversammlung schon einmal nachgefragt, ob es Einwände dagegen gäbe, diese Optionen beim nächsten Mal um zwei Jahre statt nur um eines zu verlängern. Sie sichern dem Investor die Möglichkeit, das nötige Land zu bestimmten Konditionen zu kaufen.

Aus Altersgründen gekündigt

Zwar habe ein Winzer die Option gekündigt und sein Land aus Altersgründen an einen jüngeren verkauft, doch diesbezüglich liefen nun Gespräche zwischen diesem jüngeren Käufer und Investor van der Voort. Ziel derselben sei der Abschluss eines Optionsvertrages, damit die Projektgesellschaft das Land kaufen kann, sofern und sobald es ein Go für das große Bauvorhaben gibt.

Ob und wann es das geben könnte, steht mehr oder minder in den Sternen. „Man hat uns klar gesagt, dass es wohl im Jahr 2018 keine Entscheidung mehr gibt“, resümiert Winzer Mesenich im Rückblick auf den Informationsabend. VG-Bürgermeister Simon ergänzt, man hege die Hoffnung, dass das Oberverwaltungsgericht (OVG) Ende März zumindest schon einmal einen Schritt weitergehe. Dann nämlich könnte es darüber entscheiden, ob es die Berufung zulässt, die die Projektgesellschaft um Investor van der Voort gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz vom Mai vergangenen Jahres eingelegt hatte. Dass man auf die bloße Entscheidung über die Zulassung einer solchen Berufung fast neun Monate warten muss, ist für Jürgen Mesenich „ein Unding“. VG-Bürgermeister Simon hingegen verweist darauf, die Verwaltungsgerichte, insbesondere das OVG, hätten zurzeit jede Menge Arbeit, nicht zuletzt wegen Entscheidungen über Asylanträge, die einer rechtlichen Prüfung unterzogen würden.

Für den weiteren Fortgang gibt es Simon zufolge folgende Optionen: Lässt das OVG die Berufung zu, wird man den Ausgang der Verhandlung abwarten – die jedoch auch erst einmal terminiert werden müsste. Lehnte das OVG die Berufung ab, „würde das Urteil des Verwaltungsgerichts rechtskräftig“. In diesem Fall wäre es letztlich wieder am Investor, die Planung so zu verändern, dass sie vor Gericht bestehen könnte. Wobei dann noch zu klären wäre, über wen dies zu regeln sei. Simon zufolge hatte sich das Verwaltungsgericht vor allem daran gestört, dass der Planfeststellungsbeschluss der SGD Nord für den Bau des Jachthafens unter anderem auch den oberen Teil einer Kaimauer, eine Liegewiese und Parkplätze mitumfasst hat.

Eine Kaimauer, zwei Zuständige?

Hier sahen die Richter die Planungshoheit der Kommunen Zell und Briedel verletzt, die für die Marina-Planung eigens einen Zweckverband gegründet hatten. Für den unteren Teil der Kaimauer hingegen sei die SGD-Zuständigkeit unstrittig, so Simon. Einen weiteren Punkt, der vom Verwaltungsgericht beanstandet worden sei, hätten die Gemeinden Briedel und Zell schon ausgeräumt. Für das Marina-Projekt waren Wirtschaftswege in flurbereinigten Flächen überplant worden. Das sei jedoch nur über eine eigene Satzung mit Zustimmung der Aufsichtsbehörden möglich. Stadt und Verbandsgemeinde Zell sowie die Gemeinde Briedel stehen nach wie vor hinter dem Marina-Projekt, hieß es jetzt in der Zeller Stadthalle. Gleiches gilt für den Kaimter Winzer Jürgen Mesenich und Investor John van der Voort. Über ihn sagt Mesenich: „Man kann vor so einem Mann nur den Hut ziehen, dass er trotz allem überhaupt noch weitermacht.“

Dazu merkt Simon an, van der Voort sei zum einen „verliebt in das Projekt“ und habe zum anderen auch schon viel Geld hineingesteckt. An die touristischen und wirtschaftlichen Impulse denkend, die Ferienpark und Hafen mit sich brächten, konstatiert Winzer Mesenich: „Wenn Marina nicht kommt, sind Zell, Briedel und Umgebung auf lange Sicht kaputt.“ Das dürften der BUND und die Marina-Gegner aus der Bürgerinitiative Zeller Hamm anders sehen.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Der Bedarf an Grund und Boden

30 Hektar Land benötigt Marina Weingarten der Projekt-Webseite zufolge.

Davon wären 20 Hektar bebaut, 10 blieben für Auen und den Hafen übrig. 180 Ferienhäuser und circa 150 Bootsliegeplätze sollen dort entstehen. dad

In den Händen der Justiz

Mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Koblenz gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Bau des zur Marina gehörenden Jachthafens hatten der BUND und Zeller Winzer Erfolg. Im Mai hob das Gericht den SGD-Beschluss auf. Aus Sicht der Richter hätte die SGD Teile der Planung gar nicht beschließen dürfen, da für die Planung des Hafenumfelds die beteiligten Kommunen zuständig seien.

dad
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