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    Eiskalte Dusche für Ellenzer Freibadretter: Gutachter empfiehlt Schließung

    Wegen schlechter Zahlen und seines maroden Zustands steht das Freibad Ellenz-Poltersdorf in der Diskussion. Angeheizt wurde diese durch ein Gutachten, das jetzt dem VG-Rat vorgestellt wurde. Es spricht eine eindeutige Sprache.

    Kein Schwimmer in Sicht, was nicht verwunderlich ist: Das Ellenzer Bad steht kurz davor, für den Winter eingemottet zu werden. Foto: David Ditzer
    Kein Schwimmer in Sicht, was nicht verwunderlich ist: Das Ellenzer Bad steht kurz davor, für den Winter eingemottet zu werden.
    Foto: David Ditzer

    Von Dieter Junker

    Paukenschlag im Verbandsgemeinderat Cochem, einige Ratsmitglieder mussten regelrecht schlucken: Das Freibad Ellenz-Poltersdorf soll dichtgemacht werden, die Cochemer Sauna im Moselbad ebenso. Das sieht das Konzept einer Düsseldorfer Unternehmensberatung vor, das die Verbandsgemeinde (VG) Cochem in Auftrag gegeben hatte. Ferner schlagen die Gutachter eine gemeinsame Rechtsform für die beiden verbleibenden Bäder Cochem und Treis-Karden sowie eine Modernisierung, Sanierung und einen moderaten Ausbau im Cochemer Freizeitzentrum vor.

    Dabei verdeutlichte Unternehmensberater Dietmar Altenburg die prekäre Lage, in der sich die VG Cochem befindet: Obwohl gute Arbeit in den Einrichtungen gemacht werde, kosten die drei Bäder schon jetzt rund 1,1 Millionen Euro jährlich. Es besteht außerdem ein erheblicher Investitions- und Sanierungsbedarf, der weitere Millionen erforderlich machen wird, wenn die jetzige Struktur aufrechterhalten werden soll.

    Selbst wenn nichts passiert, steigt das jährliche Defizit

    So errechnete das Beratungsunternehmen einen langfristigen Investitionsbedarf von mehr als 11 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren für die drei Bäder. Bereits kurzfristig, also bis 2019, wären 4,8 Millionen Euro erforderlich, sofern eine Generalsanierung angegangen werden soll. Summen, die die VG Cochem kaum aufbringen kann. Allerdings: Sollte nichts passieren oder nur das Nötigste gemacht werden, würde das Defizit der Verbandsgemeinde für die drei Bäder dennoch bis 2017 um gut 500 000 Euro steigen, rechnete Altenburg vor. Seine klare Folgerung: Es besteht dringender Handlungsbedarf. So oder so.

    Drei Varianten nannte das Beratungsunternehmen für die Freibäder. Variante eins sieht ein Festhalten an allen drei Standorten mit einer Generalsanierung vor. Ihr zufolge könnten sowohl das Moselbad wie auch das Treis-Kardener Bad weitgehend wie bisher fortgeführt werden, in Cochem würde für Jugendliche durch Waterclimbing die Attraktivität gesteigert werden. Dagegen sei in Ellenz-Poltersdorf eine größere Sanierung und eine Reduzierung der Wasserfläche erforderlich. Dies alles würde rund 1,9 Millionen Euro kosten, 1,6 Millionen davon allein für Ellenz-Poltersdorf.

    Bad in Treis-Karden vielversprechender

    Variante zwei schlägt die Schließung eines Standortes vor, wobei angesichts der Zahlen alles gegen das Freibad in Ellenz-Poltersdorf spräche, da Treis-Karden moderner wäre und wegen des fehlenden Sanierungsbedarfs Erfolg versprechender sei als das Ellenz-Poltersdorfer Freibad.

    In Variante drei würden alle Standorte fortgeführt, und es würden lediglich nach Bedarf repariert. Für diesen Fall kämen auf Ellenz-Poltersdorf Investitionskosten von 500 000 bis 600 000 Euro zu, allerdings würde sich dann auch das Betriebsergebnis weiter verschlechtern.

    Das Fazit der Berater: Die Schließung von Ellenz-Poltersdorf sei "die sinnvollste Lösung". Anzuraten sei auch die Schließung des "völlig unrentablen Saunabetriebs in Cochem" und die Konzentration der begrenzten finanziellen Mittel auf das Moselbad und das Freibad in Treis-Karden, die aber in einer Unternehmensstruktur zusammengefasst werden müssten. Damit würde zumindest erreicht, dass das Defizit nicht weiter steigen würde.

    Schwierige Diskussion in Ausschüssen wird nun beginnen

    "Ich weiß, dass dies ein brisantes Thema ist", räumte Dietmar Altenburg ein. Sein Unternehmen habe die betriebswirtschaftliche und strategische Frage im Blick, aber natürlich gebe es eine politische Sicht in dieser Grundsatzfrage. Das Gutachten solle in der Diskussion lediglich eine Entscheidungshilfe sein. Und diese Entscheidung wird nun in den Ausschüssen des VG-Rats vorbereitet und beraten. Eine Diskussion, die sicher nicht einfach werden wird. "Ich bin für den Erhalt aller drei Bäder", unterstrich Bürgermeister Helmut Probst. Auch Ellenz-Poltersdorf sei von Bedeutung für die Menschen, die in der Region wohnen, zudem ein entscheidendes Angebot im Tourismus. "Daher sind alle drei Bäder für uns wichtig", sagte er.

    Auch unter den Zuhörern war viel Unmut über die Aussagen des Gutachtens spürbar. Zahlreiche Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt des Ellenz-Poltersdorfer Freibades verfolgten mit sichtlichem Unbehagen die Ausführungen der Unternehmensberatung. Mehr als 5500 Unterschriften hatten sie im Sommer für ihr Freibad gesammelt, die Gemeinderäte von Bruttig-Fankel, Briedern und Ernst hatten sich dieser Forderung angeschlossen. Auch dies zeigt, wie das Thema die Menschen in der Region beschäftigt. Also eine schwierige Aufgabe für den VG-Rat, finanzielle Anforderungen und die Interessen der Bäder und der Betroffenen nun unter einen Hut zu bringen. Die Debatte um die Zukunft der Bäder wird jedenfalls an Dynamik zunehmen.

    BI berät Marschroute

    Für Bernd Cornely ist das Gutachten „ein Schlag ins Gesicht“. Der BI-Sprecher aus Ellenz-Poltersdorf erkennt aber Signale, dass der Exitus des Ellenzer Bades abgewendet werden kann. Denn der VG-Rat hält an den Planungen für eine Solarabsorberanlage fest. Mit der Anlage soll von der kommenden Saison an das Bad erwärmt werden. Dennoch: Das Bäderkonzept hänge „wie ein Damoklesschwert“ über allem, die BI wolle in den nächsten Tagen beraten, wie sie weiter vorgeht. Dietmar Schausten betont, dass Ellenz-Poltersdorf jetzt „eine Teilverantwortung übernommen hat“. Bei Instandsetzung und -haltung schießt die Gemeinde zehn Prozent hinzu, erläuterte der Ortschef. bro

    Kommentar zum Freibadgutachten für Ellenz: "Ein teures Opfer für den Standort"
    Cochem Zell
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