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Cochem

City der Leerstände: Wie kommt Cochem weiter?

Wer sich von der Winter-Tristesse erfassen lässt, der findet derzeit nur wenig Ablenkung beim Bummel durch die Straßen der Kreisstadt. Zwischen dem Ende der alten und dem Beginn der neuen Saison im März liegen drei lange Monate – und in denen leeren sich zunehmend auch die Auslagen. Leerstand – so vorübergehend dieser normalerweise in Cochem ist, so drastisch nimmt er sich zu Beginn des Jahres 2018 aus. 20 Läden stehen nach RZ-Informationen in der Kernstadt leer, besonders betroffen sind die Ladenlokale rings um Marktplatz sowie Herren- und Unterbachstraße. „Das gibt zurzeit kein schönes Bild ab“, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz freimütig.

Was ist der Grund für derart viele Ladenaufgaben? Ein Ladeninhaber aus der Marktnähe, der nicht mit Namen genannt werden will, redet Klartext: „Es sind die horrenden Ladenmieten, die einigen das Genick brechen.“ Genommen werde winters wie sommers die gleiche Monatsmiete, sie liegt in der 1-a-Lage um den Stadtkern herum bei circa 40 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche. Der Geschäftsmann schlägt vor: „Besser wäre es, dass man im Winter nur die Hälfte zahlt, zumal da die Einnahmen gegen null gehen.“ Aber, so gibt er im gleichen Atemzug zu bedenken: „Manche Eigentümer sitzen in Düsseldorf oder Frankfurt, gehören eventuell zu Erbengemeinschaften, die kein Gespür mehr für Cochem haben.“ Sie hätten keine Ahnung, was der Markt in Cochem hergibt.

Was geht in den leeren Lokalen? Das ist schwierig zu beantworten. Ein Immobilienfachmann, der Ladenräume vermietet, sagt lakonisch: „Shisha-Bars, die gehen immer. Und da bekomme ich jede Menge Anfragen.“ Shisha-Pfeife ist in, besonders in Großstädten. Oder aber Händler, die früher als „fliegendes Personal“ auf Krammärkten unterwegs waren, suchen in Cochem eine Bleibe. Sie wollen Ledertaschen oder Portemonnaies von geringer Qualität an den Mann bringen. Angesichts von leer stehenden Läden und geschlossenen Gaststätten spricht die Cochemer SPD von einer „unannehmbaren Entwicklung“. Markus Müller, der SPD-Ortsvereinsvorsitzende, sagt: „Derzeit sind zahlreiche Gewerbeflächen ungenutzt und verschlechtern damit Angebot und Bild von Cochem als Mittelzentrum.“ Es reiche nicht, kritisiert Müller, „von einem Leitbild von Cochem zu reden, wenn es darum gehe, die Öffnungszeiten am Sonntag zu erhalten und danach wieder in Schlaf zu verfallen.“ Er sieht Stadt und Arge in der Pflicht, das Ruder herumzureißen.

„Diese Forderung lässt sich leicht stellen“, antwortet Thomas Theiß, der Arge-Vorsitzende. Aber die Einflussmöglichkeiten der Arge seien beschränkt. Es werde im Vorstand schon überlegt, was zu Cochem passt und was die Kreisstadt braucht. „Aber letztlich ist dies eine einzelunternehmerische Entscheidung“, so Theiß. Die Arge versucht so weit wie möglich, mit Aktionen wie Kinderfest und Weihnachtsmarkt auf den Standort aufmerksam zu machen. Und als kürzlich „Die Vitrine“ in der Herrenstraße, eine Institution, schloss, haben zwölf Geschäfte mitgemacht, um das Schaufenster ansehnlich zu dekorieren. An dieser Ecke in der Herrenstraße habe sich manches verändert, aber „es hellt sich dort Gott sei Dank wieder auf“. Heißt: Der Besatz wird wieder kommen. Theiß findet im Übrigen, dass die Lage zu kritisch gesehen wird. „Es gibt nicht mehr Leerstand als im Winter 2017“, sagt er. Aber Cochem müsse versuchen, die Nebensaison besser auszufüllen. „Wir müssen uns eher dahinbewegen, die Geschäfte offenzuhalten.“ Vor allem im Dezember sieht er noch Einnahmepotenzial.

Für Stadtchef Lambertz ist der Besatz in der Innenstadt „nach wie vor gut“. Er habe Informationen, nach denen auch viele Lücken bald geschlossen werden, insbesondere in den 1-a- und 1-b-Zonen. So komme beispielsweise am oberen Markt ein hochwertiges Geschäft mit Wohnaccessoires in ein leer stehendes Lokal hinein. Das Leerstandmanagement, das bei der Stadt angesiedelt ist, tue sein Übriges dazu. Für den Geschäftsmann, der die Mietpraxis aufs Korn nimmt, hat die Stadt Cochem schon so etwas wie Selbstheilungskräfte. „Wenn der erste verkaufsoffene Sonntag im März stattfindet, kommen danach Interessenten an, die ein Ladenlokal mieten möchten.“ Der Preis sei ihnen mehr oder minder egal – die Stadt sei ja voll mit Kundschaft. Zumindest von Frühling bis Herbst.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

Thomas Brost zu Cochems Leerstand

Mehr über den Einzelhandel sprechen

Ist alles schlimmer als sonst in der Einkaufsstadt Cochem? Die Zahlen sprechen dafür. Aber: Es gibt diesen Automatismus, dass sich kurz nach dem verkaufsoffenen Sonntag im März fast alle Läden wie durch Zauberhand füllen. Dennoch: 20 Lokale stehen leer, ein Indiz dafür, dass Cochem seine Anziehungskraft im Winter fürs Umland verloren hat. Was tun?

Der Ansatz des umtriebigen Arge-Vorsitzenden, die Saison in einer konzertierten Aktion zu verlängern, ist zu begrüßen. Ebenso müssen weitere Instrumente her, um das „Kraftzentrum Cochem“ (Manfred Schnur) wieder so attraktiv zu machen, dass der „Cochem-Ländler“ es nicht links liegen lässt und nach Mayen, Wittlich oder Koblenz zum Einkauf fährt. Da kann ein Marketing-Arbeitskreis zwischen der Stadt, den politischen Akteuren und der Arge sinnvoll sein, um Konzepte zu erarbeiten. Ein Citymanager, der sich intensiv um den „richtigen“ Besatz kümmern würde, wäre das Sahnehäubchen. Auf jeden Fall muss mehr über den Einzelhandel gesprochen werden, der in vielen Branchen, in puncto Bekleidung und wertige Haushaltsartikel beispielsweise, ja gut aufgestellt ist. Der Kunde aus dem nahen Umland muss spüren, dass er genauso willkommen ist wie ein Gast. Und auch bei Parkgebühren noch stärker entlastet wird. Ob der Einzelhandel eines Tages dort hinkommt, dass – wie vor Jahrzehnten – jede Familie ein- bis zweimal pro Jahr nach Cochem fährt, um dort vieles einzukaufen?

E-Mail: thomas.brost@rhein-zeitung.net

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