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Cochem/Koblenz

Camping-Horror: Nach brutalem Überfall geht es Urlauberin wieder besser – Täter weiter in U-Haft

Eine gute Nachricht: Der jungen Niederländerin, die im September vergangenen Jahres auf dem Campingplatz in Cochem-Cond brutal zusammengeschlagen und sexuell genötigt worden war, geht es wieder deutlich besser. Der Täter sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft.

In diesem Sanitärgebäude ereignete sich am frühen Morgen des 20. Septembers ein brutales, sexuell motiviertes Verbrechen. Opfer: eine junge Niederländerin. Der Täter sitzt noch in U-Haft.
In diesem Sanitärgebäude ereignete sich am frühen Morgen des 20. Septembers ein brutales, sexuell motiviertes Verbrechen. Opfer: eine junge Niederländerin. Der Täter sitzt noch in U-Haft.
Foto: Archiv David Ditzer

„Sie arbeitet daran, dass sie das Geschehene verarbeitet. Und sie ist auf einem guten Weg“, sagt Bernd Schuwerack. Der Geschäftsführer der Freizeitzentrum Betriebsgesellschaft, zu der auch der Campingplatz gehört, hat sich zuletzt kurz vor Weihnachten per E-Mail mit ihr ausgetauscht. Ihr mutmaßlicher Peiniger, ein zur Tatzeit 29 Jahre alter Matrose, sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft, teilt die Staatsanwaltschaft Koblenz auf RZ-Nachfrage mit. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn ist inzwischen abgeschlossen.

Am Anfang eines jeden Strafverfahrens steht das Ermittlungsverfahren. Es kommt in Gang, sobald die Staatsanwaltschaft durch eine Anzeige oder auf andere Weise vom Verdacht einer Straftat erfährt. Zunächst ermittelt die Polizei selbstständig, sichert Spuren am Tatort, vernimmt Zeugen. Dabei erstellt sie eine Akte, die sie der Staatsanwaltschaft vorlegt, wenn der Gegenstand aus ihrer Sicht ausermittelt ist. Nötigenfalls ordnet die Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen an. Das Ermittlungsverfahren endet mit der sogenannten „abschließenden Verfügung“ vonseiten der Staatsanwaltschaft.

Zum Falle der sexuellen Nötigung teilt Oberstaatsanwalt Rolf Wissen von der Staatsanwaltschaft Koblenz mit: „Die abschließende Verfügung ist zwischenzeitlich erstellt worden.“ Diese müsse nun jedoch zunächst den Betroffenen bekannt gemacht werden. Wissen: „Das dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Erst danach könne man der Öffentlichkeit Auskunft über den Inhalt geben.

Besteht ein hinreichender Tatverdacht, was in der Causa Campingplatz wahrscheinlich sein dürfte, reicht die Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift beim zuständigen Gericht ein. Schon kurz nach dem brutalen sexuell motivierten Überfall hatte die Polizei den mutmaßlichen Täter, den der Freund des Opfers in die Flucht geschlagen hatte, festgenommen. Das Amtsgericht Koblenz hatte am Tag nach der Tat Haftbefehl gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und sexueller Nötigung erlassen.

Ein kurzer Rückblick auf das abscheuliche Verbrechen, das nicht nur die Menschen in Cochem, sondern auch im gesamten Umland schockierte: Am 20. September gegen 2 Uhr überfällt ein Mann eine junge Niederländerin auf dem Campingplatz am Conder Moselufer. Er schlägt sie zusammen, zerrt sie in ein Sanitärgebäude und zwingt sie „zu erheblichen sexuellen Handlungen“, wie es Oberstaatsanwalt Wissen unmittelbar nach der Tat formulierte. Für ihn handelte es sich „um ein Verbrechen, das man in seiner Brutalität auch als Staatsanwalt nicht alle Tage sieht“.

Dem ersten Anschein nach war der mutmaßliche Täter als Matrose in Cochem unterwegs und fasste den Entschluss, einer Frau aufzulauern, sie zu überfallen und zu vergewaltigen, erst kurz vor der Tat. Am Conder Campingplatz hielt er im Dunkeln nach einem Opfer Ausschau, bis er die junge Niederländerin sah. Die befand sich auf dem Weg von ihrem Campingwagen am Moselufer zum Sanitärgebäude. Dass der mutmaßliche Täter die Vergewaltigung nicht vollendete, war dem Freund des Opfers zu verdanken. Er vermisste seine Freundin nach einer Weile und kam ihr zu Hilfe.

Zum Zeitpunkt der Tat befand sich Campingplatz-Geschäftsführer Bernd Schuwerack in Südtirol im Urlaub. Seine Stellvertreterin, Christa Leydecker, besuchte die junge Niederländerin unmittelbar nach der Tat im Krankenhaus. Cochems Verbandsgemeindebürgermeister Helmut Probst ließ ihr Schuwerack zufolge Blumen und Genesungswünsche zukommen. Am dritten Adventswochenende sandte die Niederländerin per E-Mail eine Karte mit Weihnachts- und Neujahrsgrüßen an Bernd Schuwerack. Darin bedankt sie sich ausdrücklich für die überwältigende Anteilnahme, die sie und ihr Freund nach dem Verbrechen erfuhren, berichtet Schuwerack. Verständlicherweise möchte sie anonym bleiben. Nach dem Albtraum vom 20. September habe „eine unvorstellbare Welle der Liebe“ sie erreicht, teilt die Frau in der Mail mit. Und zwar in Form von herzerwärmenden Karten, Telefonaten, Besuchen und in Form von vielen helfenden Händen.

Vorwürfe macht die junge Frau den Campingplatzbetreibern in keiner Weise. Im Gegenteil, sie selbst sagt, dass diese den brutalen Übergriff in der Weise, wie er erfolgt sei, nicht hätten verhindern können. Nicht nur, aber auch deshalb hält der Campingplatz vor allem am bewährten Sicherheitskonzept fest: Es ist ständig eine Nachtwache präsent, die regelmäßig über das weitläufige Campingplatzgelände patrouilliert. Letzteres ist auch nachts hell erleuchtet. „Wir überlegen noch, auch mehr mit Überwachungskameras zu machen“, sagt Schuwerack. Doch hier würden rechtlich klare Grenzen aufgezeigt. Sowieso gilt in seinen Augen: „Wir können hier nicht dichtmachen wie in Fort Knox. Das ist kein Gefängnis, sondern ein Campingplatz.“

Die körperliche Genesung des Überfallopfers schreitet dem Campingplatz-Chef zufolge glücklicherweise gut voran. Zur Arbeit gehe sie allerdings noch nicht wieder. Schuwerack: „Ich freue mich wirklich von Herzen, dass es ihr besser geht. Die Frau ist richtig mutig.“ Das Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Täter wird aller Voraussicht nach in ein Gerichtsverfahren münden. Doch zunächst muss die Staatsanwaltschaft Koblenz Anklage erheben.

Von unserem Redakteur David Ditzer

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