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Cochem

Brille kaputt: Bauer muss einiges zahlen


Thomas Brost

Zwei Kampfhähne, die sich fast an die Wäsche gehen, ein bedrohlicher Mähdrescher und eine Brille, die zerbricht: Aus dieser reichlich undurchsichtigen Gemengelage ist ein Zivilprozess gestrickt, der gestern zu Ende gegangen ist. Mit einem salomonischen Urteil.

Symbolfoto.
Symbolfoto.
Foto: picture alliance / dpa

Was war an jenem Sommerabend 2017 in einem Eifeldorf passiert?

Eine Gartenparty ist im Gange, als sich am Gartentor jemand lauthals beschwert: ein Bauer, der mit seinem Mähdrescher an einem parkenden Auto nicht vorbeifahren kann. Kraftausdrücke fallen. Das Auto wird von einer Frau rangiert und in einen Hof gefahren.

Wieso eskaliert der Streit danach immer weiter?

Ein Partygast tritt auf und belegt den Bauer mit Ausdrücken, der seinerseits zurückkeilt. Er eilt in sein Führerhaus, während der andere hochhüpfen will. Aber: „Es steht nicht fest, von wem die Auseinandersetzung ausging“, sagt Richterin und Amtsgerichtsdirektorin Doris Linden. Zeugenaussagen gehen auseinander, was die Chronologie anbetrifft. Einzig steht fest, dass beide ziemlich aufgeregt waren.

Der Mähdrescher läuft. Fährt der Bauer abrupt los und bringt damit den Widersacher in Lebensgefahr, aus der ihn ein Kumpel mit einem beherzten Griff aus der Gefahrenzone hievt?

Auch dies lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Der Motor läuft, wie dann die Bewegung des Mähdreschers – etwa in Richtung des Klägers – aussieht, vermag keiner mit Gewissheit zu sagen.

Wie sieht das Gericht den Bruch der Brille des Klägers?

Alle Zeugen – bis auf den Bauern – behaupten, dass der Kläger eine Brille getragen hat. Als der Streit am Mähdrescher sich hochschaukelt, verliert er sie, sie wird vom tonnenschweren Fahrzeug überrollt. Das ist, so sagt Richterin Linden, unstrittig, die Brille ist kaputt – überrollt vom Mähdrescher. Insofern habe der Bauer die Pflicht, vorausschauend zu fahren im Straßenverkehr, verletzt. Andererseits: Der Kläger hat „als Fußgänger den Verkehr nicht hinreichend betrachtet“, auch ihn trifft eine Mitschuld.

Wie sieht das Urteil im Zivilverfahren aus?

Die Klage wird abgewiesen, weil beidseits ein Verschulden vorliegt. Die Kosten des Rechtsstreites werden gegeneinander aufgewogen. Aber im Tenor heißt es, dass der Bauer Rücksichtspflichten im Straßenverkehr verletzt hat, durch die die Brille – und auch eine 20 Euro teure Uhr, die nicht Gegenstand des Verfahrens ist – zu Bruch gegangen ist. Er muss 162,50 Euro nebst Zinsen an den Partygast zahlen – das ist exakt die Hälfte der Kosten für dieses Brillenexemplar. Hinzu kommen 84,54 Euro plus Zinsen, die der Kläger für vorgerichtliche Kosten erhält. Zuvor war schon eine strafrechtliche Sache eingestellt worden.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

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