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Cochem

Blutige Prügelei: Wer schlug wen mit Flasche?

Am Treppenaufgang zu Gleis 2 steht eine blutgetränkte Bierflasche. Ein Mann ist verletzt. Ein anderer wird von der Polizei in Gewahrsam genommen. Augenzeugen sind in Eile um ihren Zug zu erwischen.

Symbolfoto.
Symbolfoto.
Foto: Kevin Rühle

Was war an jenem Sommerabend im August 2017 auf dem Bahnsteig des Cochemer Bahnhofs geschehen? Diese Frage war kürzlich Gegenstand einer Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Cochem. Die Staatsanwaltschaft Koblenz wirft einem jungen Syrer vor, er habe einen Mann mit einer Glasflasche angegriffen und sich anschließend mit der herbeieilenden Polizei einen Ringkampf geliefert, infolge dessen sich einer der Polizeibeamten leicht verletzt habe.

Dafür musste der Angeklagte sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Den tatsächlichen Geschehensablauf zu ermitteln, gestaltete sich jedoch sehr schwierig.

Der Angeklagte, der die Tat wohl zunächst bei der Jugendgerichtshilfe eingeräumt hatte, bestritt zu Beginn der Hauptverhandlung die Version der Staatsanwaltschaft jedoch vehement. Der Angeklagte selbst präsentierte im Laufe der Verhandlung immer wieder verschiedene neue Versionen der Geschehnisse an besagtem Tag im August. Er habe sich mit einem Freund, dessen vollständigen Namen er nicht kennt, an der Mosel getroffen, um Alkohol zu trinken.

Für den Angeklagten sei es das erste Mal gewesen, dass er Alkohol konsumiert habe. Als sein Kollege dann weg musste, seien andere Freunde zu ihm gestoßen, mit denen er anschließend zunächst puren Wodka, anschließend Wodka mit Orangensaft getrunken habe. Wie sich das Geschehen dann zum Bahnhof verlagert hat, geht aus den sehr ausführlichen Erläuterungen des Angeklagten nicht hervor.

Er habe sich jedenfalls sehr betrunken gefühlt. Ein später von der Polizei durchgeführter Alkoholtest ergab jedoch nur eine verhältnismäßig geringe Atemalkoholkonzentration von 0,44 Promille. In der ersten Version des Angeklagten, der kaum Deutsch spricht, habe sich sodann das spätere Opfer über ihn lustig gemacht, weil er betrunken gewesen sei.

Der Angeklagte sei dann auf das Opfer zugegangen und habe ihn darauf hingewiesen, dass er sich nicht über ihn lustig machen solle. Das später Opfer habe ihn daraufhin am Kragen gepackt. Der Angeklagte habe dann die Hand des Opfers von seinem Kragen weggestoßen, woraufhin er vom Opfer geschubst worden sei.

Aus Angst vor einem weiteren Angriff des Opfers sei er dann auf ihn losgegangen. Wenig später beschrieb der Angeklagte eine andere Version: Das Opfer habe ihn angeschaut und etwas gesagt. Dadurch habe es bei ihm den Eindruck erweckt, es wolle ihn beklauen. Später habe das Opfer ihn geschlagen, und er habe sich seinerseits mit Schlägen gewehrt.

Als Amtsrichter Gerald Michel den Angeklagten noch einmal konkret mit dem Vorwurf des Angriffs mittels einer Glasflasche konfrontierte, präsentierte der Angeklagte schließlich eine dritte Variante des Geschehensablaufs: Das spätere Opfer habe ihn mit einer Glasflasche angegriffen, nicht umgekehrt. Er habe dann nur versucht, ihm die Flasche wieder abzunehmen.

Aufgrund der Tatsache, dass die bisher vorliegenden Aussagen sowohl lückenhaft als auch teilweise widersprüchlich sind, konnte noch nicht ermittelt werden, ob der Angeklagte das Opfer mit einer Flasche angegriffen hat oder nicht. Da dies jedoch für die Frage, ob sich der Angeklagte der gefährlichen oder einfachen Körperverletzung schuldig gemacht hat, was wiederum für das Strafmaß entscheidend ist, wurde ein zweiter Termin anberaumt, zu dem eine Augenzeugin aus Norddeutschland, die sowohl die Polizei verständigt als auch den Vorfall in Gänze beobachtet hatte, geladen werden soll.

Bevor der Angeklagte, der in der Vergangenheit bereits wegen auffälligen Verhaltens aus zwei Sprach- und Integrationskursen ausgeschlossen und sich zu einem geplanten dritten nicht angemeldet hatte, den Saal verließ, redete ihm Jugendgerichtshelfer Thomas Mauer noch einmal ins Gewissen: „Die Zeit bis zum zweiten Verhandlungstermin ist auch eine Art Bewährungszeit. In der zweiten Sitzung wird man dann auch schauen müssen, wie die Zusammenarbeit in der Zwischenzeit gelaufen ist und natürlich ob und welches Kursangebot in Anspruch genommen wurde.“

Von unserem Mitarbeiter Philipp Wirtz

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