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Senheim

Altes Pflaster in Senheim noch zu retten? Der Bagger ist schon bestellt

Hinter vorgehaltener Hand sagen einige, dass sie wohl den Aufriss der Straße „Altmai“ in Senheim nicht mehr verhindern können. Der Ausbau ist durch alle Gremien durch. Aber die Fürsprecher für den Erhalt der alten Pflasterstraße bleiben kämpferisch: „Wir werden alle Möglichkeiten ausnutzen“, sagt Professor Hermann Josef Schmidt. Und sie wissen auch einen Verband an ihrer Seite, der gehört wird: der Rheinische Verein für Landschaftsschutz und Denkmalpflege (RVDL). Deren Repräsentanten auf Landesebene haben sich in die Diskussion um die „Altmai“ eingeschaltet.

Wenn es nach dem Willen des Gemeinderates und von Ortsbürgermeister Lothar Stenz geht, soll das Basaltgroßpflaster mitsamt Moselkiessteinen in der Straße „Altmai“ einem modernen Pflaster weichen. Der RVDL ist massiv dagegen, der GDKE sieht keinen Grund zum Erhalt. Foto: Thomas Brost
Wenn es nach dem Willen des Gemeinderates und von Ortsbürgermeister Lothar Stenz geht, soll das Basaltgroßpflaster mitsamt Moselkiessteinen in der Straße „Altmai“ einem modernen Pflaster weichen. Der RVDL ist massiv dagegen, der GDKE sieht keinen Grund zum Erhalt.
Foto: Thomas Brost

So beschwören Professor Dr. Matthias Müller, der Stellvertretende RVDL-Vorsitzende, und Dr. Martin Bredenbeck, der Geschäftsführer, in einem Schreiben: „Bitte wenden Sie eine Erneuerung des Straßenbelags in Betonpflaster ab und erhalten Sie die vorhandene Pflasterung.“ Adressiert ist das Schreiben an Landrat Manfred Schnur, an den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Cochem und an Senheims Ortschef Lothar Stenz. In dem Brief heißt es, dass der Belag aus Basaltgroßpflaster und Moselkies an der Altmai „eine Besonderheit“ sei. Zwar sei die Straße kein Baudenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Dennoch handele es sich bei der Gestaltung „zweifellos um ein kulturhistorisches Denkmal mit ortsbildprägender Wirkung“, stellt der RVDL fest. Müller und Bredenbeck: „Wir halten diese Substanz für besonders erhaltens- und pflegenswert“.

Diese Auffassung teilt Landrat Manfred Schnur offenbar nicht. Dieser Schluss lässt jedenfalls ein Antwortschreiben an den RVDL-Kreisvorsitzenden Gerhard Schommers zu. Schnur zufolge sei die Altmai erst vor zwei Jahren in denkmalrechtlicher Hinsicht von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) überprüft worden. Die GDKE kommt zum Schluss, dass die Pflasterung der Altmai „offenkundig aus dem 20. Jahrhundert stammt“. Durch Tiefbauarbeiten sei überdies das Pflaster verändert worden und „nicht mehr ganz einheitlich“. Deswegen könne die Straße, so die Generaldirektion Kulturelles Erbe, „wegen ihres geringen historischen Zeugniswertes“ keinen Denkmalwert für sich beanspruchen. Nur wenn diese Straße wie auch andere im Ortskern zu einer Denkmalschutzzone gehörten, wäre eine Relevanz gegeben. Die Gemeinde Senheim habe aber keine Denkmalschutzzone ausgewiesen, im Übrigen sei die Ursprungsbebauung nach dem Brand von 1839 „in weiten Bereichen erneuert oder modern überformt“ worden. Und darüber hinaus liege die Planungshoheit prinzipiell bei der Ortsgemeinde Senheim, die Kreisverwaltung dürfe sich nicht einmischen, so Landrat Manfred Schnur in seinem Brief.

Dagegen steht die Meinung des Rheinischen Vereins für Landschaftsschutz und Denkmalpflege. Er beharrt darauf, dass die Erneuerung in Betonstein „aus unserer Sicht zu einem Verlust von Eigenart, Charakter und Handwerk“ führe. Dies „schade dem Ortsbild eher“. Praktische Überlegungen wie das moderne, unter Umständen pflegeleichtere Material wiegen den Verlust des Pflasters nicht auf, so der RVDL. Dass der Gemeinderat noch mal umschwenkt, ist eher unwahrscheinlich. Der Bagger ist schon bestellt.

Von unserem Chefreporter Thomas Brost

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