40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Als Waffen aus der Eifel auf Antwerpen gerichtet waren
  • Aus unserem Archiv
    Bad Bertrich

    Als Waffen aus der Eifel auf Antwerpen gerichtet waren

    Es war ein für gut 60 Zuhörer mehr als interessanter Nachmittag im Kurfürstlichen Schloss in Bad Bertrich. Auf Initiative des Kennfuser Heimatforschers Peter Laux und mit Unterstützung der Eifelvereins Ortsgruppe Bad Bertrich informierte der Historiker Wolfgang Gückelhorn (Bad Breisig) unter dem Titel „Eifelschreck“ über den Einsatz sogenannter Vergeltungswaffen in der Eifel in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Veranschaulicht wurde der Vortrag durch viele Bilder aus dieser Zeit und Originalkarten. Und die Besucher – davon viele nicht in dem Alter von Zeitzeugen – erfuhren, dass die Waffen V1 (erster Marschflugkörper), V2 (erste Großrakete) und die Kanone V3 nicht gegen militärischen Ziele zum Einsatz kamen, sondern zu Angriffen gegen die Zivilbevölkerung der Kriegsgegner benutzt wurden.

    Bad Bertrich – Es war ein für gut 60 Zuhörer mehr als interessanter Nachmittag im Kurfürstlichen Schloss in Bad Bertrich. Auf Initiative des Kennfuser Heimatforschers Peter Laux und mit Unterstützung der Eifelvereins Ortsgruppe Bad Bertrich informierte der Historiker Wolfgang Gückelhorn (Bad Breisig) unter dem Titel „Eifelschreck“ über den Einsatz sogenannter Vergeltungswaffen in der Eifel in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Veranschaulicht wurde der Vortrag durch viele Bilder aus dieser Zeit und Originalkarten. Und die Besucher – davon viele nicht in dem Alter von Zeitzeugen – erfuhren, dass die Waffen V1 (erster Marschflugkörper), V2 (erste Großrakete) und die Kanone V3 nicht gegen militärischen Ziele zum Einsatz kamen, sondern zu Angriffen gegen die Zivilbevölkerung der Kriegsgegner benutzt wurden.


    „Die Produktion der Waffen hat damals sehr viele personelle und materielle Ressourcen gebunden, das militärische Ergebnis war aber sinnlos“, berichtete Gückelhorn. So wären die Verluste bei der Waffenproduktion viel höher gewesen als beim getroffenen Gegner. „Dennoch hat Propagandaminister Joseph Goebbels den Einsatz für seine Zwecke zu nutzen gewusst. Er vermittelte der leidendenden Bevölkerung den Eindruck, dass die Belgier und Briten noch mehr zu leiden hätten.“
    Im Kreis waren im Sommer 1944 auch operative Stellungen zum Abschuss der V1 in Richtung des belgischen Antwerpens eingerichtet worden. Organisiert von Büchel aus lagen zwei Feuerstellen auf dem Gelände des heutigen Militärflugplatzes Büchel, eine bei Urschmitt und eine oberhalb von Gillenbeuren. Gückelhorn schilderte die Einsatzstrukturen, den Aufbau der Feuerstellen und wie die V1 zum Abschuss gebracht wurde. Weil beide Kriegsparteien alle Einsätze akribisch zu Papier brachten, konnte er alles mit genauen Zahlen unterlegen. So wurden im Bereich der Eifel 5618 Stück abgeschossen, wobei vor allem die sehr vielen Frühabstürze rund um die Feuerstellen der noch nicht ausgereiften Waffe erwähnenswert waren. „Dadurch verloren in der Eifel mindestens 100 Menschen ihr Leben und nach Kriegsende litten vor allem spielende Kinder beim Fund explodierender Sprengsätze“, so der Historiker.
    Lebhaft war die anschließende Diskussion, in der es selbstverständlich ausgiebig um die Lage in der hiesigen Eifel und die Frühabstürze in und in unmittelbarer Nähe der Dörfer ging. Ignaz Schneider aus Gillenbeuren war damals sechs Jahre alt und erzählte: „Für uns Kinder war das eine irgendwie aufregende Sache, an die ich mich noch genau erinnern kann. Bei uns im Haus wohnten einige Soldaten und jeden Abend war es spannend, was sie denn in ihren Hosentaschen mitbrachten. Ich glaube heute liegen noch einige kleine, damals wertvolle Schräubchen in meinem Werkzeugkasten.“ Josef Jakobs (84) aus Driesch erinnert sich: „Durch die vielen Abstürze lagen auf den Wiesen kleine mit Stacheldraht umwickelte Pressluftkugeln. Wenn die Kühe sie fraßen, sind viele daran gestorben. Die Abstürze hatten aber auch etwas Positives, weil wir viel rostfreies Blech fanden, dass für alle möglichen Reparaturen gut zu gebrauchen war.“ Aber auch den ersten Abschuss einer V1 hat er immer noch im Gedächtnis: „Zuerst hörte ich einen Schuss, dann folgte ein anhaltendes Geräusch bis sie nach dem zweiten Knall abzog.“
    Interessant war, dass der Fahrer mit der Kuhmilch die Abfeuerstelle nie sehen durfte. Bei der Durchfahrt wurden ihm deshalb die Augen verbunden und die Soldaten übernahmen die Zügel. Aber der Klidinger Ernst Leitges (87) hatte es dennoch geschafft, eine Stelle zu betreten: „Ich war auf Heimaturlaub und auf dem Weg nach Hause musste ich an der Rampe bei Urschmitt vorbei. Ich habe den Kommandeur so bequatschen können, dass er mich durchgeführt hat. Das war beeindruckend.“ Beeindruckt waren auch die vielen jüngeren Zuhörer, denn rund um die V1 in der Eifel gab es noch viele andere Geschichten zu erzählen. Von Alfons Benz

    Cochem Zell
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Freitag

    2°C - 6°C
    Samstag

    0°C - 5°C
    Sonntag

    1°C - 4°C
    Montag

    5°C - 8°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige