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Mayen

Weltweites Kunstprojekt: Marika Kohlhaas wird zur "Lady in Red"

Wenn Marika Kohlhaas die Energie eines besonderen Ortes spürt, dann verwandelt sie sich in die "Lady in Red" ("Dame in Rot"). So nennt sie ihr Aktionskunst-Projekt, das sie schon an vielen verschiedenen Orten weltweit umgesetzt hat. Um zur "Lady in Red" zu werden, umhüllt sich Kohlhaas mit einer 6 Meter langen roten Stoffbahn. "Wie eine Mumie", erklärt die Mayener Künstlerin. So verhüllt, fehlen ihr alle visuellen Reize. "Dann fühle ich nur noch." Rund eine Viertelstunde verharrt sie dann so.

Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

In Indien hat sich Kohlhaas schon verwandelt, in der Türkei und in Dubrovnik. "Dort habe ich zehn Jahre lang als ganz normaler Mensch gelebt", sagt sie. Doch als sie 20 Jahre später in die alte Heimat zurückkehrt und in ihr zweites Ich als "Lady in Red" schlüpft, "da habe ich mich fremd gefühlt", erzählt die Künstlerin. "Ich habe mich in meiner roten Hülle versteckt."

An Orten, an denen Marika Kohlhaas eine besondere Energie verspürt, verwandelt sie sich in die "Lady in Red", um sich ganz auf diese Gefühle einzulassen. Später entstehen individuelle Bilder, die die Mayener Künstlerin als Teil ihrer Lebensgeschichte sieht. Foto: Hilko Röttgers
An Orten, an denen Marika Kohlhaas eine besondere Energie verspürt, verwandelt sie sich in die "Lady in Red", um sich ganz auf diese Gefühle einzulassen. Später entstehen individuelle Bilder, die die Mayener Künstlerin als Teil ihrer Lebensgeschichte sieht.
Foto: Hilko Röttgers

Ebenso intensiv, aber sehr viel angenehmer sind ihre Erfahrungen im Bryce Canyon Nationalpark. Dort gibt es die sogenannten Hoodos, säulenartige Formationen aus rotem Gestein. "Diese Landschaft erschlägt einen", schildert Kohlhaas den überwältigenden Anblick. "Als ‚Lady in Red‘ wurde ich selbst zu einer der Säulen."

Doch nicht überall kommt die "Lady in Red" gut an. "Am Times Square in New York war das ein bisschen problematisch", berichtet Kohlhaas. Einige Polizisten, die die Aktion mitbekommen, hätten doch sehr kritisch geguckt. "Die haben mich ausgefragt, warum ich das mache." Unterbunden haben sie die Aktion aber nicht.

Anders als in Dubai. Dort will Kohlhaas in gut 555 Metern Höhe auf der Aussichtsplattform des Burj Khalifas, des höchsten Gebäudes der Welt, zur "Lady in Red" werden. Doch das Vorhaben scheitert schon am Eingang. "Die haben mir den Rucksack abgenommen", erzählt Kohlhaas. Auch ihre Erklärungen können die Wachleute nicht umstimmen. Ähnlich ergeht es ihr im Kaiserpalast in China. "Dort durfte ich auch nicht." Und in Delphi kann die Mayener Künstlerin zwar mit der Aktion beginnen, "aber dann musste ich mich schnell wieder umziehen, sonst hätten die mich verhaftet", erzählt sie. "Da war es für mich am gefährlichsten."

Wenn Kohlhaas zur "Lady in Red" wird, macht ihr Mann Fotos von der Aktion. Diese Bilder dienen später als Grundlage für die weitere künstlerische Arbeit. "Ich male die Fotos aber nicht ab", betont Kohlhaas. "Sondern ich versuche zu abstrahieren, die Gefühle umzusetzen, die beim Malen wieder lebendig werden."

Die "Lady in Red" im Bryce Canyon Nationalpark.  Foto: privat
Die "Lady in Red" im Bryce Canyon Nationalpark.
Foto: privat

Jedes Bild hat seine ganz eigene Symbolik, die sich der Betrachter selbst erschließen muss. Erklären möchte Kohlhaas diese Bilder eigentlich nicht. "Sonst mache ich mit meiner Erklärung vielleicht etwas kaputt", sagt sie. Vielmehr sollen die Bilder die Fantasie der Betrachter anregen. "Sie sollen ihren eigenen Dialog mit den Bildern führen", sagt Kohlhaas. Dass damit nicht jeder Kunstinteressierte etwas anfangen kann, ist Kohlhaas bewusst. Man müsse sich auf das Projekt einlassen und sich mit der Thematik auseinandersetzen. "Das kann auch anstrengend sein", räumt Kohlhaas ein. "‚Lady in Red‘ ist sehr individuell. Deswegen male ich die Bilder vor allem für mich selbst. Sie sind Teil meiner Lebensgeschichte."

Wer neugierig auf das Projekt "Lady in Red" geworden ist oder weitere aktuelle Werke von Marika Kohlhaas betrachten möchte, hat am Sonntag, 11. September, die Gelegenheit dazu. Dann öffnet die Künstlerin von 13 bis 17 Uhr die Tore ihres Ateliers in der Straße Am Brückentor 12 (Hinterhof). Der Eintritt ist frei.

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