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Andernach

Umstrittenes Bauprojekt in der Andernacher Bismarckstraße: Anwohner ärgern sich über Parkdeckabriss

Martina Koch

Über die Überplanung von Baulücken wurde in den vergangenen Jahren in Andernach viel diskutiert. Immer wieder protestierten Anwohner gegen Vorhaben, die sich ihrer Ansicht nach nicht gut in die bestehende Bebauung einpassen. Bei einem dieser Vorhaben wurden vor wenigen Wochen Tatsachen geschaffen: Das Parkdeck in der Bismarckstraße hinter dem Penny-Markt wurde komplett dem Erdboden gleichgemacht.

Statt einer Baugrube sollte auf dem Grundstück in der Andernacher Bismarckstraße eigentlich ein Parkdeck zu sehen sein, welches ein Investor laut Baugenehmigung um mehrere Wohngeschosse aufstocken wollte. Doch davon ist inzwischen keine Rede mehr.
Statt einer Baugrube sollte auf dem Grundstück in der Andernacher Bismarckstraße eigentlich ein Parkdeck zu sehen sein, welches ein Investor laut Baugenehmigung um mehrere Wohngeschosse aufstocken wollte. Doch davon ist inzwischen keine Rede mehr.
Foto: privat

Antje und Stefan Seibeld, die neben dem Grundstück wohnen, verfolgten die Arbeiten mit Verwunderung: War doch in der Baugenehmigung immer die Rede davon, dass eine Aufstockung des Parkdecks um mehrere Wohngeschosse geplant sei. Die Andernacher fühlen sich von der Stadtverwaltung schlecht informiert und im Stich gelassen.

Dass sich auf dem Nachbargrundstück einmal etwas tun wird, war den Seibelds klar: Das städtebauliche Filetstück am Eingang zur Andernacher Innenstadt ist prädestiniert für eine Wohnbebauung. Doch als die Eheleute vor zwei Jahren erfuhren, was ein Investor nebenan plant, waren sie geschockt: Das Parkdeck soll mit den laut Bebauungsplan erlaubten drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss aufgestockt werden (wir berichteten). Das Grundstück der Seibelds befindet sich am Hang unterhalb des Neubauprojekts und würde von dessen Ausmaßen komplett in den Schatten gestellt, fürchten die Anwohner.

Sie sammelten von Beginn an so viele Informationen wie möglich über das Vorhaben, um prüfen zu können, ob ihre nachbarschaftlichen Interessen gewahrt werden. Die Baupläne und der Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung füllen inzwischen einen dicken Ordner, in dem Peter Seibeld im Gespräch mit der Rhein-Zeitung blättert: „Wir wollen das Gebäude ja nicht grundsätzlich verhindern, sondern nur nicht, dass es diese Dimensionen hat.“

Mehrfach versuchten die Seibelds, die Geschossflächenzahl des benachbarten Bauprojekts in Erfahrung zu bringen. Diese Kennzahl gibt das Verhältnis der gesamten Fläche aller Vollgeschosse des Neubaus zur Fläche des Baugrundstücks an und lässt damit Rückschlüsse auf das Maß der baulichen Nutzung – also die Ausmaße des Vorhabens – zu. Doch sei ihnen die Stadt eine Antwort auf ihre Anfrage lange schuldig geblieben, berichtet Peter Seibeld: „Wir wurden immer wieder vertröstet.“ Während die Eheleute noch auf Informationen der Verwaltung über die Ausmaße des Neubaus warteten, begann auf dem Nachbargrundstück der Abriss des Parkdecks – obwohl im Bauvorbescheid aus dem Jahr 2016 lediglich von einer Aufstockung die Rede ist. „Aus meiner Sicht sind damit die Voraussetzungen für den Bauvorbescheid hinfällig“, ärgert sich Peter Seibeld. Schließlich gelte dieser lediglich für die Überplanung eines bestehenden Gebäudes.

Der Investor habe von Anfang an geplant, das Parkdeck abzureißen, habe dies aber bei der Bauvoranfrage nicht angemeldet, um das Verfahren zu vereinfachen, vermuten Seibelds – ein Vorgehen, welches für das Paar einen schalen Beigeschmack hat. „Es geht uns auch um das Vertrauen in die Verwaltung und den Stadtrat. Das ist nicht meine Aufgabe als Bürgerin, mich in diese Thematik einzuarbeiten“, betont Antje Seibeld.

In den vergangenen Monaten hat sich bei dem Paar der Eindruck verfestigt, dass die Verwaltung das Vorhaben ohne Rücksicht auf die Interessen der betroffenen Anwohner durchboxen wolle: „Die Dinge entwickeln sich über uns hinweg, und wir haben keine Möglichkeit, was zu tun“, resümiert Peter Seibeld frustriert. Eine Klage gegen das Vorhaben hätte keine Aussicht auf Erfolg, haben die Eheleute in Erfahrung gebracht: Das Gebot auf nachbarschaftliche Rücksichtnahme werde durch das Bauprojekt nicht verletzt, haben sie in Erfahrung gebracht. Für Seibelds klingt das wie Hohn: „Der Neubau verschandelt einfach die Ansicht der Bismarckstraße und senkt die Wohnqualität.“

Von unserer Redakteurin
Martina Koch

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