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Plaidt/Koblenz

"Streetkillers"-Prozess: Prügelei ums letzte Bier bleibt ein Rätsel

Blutige Köpfe, ausgeschlagene Zähne, malträtierte Rippen und ein Trauma: Auf dem Junggesellenfest in Plaidt kam es 2016 zu einer Massenprügelei – aber es bleibt unklar, wer daran schuld war. Seit Mitte Oktober standen fünf Männer wegen des Gewalteklats vor dem Landgericht Koblenz. Jetzt hat der Vorsitzende Richter Andreas Groß das Urteil verkündet: fünf Freisprüche.

dpa
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„Wir können nicht sagen, wer mit der körperlichen Auseinandersetzung begonnen hat“, erklärte der Richter. Die Aussagen der Tatzeugen seien zu unterschiedlich gewesen. Jeder habe etwas anderes berichtet.

Die fünf Männer sind zwischen 16 und 20 Jahren alt und sollen Mitglieder der Jugendgang „Streetkillers“ sein, die in Ochtendung, Polch und Koblenz mehrfach geprügelt und geraubt haben soll. Einer der fünf Männer (20) sorgte bereits 2015 wegen einer Bluttat für Entsetzen: Damals stach er in Ochtendung auf offener Straße mit einem Butterflymesser auf einen Rivalen ein, fügte ihm elf Stich- und Schnittwunden zu, sodass er auf der Intensivstation behandelt werden musste. Das Schöffengericht Mayen verurteilte ihn 2016 zu vier Jahren Jugendstrafe, ließ ihn aber vorerst auf freiem Fuß. Wenige Wochen später schlug er bei der Prügelei in Plaidt mit einem Schlagring zu. Dies räumte er kürzlich im Prozess ein. Das Gericht sprach ihn deshalb nur wegen der Prügelei frei, verurteilte ihn aber wegen Führens eines Schlagrings. Es erhöhte die Strafe aus dem Jahr 2016 um drei Monate auf vier Jahre und drei Monate.

Eigentlich war der 1. Mai 2016 in Plaidt als fröhliches Fest geplant. Die Mitglieder des Junggesellenvereins stellten gegen 16 Uhr den Maibaum auf und feierten mit rund 100 Gästen. Gegen 1 Uhr kam es laut Aussagen mehrerer Zeugen zum Streit, als einer der fünf Männer in die Halle kam und sich die letzte Flasche Bier aus einer Kiste schnappte – ohne zu fragen und ohne zu bezahlen. Andere Zeugen bestritten aber, dass es den Bierflaschendiebstahl gab.

Wer ist schuld an der Massenprügelei, bei der zwei Menschen kurzzeitig ohnmächtig wurden? Das konnte das Gericht nicht aufklären – obwohl es sich mühte, vier Tage lang verhandelte, mehrere Gutachten in Auftrag gab und viele Tatzeugen vernahm. Letztlich war am Ende nur klar, dass sich der Streit aus der Halle auf den Vorplatz verlagerte. Und dass die fünf Männer zur Tatzeit am Tatort waren. Unklar blieb, ob sie zuschlugen und ob sie jemanden attackieren wollten oder sich selbst verteidigten.

Die Wahrheitsfindung im Prozess war schwierig, weil die Prügelei inzwischen eineinhalb Jahre her ist. Außerdem war es vor der Halle dunkel, es ging wild durcheinander, mehr als zehn Menschen brüllten und prügelten. Die meisten Beteiligten waren stark betrunken, zwei von ihnen wurden sogar ohnmächtig und haben bis heute Erinnerungslücken.

Die schlimmsten Verletzungen erlitt ein Mitglied (41) des Plaidter Junggesellenvereins. Er trug ein Schädelhirntrauma davon, hatte ein Taubheitsgefühl im Arm, schluckte monatelang Schmerzmittel und war lange arbeitsunfähig.

Der Staatsanwalt und die Anwälte von vier Angeklagten waren sich einig, dass das Urteil gemäß dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ Freispruch lauten musste. Der Anwalt des Schlagring-Prüglers betonte, sein Mandant sei in der Nacht stark betrunken gewesen. Er forderte einen „milden Zuschlag“ auf die Jugendstrafe von vier Jahren und behielt sich vor, das Urteil per Revision anzufechten.

Von unserem Chefreporter Hartmut Wagner

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