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Andernach

Stadtorchester Andernach gibt umjubeltes Festkonzert: Reise in die märchenhafte Welt der Trolle

Lieselotte Sauer-Kaulbach

Irene Anda dirigierte als erste Frau das Andernacher Stadtorchester bei der 15. Auflage des Festkonzerts zum Tag der Deutschen Einheit in der Mittelrheinhalle. Musik, sagte sie vor zwei Jahren in einem Interview, als sie gerade die Leitung des Augsburger Symphonieorchesters Stadtbergen übernommen hatte, habe sie schon fasziniert, bevor sie sprechen konnte.

Als erste Frau dirigierte die gebürtige Norwegerin Irene Anda das Andernacher Stadtorchester bei seinem Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Mittelrheinhalle.
Als erste Frau dirigierte die gebürtige Norwegerin Irene Anda das Andernacher Stadtorchester bei seinem Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Mittelrheinhalle.
Foto: Stadtorchester Andernach

Kein Wunder, dass Irene Anda, im norwegischen Kongsburg geboren, früh Unterricht in Gesang, Klavier, Flöte und Ballett nahm, am Konservatorium in Stavanger studierte und schließlich, nicht ganz so selbstverständlich, 2006 zum Studium im Fach „Blasorchesterleitung“ nach Augsburg ging. Eine Frau am Pult eines Blasorchesters, das ist noch ungewöhnlicher als Dirigentinnen überhaupt.

Oberbürgermeister mahnt zu Achtung und Respekt

Dass Bertram Kleis die Leitung seines Stadtorchesters einem Kollegen aus einem anderen europäischen Land überlässt, ist dabei gute Gewohnheit. So gesamteuropäisch wie an diesem Abend ging es trotzdem selten zu. Die Festrede hielt, nach dem Grußwort von OB Achim Hütten, der zu gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Achtung als Grundlage aller Freiheit mahnte, Koen Palinckx, Bürgermeister von Ekeren. Mit der belgischen Gemeinde unterhält Andernach seit 39 Jahren eine Städtepartnerschaft.

Palinckx schilderte seine Eindrücke von den Ereignissen 1989/90, seine Erfahrungen bei Reisen ins wiedervereinte Deutschland und warnte vor möglicher, rückwärtsgewandter Ost- oder Westnostalgie auf beiden Seiten: „Wer nichts aus der Vergangenheit gelernt hat, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

Offenheit über alle stilistischen und geografischen Grenzen hinweg signalisiert das Stadtorchester mit einem wieder von Helmut Jäger moderierten, norwegisch akzentuierten Programm. Dazu tragen vor allem die Werke Edvard Griegs bei, etwa die Nr. 2 seiner zunächst für Klavier vierhändig komponierten „Norwegischen Tänze“ op. 35, mit denen er eine klare Stellungnahme für die nationale Unabhängigkeit seines Landes bezog. Irene Anda nutzt schon hier, im Wechselspiel von folkloristischer Fröhlichkeit und verhaltener Schwermut, die dynamisch differenziertes Musizieren erlaubenden Qualitäten des Stadtorchesters aus.

Das gilt erst recht für die Stücke aus Griegs „Peer Gynt“-Suite Nr. 1: die poetisch-romantische „Morgenstimmung“ und den traumhaft-phantastischen Auftritt des Helden „In der Halle des Bergkönigs“. Solistische Souveränität bei den Holzbläsern und Nachdruck im Blech ermöglichen die nuancenreiche farbige Schilderung des Geschehens, mal märchenhaft-geheimnisvoll, mal aberwitzig im Treiben der Trolle, dramatisch beim Einsturz des Berges.

Vom idyllischen Landschaftsbild bis zum satten Brass-Sound

In der vom Militärmusiker Johannes Hanssen bearbeiteten Volksweise „Fanitullen“ ist es der Teufel, der wie ein Derwisch tobt. Dem gegenüber wirkt Hanssens „Valdresmarsj“ trotz des Marschrhythmus wie ein idyllisches Bild der alpinen Landschaft zwischen Oslo und Bergen, das motivisch etwas an Schubert erinnert. Gar nicht so weit entfernt von norwegischem Trolltreiben ist Alfred Reeds springlebendiger, nur kurz leicht melancholischer „Puncinello“.

Ins Märchenhafte fügt sich auch die von Quincy Jones komponierte Musik zum Musical über den „Zauberer von Oz“ perfekt ein. Da schlägt nicht nur die Stunde des Kapellmeisters, der auf seiner Klarinette jetzt jazzig fetzen darf, sondern die der mit vollem Brass-Sound aufwartenden Blechregister, der virtuosen Schlagzeuger. Jubel im Publikum und eine Zugabe waren garantiert – mit dem auch auf musikalische Geschlossenheit setzenden „UNO-Marsch“ von Robert Stolz.

Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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