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    Andernach/Koblenz

    Rettungswagen bei Einsatz in Andernach blockiert: Muss 56-Jähriger in Haft?

    Weil er einen Rettungswagen des DRK mit seinem Auto blockiert hatte, hat das Koblenzer Landgericht einen 56-jährigen Mann zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe und einem Fahrverbot von drei Monaten verurteilt. Damit verschärften die Richter des Landgerichts in der Berufungsverhandlung das Urteil des Andernacher Amtsgerichts, das den Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt hatte.

    Symbolfoto
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    Foto: picture alliance / Nicolas Armer

    Den Zeugenaussagen der Sanitäter der Andernacher DRK-Rettungswache nach müssen sich in der Dr.-Sonnenschein-Straße im September 2016 unglaubliche Szenen abgespielt haben: Die Sanitäter hatten ihren Rettungswagen hinter dem Notarztwagen geparkt, um einem Notfallpatienten zur Hilfe zu eilen. Der 56-jährige Angeklagte ärgerte sich darüber, dass ihm die DRK-Fahrzeuge die Durchfahrt versperrten. Er fuhr daraufhin dicht an den Rettungswagen auf und blockierte damit dessen Heckklappe. Die Sanitäter konnten dadurch die für den Transport des Notfallpatienten benötigte Trage nicht ausladen.

    Der Angeklagte wollte damit erreichen, dass die DRK-Fahrzeuge wegfahren. Die Sanitäter versuchten den Mann im Gespräch von der Dringlichkeit ihres Einsatzes zu überzeugen – vergeblich. Erst als zehn Minuten später die alarmierte Polizei eintraf, setzte der 56-Jährige seinen Wagen zurück.

    Dass eine Auseinandersetzung zwischen Einsatzkräften und anderen Verkehrsteilnehmern derart eskaliert, ist in Andernach und Umgebung glücklicherweise nicht an der Tagesordnung: „Das habe ich in 15 Jahren Rettungsdienst noch nie so erlebt!“, erklärt der Leiter der DRK-Rettungswache Andernach, Lars Pfister, auf RZ-Anfrage.

    Zwar komme es in engen Innenstadtbereichen und Ortsdurchfahrten vor, dass die Durchfahrt durch einen haltenden Rettungswagen im Einsatz versperrt wird. In der Regel zeigen die Autofahrer aber Verständnis, wenn ihnen die Sanitäter den Ernst der Lage erklären: „Die Momente, in denen ich Konflikte mit Autofahrern erlebte, können Sie an einer Hand abzählen“, betont Pfister.

    Im fließenden Verkehr passiere es hingegen öfter, dass Rettungsfahrzeuge von anderen Verkehrsteilnehmern behindert werden, allerdings stecke hinter solchen Situationen in der Regel keine böse Absicht, hat Pfister beobachtet: „Das geschieht aus Unachtsamkeit. Sobald die Fahrer schließlich den Rettungswagen im Rückspiegel bemerken, ziehen sie ihr Fahrzeug dann ruckartig nach rechts rüber.“

    Der Leiter der Andernacher Rettungswache hat den Eindruck, dass solche Situationen in den vergangenen Jahren immer häufiger vorkommen: „Die Autofahrer sind heutzutage insgesamt unaufmerksamer als noch vor 10 bis 15 Jahren.“ Dem erfahrenen Rettungssanitäter fällt aber kein Fall ein, in dem ein Verkehrsteilnehmer einen im Einsatz befindlichen Rettungswagen absichtlich behindert hätte.

    Umso unverständlicher mutet das Verhalten des nun vom Landgericht verurteilten 56-Jährigen an. Der bereits erheblich unter anderem wegen Straßenverkehrsdelikten in Erscheinung getretene Mann äußerte sich während des Prozesses nicht zu dem Tatverlauf und entschuldigte sich nicht für die Blockade des Rettungswagens.

    Inwieweit der nun vom Landgericht verurteilte Mann tatsächlich die gegen ihn verhängte Haftstrafe antreten muss, steht im Übrigen noch nicht fest: Der Anwalt des Angeklagten hat Revision gegen das Urteil des Landgerichts eingelegt. Die vierwöchige Begründungsfrist läuft noch, danach wird geprüft, ob der Revision stattgegeben wird und sich gegebenenfalls die nächsthöhere Instanz mit dem Fall beschäftigen muss.

    Von unserer Redakteurin Martina Koch

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