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Mayen

Prozess: Familienväter versuchen Taxifahrer auszurauben – Aggressiver Zeuge nervt das Schöffengericht

Katrin Weber

Zwei Angeklagte, die sich gegenseitig widersprechen und sich selbst in Widersprüche verwickeln, ein Zeuge, der sich im Gerichtssaal aggressiv verhält und einen merkwürdigen Auftritt hinlegt – es ging ziemlich turbulent zu vor dem Mayener Schöffengericht. Angeklagt waren dort zwei Familienväter. Sie sollen im Juni 2016 versucht haben, einen Taxifahrer auszurauben. Die Wahrheitsfindung gestaltete sich äußerst schwierig.

Die Statue Justizia
Symbolbild.
Foto: dpa

Die ersten beiden Varianten des Tatabends lieferten die 38 und 48 Jahre alten Angeklagten: Einig waren sich die Nachbarn nur darin, dass sie sich nach dem gemeinsamen Genuss von Bier und Wodka spontan entschlossen hatten, noch zum Festival Rock am Ring nach Mendig zu fahren. Deshalb riefen sie ein Taxi.

Der Ältere der beiden sagte aus, dass sie sehr lange hätten warten müssen und er den Taxifahrer bei dessen Eintreffen deswegen von der Beifahrerseite aus „angeraunzt“ habe. Der Fahrer habe dann auch noch die Tour nach Mendig wegen des hohen Verkehrsaufkommens an diesem Abend abgelehnt. Nach einem lautstarken Wortgefecht sei das Taxi dann plötzlich mit Vollgas davongebraust und er dabei zu Fall gekommen. Sein Nachbar soll da nicht am Auto gewesen sein.

Dieser gab jedoch an, direkt auf das Taxi zugegangen zu sein, um ebenfalls über die Beifahrerseite einzusteigen – da habe der Fahrer plötzlich Vollgas gegeben und sei weggefahren.

Der Taxifahrer hat alles ganz anders in Erinnerung: Der eine der beiden Männer habe durch das geöffnete Fahrerfenster versucht, ihn zu attackieren, während der andere über die Beifahrerseite nach seiner Gürteltasche greifen wollte. Er sei dann mit hohem Tempo und noch geöffneter Beifahrertür davongefahren – direkt zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

Die Befragung des Taxifahrers gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Der Zeuge, der inzwischen arbeitslos ist, gab sich ausgesprochen zappelig und aggressiv. Er lachte über die Fragen, die ihm gestellt wurden, schüttelte den Kopf, antwortete manchmal nur mit einem „Nö“ oder einem süffisanten Lächeln. Am Ende war er derart aufgebracht, dass der Vorsitzende Richter Joachim Anheier ihm fünf Minuten Pause gönnte.

„Der Zeuge hatte hier einen beachtlichen Auftritt, der über die Grenze des Erträglichen hinausgegangen ist“, meinte der Staatsanwalt in seinem späteren Plädoyer. Und er beschrieb ihn als einen Menschen, den man „schon allein wegen seiner aussagekräftigen Tätowierungen sicher mit Vorsicht genießen“ müsse. Bei seiner Aussage zur Tat aber habe er Konstanz und keinen Belastungseifer gezeigt. Die Angeklagten dagegen hätten sich gegenseitig und auch noch in sich widersprochen, denn in einigen Punkten stimmten die Aussagen nicht mit dem Polizeiprotokoll überein, fügte er an. Zudem sind die beiden Männer, wenn auch aus Jugendzeiten, wegen Körperverletzung vorbestraft. Allerdings plädierte er nicht mehr für eine Verurteilung wegen versuchten Raubes, sondern im Fall des 38-Jährigen für versuchten Diebstahl und im Fall des 48-Jährigen für Nötigung und versuchte Körperverletzung.

Richter Anheier und die Schöffen folgten diesem Antrag, obwohl beide Verteidiger auf Freispruch für ihre Mandanten plädiert hatten.

Einer der Rechtsanwälte mutmaßte, dass der Taxifahrer unter Umständen einer eigenen Anzeige wegen Unfallflucht zuvorkommen wollte und deshalb diese Geschichte erfunden habe: „Wir haben hier jedenfalls erlebt, wie aggressiv der Zeuge reagiert, und so wird es sicher auch an diesem Abend gewesen sein.“

Schließlich verurteilte das Gericht den 38-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten, den 48-Jährigen zu sechs Monaten auf Bewährung. Außerdem verhängte es Geldauflagen in unterschiedlicher Höhe. Das Urteil des Schöffengerichts ist noch nicht rechtkräftig.

Von unserer Mitarbeiterin Katrin Weber

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