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    Andernach

    Noch kein Urteil beim Überfall-Prozess auf Spielhalle in Andernach

    Am dritten Verhandlungstag im Überfall-Prozess auf eine Spielothek in Andernach flossen Tränen.

    Im März haben junge Männer die Spielhalle Joker in der Andernacher Rheinstraße überfallen. Jetzt stehen sie vor Gericht.
    Im März haben junge Männer die Spielhalle Joker in der Andernacher Rheinstraße überfallen. Jetzt stehen sie vor Gericht.
    Foto: Andreas Walz

    Andernach - Sie stürmten maskiert und mit einer Pistole bewaffnet in die Spielhalle Joker. Sie stießen einen Gast zu Boden, forderten von der Kassiererin (21) Geld und flüchteten mit 2065 Euro. Jetzt stehen die mutmaßlichen Täter vor dem Jugendschöffengericht am Koblenzer Amtsgericht (die RZ berichtete). Am dritten Verhandlungstag flossen Tränen.

    Laut Anklageschrift gehören zur vermeintlichen Tätergruppe sechs Männer im Alter zwischen 17 und 20 Jahren, die aus Koblenz, Neuwied und der Verbandsgemeinde Weißenthurm stammen. Sie müssen sich wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Dreien von ihnen wird eine tragende Rolle in der Vorbereitung und beim Überfall zugeschrieben. Sie sitzen seit dem Raub in Untersuchungshaft. Die anderen jungen Männer waren Fahrer, Mitfahrer und Auskundschafter. Der Überfall in der Andernacher Innenstadt ereignete sich am Samstagabend, 23. März, um 21.50 Uhr.

    Angehörige hoffen auf Kontakt

    Gerichtssaal 108: Eltern, Geschwister und Freunde der Angeklagten verfolgen den Prozess aus dem Zuschauerraum. Während der Verhandlung sehen sie lediglich die Rücken der jungen Männer. Am Ende des Prozesstages dürfen sie die Inhaftierten kurz sprechen. Am Mittwoch gab es dabei feuchte Augen. Einer der drei Hauptverdächtigen (17) - er soll die Halle mit seinem Kumpel überfallen haben - küsste erst seine Mutter und dann seinen Vater immer wieder links und rechts auf die Wange. Als ihm die Handschellen angelegt und er abgeführt wurde, konnte seine Mutter die Tränen nicht mehr zurückhalten. Auch der 20-jährige Hauptverdächtige, dessen Rolle im Überfall noch nicht geklärt ist, küsste seinen Vater und seine Brüder mehrfach. Seiner Freundin kullerten die Tränen. Er umarmte sie, sagte: "Wein nicht. Ich schreibe dir." Er grinste sie an, zwinkerte den Brüdern zu - und wurde in Handschellen abgeführt.

    Der 20-Jährige, groß, schlank, kurze dunkle Haare, gilt laut Anklageschrift als Rädelsführer des Überfalls. Das aber bestreitet er und sagt, dass seine beiden Freunde den Überfall geplant hatten. Er will sie zufällig am Tattag getroffen haben. Sie hätten ihn gefragt, ob er eine Waffe und ein Auto besorgen könne. Dies tat er. Später sei man nach Andernach gefahren. Der 20-Jährige sei mit einem Kumpel in die Spielhalle gegangen, um zu schauen, ob eine Bekannte dort arbeitet. "Ich wollte nicht, dass sie überfallen wird", erklärte er. Als er rauskam und sagte, sie sei nicht da, stürmten die beiden anderen Hauptverdächtigen in die Spielothek und überfielen sie.

    Der Angeklagte gibt sich stets selbstsicher, wenn er in den Saal geführt wird. Mit seinen vor dem Körper gefesselten Händen geht er lässig zum Stuhl. Dabei lächelt er Richtung Zuschauerraum, zwinkert seiner Mutter, den Brüdern und seiner Freundin zu. Auch während den Zeugenbefragungen blickt er immer wieder über die Schulter zu seinen Verwandten und grinst.

    Zeuge sah Waffe und sah sie nicht

    Eine Krux im Prozess: Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Die Angeklagten geben an, dass es keine echte, sondern eine Softairpistole war. Mehrere Zeugen, die während dem Überfall in der Spielhalle waren, wurden zur Waffe befragt. Alle beschrieben sie als weiß und grau und sagten, sie wissen nicht, ob diese echt war. Der Gast, der zu Boden gestoßen wurde, brachte am Mittwoch auch kein Licht ins Dunkel. Kurios: Er sagte einmal, er habe keine Waffe gesehen, dann sagte er wieder, er habe sie gesehen. Sie sei weiß und silber gewesen. Der Andernacher Gast musste mehrmals in den Zeugenstand. Beim ersten Mal war festgestellt worden, dass er die deutsche Sprache nicht beherrscht. Beim zweiten Mal war ein Dolmetscher zugegen, der nicht korrekt übersetzte. Dies bemerkte ein Türkisch sprechender Verteidiger. Daraufhin war ein weiterer Dolmetscher bestellt worden.

    Der Prozess geht am 9. und 10. September, jeweils 9 Uhr, in Saal 108 weiter. Dann steht auch fest, ob sich das Gericht, die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger der drei mutmaßlichen Haupttäter weiterhin an die Verständigung halten werden. Darin wurde am ersten Prozesstag eine Spanne von Mindest- und Höchststrafmaß festgelegt, vorausgesetzt, die drei Hauptangeklagten legen ein Geständnis ab. Das Problem: Grundlage dieser Verständigung ist die Anklageschrift, die den 20-Jährigen als Rädelsführer annimmt. Dieser bestritt das aber und schob den anderen die Schuld zu. Zudem war die Kassiererin gehört worden. Dadurch ist bekannt geworden, dass diese bis heute erheblich an den Folgen des Überfalls leidet, was eventuell ein höheres Strafmaß bedingen könnte.

    Katrin Franzen

    Urteil im Prozess um den Raubüberfall auf die Andernacher Spielhalle JokerÜberfall auf Spielothek in Andernach: Sechs Männer vor GerichtDie Anklage lautet schwerer Raub und räuberische Erpressung: In Geheimsprache die Überfälle vorbereitetSchwerer Raub: Männer überfallen Spielhalle in Andernach
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