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Ettringen/Saffig

Nikolaus für einen Tag: Unterwegs im Gewand des heiligen Mannes

Die einen sind seit Jahrzehnten unterwegs, für die anderen ist jetzt Premiere. Gemeinsam sind beiden ihre Gewänder und die Ausrüstung: Weißer Bart, Mitra, goldenes Buch und ein Bischofsstab. Die Rede ist von den Nikoläusen, die durch die Straßen streifen, Familien besuchen und Kinder beschenken.

Markus Busch zieht jetzt erstmals als Nikolaus durch Ettringen.
Markus Busch zieht jetzt erstmals als Nikolaus durch Ettringen.
Foto: Elvira Bell

Ettringen erlebt eine Premiere: Erstmals werden Mitglieder der Katholischen Jugend (Kaju) als Nikolaus unterwegs sein. Aufgeregt ist Markus Busch nicht. Hat er doch als Moderator von Konzerten schon Erfahrung mit öffentlichen Auftritten. Aber was er jetzt macht, ist für ihn neu: Im priesterlichen Gewand zieht er als Botschafter des Heiligen durch den Ort. Und hat Verstärkung dabei: Engelchen begleiten ihn. Dem 17-jährigen Organisten der Pfarrgemeinde und Ansprechpartner der Katholischen Jugend und der Messdiener ist ein sehr würdevolles Auftreten wichtig. „Ich möchte deutlich machen, dass der Nikolaus rein gar nichts mit den Weihnachtsmännern in den Supermärkten und Kaufhäusern zu tun hat. Ich bin im Namen der Kirche und in der Tradition des Heiligen unterwegs und möchte Freude bereiten. Wenn ich die Familien besuche, werde ich zunächst ein klassisches Weihnachtsgedicht vortragen und ein Lied anstimmen“, erläutert er seine Mission. Gemeinsam mit Tim Oswald – einem weiteren Kaju-Mitglied – der ebenfalls als „Freund der Kinder“ fungieren wird, mit den Engelchen und Niklas Barz, der das Team unterstützt, hatte sich Markus Busch am Sonntag getroffen, um alles genau zu planen. Den Lohn den Nikolaus und Engelchen für ihren Besuch erhalten, kommt vollumfänglich der Jugendarbeit der wieder begründeten Kaju Ettringen zugute.

Herbert Schleich und sein Sohn Dirk (Foto rechts) können da auf jahrelange Erfahrung zurückblicken. In Saffig sind sie eine Institution.
Herbert Schleich und sein Sohn Dirk (Foto rechts) können da auf jahrelange Erfahrung zurückblicken. In Saffig sind sie eine Institution.
Foto: Elvira Bell

Zu dem Kreis der Himmelsboten im MYK-Land gehören auch Dirk und Martin Schleich aus Saffig. Die Brüder setzen den Brauch, als Nikolaus durch den Ort zu ziehen, den ihr Vater Herbert im Jahr 1971 begonnen hat, mit viel Herzblut fort. Und die beiden Söhne von Dirk Schleich, Tim und Jonas, stehen quasi in den Startlöchern. „Sie haben großes Interesse, in ein paar Jahren in unsere Fußstapfen zu treten“, erzählt der Tischler. Geld verlangen die Familienväter nicht. „Jeder gibt das, was er möchte. Für uns sind die strahlenden, funkelnden Kinderaugen der schönste Lohn, den man sich vorstellen kann.“ Damit die beiden auch wissen, ob die Kinder wirklich brav waren, haben die Eltern zuvor ihnen ein paar Notizen zukommen lassen. „Die meisten Kinder sind, wenn ich ins Wohnzimmer eintrete, fasziniert und machen große Augen“, sagt Dirk Schleich. Wie angewurzelt würden sie dort stehen. „Doch wenn das Eis gebrochen ist, tragen die Mädchen und Jungen meistens ein Gedicht vor, singen Lieder oder spielen sogar auf einem Instrument eine Weihnachtsmelodie. Es ist dann immer so richtig schön festlich. Oftmals haben sich gleich mehrere Familien mit Opa und Oma an dem Abend versammelt“, verrät der 45-Jährige.

Zunächst sammelte Dirk Schleich ab seinem 14. Lebensjahr Erfahrung als Knecht Ruprecht an der Seite seines Vaters Herbert. „Ich habe ihn gern begleitet. Kein Mensch hat mich mit meinen vier roten Hörnern und meiner langen Zunge erkannt. Und unter meiner Maske konnte ich grinsen. Keiner hat es bemerkt.“

Die Rute aus Reisig hatte er in jedem Jahr neu gefertigt. „Ich habe damit aber immer nur auf den Boden geschlagen und nie ein Kind in Schach gehalten – auch wenn das manche Eltern sicherlich gern gesehen hätten.“ Dirk Schleich ist seit 1996, sein jüngerer Bruder seit 2005 – ohne furchterregende Begleitung – als Nikolaus zu Fuß durch die Straßen der Pellenzgemeinde unterwegs.

Vater Herbert Schleich hütet wie einen Schatz die Wunschzettel der Kinder und die Namenslisten der Familien, die er im Laufe der Jahre beglückt hat. Auch im Kindergarten machte der heute 71-Jährige häufig seine Aufwartung. Nach 34-jähriger Amtszeit als Nikolaus ist der Schreiner 2004 in den verdienten Ruhestand gegangen. Und zu seinem 25-Jahr-Jubiläum hatte ihm die Ortsgemeinde eine Urkunde und ein Geschenk überreicht. Stolz ist Herbert Schleich auf die beiden Messgewänder, diese konnte „der Nikolaus“ zunächst vom Brüderkrankenhaus in Saffig ausleihen und später käuflich erwerben.

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

Was macht ein Nikolaus an Nikolaus?

Was macht eigentlich ein Nikolaus am heutigen Nikolaustag?

Klaus Jahnz.
Klaus Jahnz.
Foto: Elvira Bell

Gemeint sind nicht die Darsteller des Heiligen, sondern Menschen, deren Vorname Nikolaus lautet, oder die eine Kurzform dieses Namens tragen. Der Vorname ist griechischen Ursprungs. Er war in Deutschland sehr verbreitet. In den vergangenen Jahrzehnten ist er aber immer mehr aus der Mode gekommen. Die Kurzformen dieses Namens sind unter anderen Klaus, Nicolas und Niklas.

Der 68-jährige Klaus Jahnz (Foto links) aus Reudelsterz bereitet heute den bevorstehenden Besuch des heiligen Mannes vor. Denn der Nikolaus soll am zweiten Adventssonntag die Läufer im Rahmen der Winterlaufserie der Laufgemeinschaft (LG) Laacher See im Beller Wald willkommen heißen. Jahnz ist Vorsitzender der LG.

Nicolas Junglas.
Nicolas Junglas.
Foto: Elvira Bell

Nicolas Junglas (Mitte) engagiert sich in der Pfarrgemeinde St. Genoveva in Obermendig. „Ich werde mit Sicherheit am heutigen Tag daran denken, wie wir mit unserer Familie früher den Nikolausabend verbracht haben. Ich war zwar noch sehr klein, aber ich kann mich noch gut daran erinnern“, sagt der 24-jährige Student.

Niklas Barz.
Niklas Barz.
Foto: Elvira Bell

Niklas Barz (rechts) unterstützt das Team der Katholischen Jugend Ettringen bei der Organisation der Nikolausbesuche. „In wenigen Jahren werde ich vermutlich auch in der Gestalt des Bischofs die Familien besuchen“, sagt der 15-Jährige. „Heute ist zudem mein Namenstag. Den feiere ich zwar nicht, aber man wird mir sicher gratulieren.“ 

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