40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mayen/Andernach
  • » Neubaugebiete: Große Bedenken in Obermendig
  • Aus unserem Archiv

    MendigNeubaugebiete: Große Bedenken in Obermendig

    Es brodelt in Obermendig. Das wurde am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung deutlich. Anwohner des Ernteweges hatten ins Gasthaus Bolz eingeladen, um über zwei geplante Neubaugebiete zu informieren, die im Stadtteil große Befürchtungen ausgelöst haben. Dabei spielt die Angst vor Überschwemmungen eine große Rolle.

    Das Interesse an der Bürgerversammlung im Gasthaus Bolz war so groß, dass nicht alle der rund 150 Besucher einen Sitzplatz bekamen.  Foto: Hilko Röttgers
    Das Interesse an der Bürgerversammlung im Gasthaus Bolz war so groß, dass nicht alle der rund 150 Besucher einen Sitzplatz bekamen.
    Foto: Hilko Röttgers

    Rund 150 Interessierte kamen zu der Veranstaltung, bei der Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel und Thomas Zellmer vom beteiligten Stadtplanungsbüro Rede und Antwort standen. Vertreter der Verbandsgemeinde (VG) Mendig waren hingegen, obwohl eingeladen, nicht anwesend.

    Viele Besucher nutzten die zweieinhalbstündige Veranstaltung, um ihre Fragen zu den Vorhaben zu stellen und ihren Unmut zu äußern. Karl Gunkel, der selbst Anwohner des Ernteweges ist und zu der Bürgerversammlung eingeladen hatte, betonte: „Wir wünschen uns eine Planung, bei der die Interessen der Bürger berücksichtigt werden.“

    Konkret geht es um ein Vorhaben in der Verlängerung von Eichenweg und „Am Sonnenhang“, das die Stadt Mendig vorantreibt, und um ein Projekt, das Bernd Neitzert aus Obermendig als Investor auf den Weg gebracht hat. Beide Baugebiete könnten miteinander verbunden werden. Während die Stadt ein allgemeines Wohngebiet erschließen möchte, plant Neitzert in drei Bauabschnitten ein Wohngebiet namens „Martinsheim“, in dem Senioren möglichst lang selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können. Für beide Bebauungspläne hat der Mendiger Stadtrat im März einen Aufstellungsbeschluss gefasst (die RZ berichtete).

    Zwar stehen die Planungen noch ganz am Anfang, wie Stadtbürgermeister Ammel erläuterte. Die Details müssen in den weiteren Schritten des Verfahrens erst noch erarbeitet werden. Allerdings rufen die Vorhaben in Obermendig grundsätzliche Bedenken hervor.

    Dabei geht es unter anderem um die Vorgehensweise bei der Umsetzung der Bebauungspläne. Beide sollen im sogenannten beschleunigten Verfahren realisiert werden. Die Obermendiger befürchten, dass dabei zum Beispiel Belange des Naturschutzes nicht ausreichend geprüft werden könnten – eine Sorge, die Ammel und Stadtplaner Zellmer am Mittwochabend nicht vollständig ausräumen konnten, auch wenn Zellmer feststellte: „Um die Träger öffentlicher Belange von der Planung zu überzeugen, müssen wir auch den Natur- und Artenschutz prüfen.“ Dass die Stadt zumindest bei ihrem eigenen Baugebiet in der Verlängerung des Eichenwegs ein Interesse an einem beschleunigten Verfahren hat, erklärte Ammel mit der hohen Nachfrage nach Bauplätzen.

    Der Umweltschutz ist aus Sicht der von Überschwemmungen geplagten Obermendiger von zentraler Bedeutung. Sie befürchten negative Auswirkungen, wenn für das Baugebiet „Martinsheim“ der Wald auf dem Berg nördlich des Erntewegs gefällt werden muss. „Wenn die Bäume weg sind, läuft das Wasser den Berg herunter“, sagte ein Besucher der Bürgerversammlung. „Dann dauert es nicht lang, und die Leute am Ernteweg haben das Wasser im Haus.“ Und ein anderer Besucher ergänzte: „Die Sorge, dass wieder ein Hochwasser kommt, ist groß. In Obermendig liegen die Nerven blank. Auch wenn neue Bauplätze gebracht werden, sollte man erst einmal an die Leute denken, die nachts nicht mehr schlafen können.“

    Stadtplaner Zellmer bestätigte, dass der Waldboden das Wasser zurückhält, und räumte ein, dass das Baugebiet zu einer Veränderung des Wasserhaushalts führt. „Deswegen ist es Aufgabe des Planers, dafür ein Konzept vorzulegen.“ Bei einer „kleinen Machbarkeitsstudie“ seien jedoch keine Belange identifiziert worden, die das Vorhaben unmittelbar scheitern ließen.

    Ein anderer Besucher der Versammlung brachte einen weiteren Aspekt ins Gespräch, der aus seiner Sicht gegen den Bebauungsplan „Martinsheim“ spricht: der „Artenschutz Mensch“. Sollten auf dem Berg Häuser gebaut werden, stünden sie drei bis vier Stockwerke oberhalb seines Grundstücks. „Dann ist meine komplette Privatsphäre futsch!“, sagte der Anwohner des Erntewegs, der deswegen auch eine erhebliche Wertminderung seines Hauses befürchtet.

    Darüber hinaus wurde in der Versammlung grundsätzliche Kritik am Projekt „Martinsheim“ laut. Für das Ziel, Senioren ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, sei das Gelände denkbar ungeeignet, wandte ein Besucher ein. Anderswo würden Seniorenwohnungen im Ortsmittelpunkt gebaut. „Aber hier ist man fernab von jeder Versorgung“, sagte der Mann, der von „Exklusion statt Inklusion“ sprach. Ein anderer Besucher wies darauf hin, dass mit hohen Erschließungskosten zu rechnen sei. „Welche alten Menschen in Mendig können das aufbringen?“

    Diese Frage, betonte Stadtbürgermeister Ammel, sei nicht Gegenstand des Bebauungsplans. „Wer sich dafür entscheidet, dort ein Haus zu bauen, der hat die Freiheit dazu.“

    Selbstkritik äußerte Stephan Retterath, der für die Grünen im Stadtrat sitzt. „Wir haben es im Rat unterlassen, uns eingehend mit der Materie zu befassen.“ Zudem sei den Ratsleuten suggeriert worden, dass es sich beim „Martinsheim“ mehr oder weniger um ein gemeinnütziges Projekt handele. Tatsächlich sei es aber „rein kommerziell“, sagte Retterath. „Das will ich moralisch nicht beurteilen. Aber wir sind da blauäugig reingelaufen und wären froh, wenn die Stadtspitze Einfluss auf die Verwaltung ausübt, das Konzept zu überarbeiten.“ Das sahen viele der Anwesenden genauso.

    Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

    Mayen-Andernach
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Mayen: 725 Jahre Stadt
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Donnerstag

    9°C - 18°C
    Freitag

    10°C - 19°C
    Samstag

    10°C - 19°C
    Sonntag

    11°C - 19°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige