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Andernach

Kurfürst-Salentin-Gymnasium gibt altsprachlichen Zug auf – Griechisch und Informatik als Wahlfach

Im Jahr 1573 spendete Kurfürst Salentin 1000 Gulden für die Gründung einer Lateinschule in Andernach. An der Schule, die inzwischen seinen Namen trägt, wird diese altsprachliche Tradition in Ehren gehalten: Das Kurfürst-Salentin-Gymnasium (KSG) gehört zu den 22 Gymnasien in Rheinland-Pfalz, an denen Fünftklässler als erste Fremdsprache Latein wählen können. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn das KSG mit Ende dieses Schuljahrs seinen altsprachlichen Zug aufgibt.

Nach langen internen Diskussionen hat man sich am Andernacher KSG gegen eine Weiterführung des altsprachlichen Zweigs entschieden. Die Anmeldezahlen für die entsprechende Klasse waren in den vergangenen Jahren zu niedrig.
Nach langen internen Diskussionen hat man sich am Andernacher KSG gegen eine Weiterführung des altsprachlichen Zweigs entschieden. Die Anmeldezahlen für die entsprechende Klasse waren in den vergangenen Jahren zu niedrig.
Foto: Martina Koch

„Auch eine Schule, die Traditionen hat, muss ab und an neue Wege gehen“, erklärt Schulleiterin Birgit Vogel. Für das KSG besteht der neue Weg darin, dass die dritte Pflichtfremdsprache für Schüler des (alt-)sprachlichen Zweigs künftig wegfällt. Grund hierfür sind die rapide sinkenden Anmeldezahlen für die Sprachenklasse. Dieser Rückgang liegt aber nicht in einer fehlenden Wertschätzung für die altsprachliche Tradition begründet, hat Vogel beobachtet: „Viele Eltern von Viertklässlern zweifeln daran, ob sie ihren Kindern drei verpflichtende Fremdsprachen zumuten sollen.“

Seit dem Jahr 1970 konnten sich KSG-Schüler zwischen alt- und neusprachlichem Zweig entscheiden: Fünftklässler, die als erste Fremdsprache Latein wählten, lernten ab der siebten Klasse Englisch als zweite Fremdsprache und mussten ab der achten Klasse Griechisch oder Französisch als dritte Pflichtfremdsprache belegen. Schüler im neusprachlichen Zweig lernten ab der fünften Klasse Englisch und entschieden sich ab der siebten Klasse für Latein oder Französisch als zweite Fremdsprache. „Eine dritte Fremdsprache zu lernen, ist eine tolle Chance für sprachbegabte Kinder“, weiß KSG-Schulleiterin Vogel. Doch viele Eltern fürchten, ihre Kinder mit dieser Option zu überfordern.

Die Folge: Immer weniger Fünftklässler wählten Latein als erste Fremdsprache, die Klassen schrumpften. Statt eigener Lateinklassen gibt es gemischte Klassen mit Englisch- und Lateinschülern, die allerdings viele Unterrichtsstunden getrennt verbringen: „Das macht viel mit der Identität als Klasse“, beschreibt Vogel.

Nach intensiven internen Diskussionen und Abstimmungsgesprächen im Mainzer Bildungsministerium entschied man sich daher dafür, die dritte Pflichtfremdsprache abzuschaffen. Schüler, die in der fünften Klasse mit Latein anfangen, bekommen ab der sechsten Klasse Englisch als zweite Fremdsprache dazu. Wer in Klasse fünf mit Englisch beginnt, hat ab Klasse sechs die Wahl zwischen Latein und Französisch.

Ergänzt wird dieses Modell durch ein freiwilliges Wahlfach ab der neunten Klasse: Schüler können zusätzlich Griechisch oder Informatik belegen. Durch dieses Wahlfach will man das altsprachliche Profil der Schule stärken – und gleichzeitig den mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, den das KSG seit zehn Jahren setzt, betonen. Mit dem Informatikunterricht in der Mittelstufe gibt es etwa später die Möglichkeit, bei entsprechendem Interesse Informatik als Leistungskurs anzubieten.

Die Neuausrichtung will das Kollegium des KSG im Übrigen keinesfalls als eine Entscheidung gegen Latein als erste Fremdsprache verstanden wissen: „Darauf wollen wir auf keinen Fall verzichten“, betont Vogel. Die frühe Beschäftigung mit der lateinischen Sprache sei eine Chance für Kinder, die gern knobeln: „Das Lateinische schult das Tüfteln und das genaue Hinschauen“, ist Vogel überzeugt.

Dass sich Lateinschüler bereits früh mit historischen wie philosophischen Fragestellungen beschäftigen, kommt ihnen später auch in anderen Fächern zugute, sagt auch Anna Gerhold, die am KSG Deutsch und Geschichte unterrichtet: „Die alten Sprachen helfen bei der Entwicklung zum kritisch denkenden Menschen.“ Der altsprachliche Bildungsweg bleibt daher als Option für die Schüler weiter bestehen – auch wenn das KSG sein Prädikat als Gymnasium mit altsprachlichem Zug offiziell verliert. Mit der Entscheidung erhofft man sich, das Interesse an den alten Sprachen zu stärken: „Wir wünschen uns eine stabile Lateinklasse“, macht Schulleiterin Vogel deutlich.

Von unserer Redakteurin Martina Koch

22 Gymnasien bieten Latein als erste Fremdsprache an

Schüler an altsprachlichen Gymnasien in Rheinland-Pfalz sowie solche, die einen altsprachlichen Zug besuchen, müssen verpflichtend drei Fremdsprachen lernen: als erste Fremdsprache Latein, als zweite Englisch und als dritte wahlweise Griechisch oder Französisch.

In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit sechs rein altsprachliche Gymnasien, von denen sich lediglich eines im Norden des Landes befindet: das Koblenzer Görres-Gymnasium. An 13 weiteren Gymnasien gibt es einen altsprachlichen Zug. Zu diesen gehört bisher das Andernacher Kurfürst-Salentin-Gymnasium. Drei weitere Gymnasien im Land bieten Latein als erste Fremdsprache ab Klasse fünf ohne eigenen altsprachlichen Zug an, dazu gehört das private Gymnasium der Franziskanerinnen in Remagen.

Das Andernacher KSG wird zum Schuljahr 2018/19 seinen altsprachlichen Zug aufgeben, aber weiterhin Latein als erste Fremdsprache anbieten. Eine ähnliche Veränderung nimmt zum kommenden Schuljahr auch das Stefan-George-Gymnasium Bingen vor: Auch dort fällt die verpflichtende dritte Fremdsprache im altsprachlichen Zug weg, stattdessen können die Schüler ab Klasse neun freiwillig Griechisch oder Französisch belegen. Ab dem kommenden Schuljahr bieten damit landesweit nur noch elf Gymnasien einen altsprachlichen Zweig an. mko

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