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Kreis MYK

Konflikt: Jugendämter weisen Kritik von Tagesmüttern von sich

Katrin Steinert

Tagesmütter und -väter aus der Region haben sich beschwert, dass die Jugendämter in der Region sie kaum unterstützen. Sie fühlen sich für die Kommunen als Lückenfüller, während Kitaplätze bevorzugt würden. Die Betreuer wünschen sich mehr Wertschätzung, mehr Transparenz, mehr Werbung und mehr finanzielle Unterstützung. Vor allem das Kreisjugendamt und das Andernacher Amt stehen in der Kritik, die Tagespflege stiefmütterlich zu behandeln. Die RZ hat die Verwaltungen mit den Vorwürfen konfrontiert.

Foto: dpa

Alexe Heinen vom Andernacher Jugendamt berichtet, dass die Tagespflege in den vergangenen 10 bis 15 Jahren in Rheinland-Pfalz enorm professionalisiert und ausgebaut wurde. Aber sie kann verstehen, dass sich manche Tagespflegekraft nicht so wertgeschätzt fühlt, wie diese sich das vielleicht wünscht. Heinen bestätigt, was die Tagesmütter in der RZ berichteten: „Die Krippe ist das, was die meisten Eltern kennen.“ Tagespflege die wenigsten. Wenn Mütter zu ihr zur Beratung kommen, erklärt die stellvertretende Jugendamtsleitern ihnen, dass sie ihr Kind auch in einem privaten Haushalt betreuen lassen können: mit geschultem, qualifiziertem und erfahrenem Personal. Aber die 59-Jährige merkt auch, dass Eltern skeptisch sind. Vielleicht deshalb, weil letztendlich niemand kontrollieren kann, was in den heimischen vier Wänden abläuft. In den Kitas sei das anders, weil dies öffentliche Orte mit mehr Personal sind. Da fühlen Eltern sich meist auf der sicheren Seite. „Aber manche Eltern haben auch den ganz klaren Wunsch, dass ihr Kind Zuhause in einem kleineren persönlichen Rahmen versorgt wird.“

Alexe Heinen betont, dass beide Formen der Kinderbetreuung gut und wichtig sind. „Letztendlich wollen Eltern, dass es ihren Kindern gut geht. Und sie kennen ihr Kind am besten, wissen, was sie wollen.“ Generell will ein Großteil der Eltern einfach einen Kitaplatz. So kommt Andernach mit sechs registrierten Tagesmüttern gut zurecht. Zum Vergleich: In der Stadt Mayen sind sieben registriert, teilt die Pressestelle mit.

Dass Andernach viel in die Kitas investiert hat, sei keine Frage, bestätigt der Andernacher Stadtsprecher Christoph Maurer. Daraus zu schlussfolgern, dass die Stadt die Kitas deshalb vollkriegen will und die Tagespflege vernachlässigt, sei falsch. „Wir orientieren uns beim Ausbau an der Bedarfsplanung. Nur weil es Zuschüsse vom Land gibt, wird ja nicht gebaut“, betont Maurer. Schließlich trage die Kommune nach wie vor den Hauptteil der Kosten.

Das Kreisjugendamt MYK hat 89 registrierte Tagesmütter und -väter, die insgesamt 290 Betreuungsplätze für Kinder anbieten. Kreissprecher Martin Gasteyer bestätigt, was auch Alexe Heinen für die Stadt Andernach feststellt: „Wir beobachten, dass es Wunsch nahezu aller Eltern ist, dass ihr Kind in einer Kindertagesstätte betreut wird.“ Diese Institution genieße offensichtlich traditionell bei Müttern und Vätern ein hohes Ansehen.

Die Tagesmütter hatten im RZ-Gespräch zudem kritisiert, dass das Jugendamt sich die Auswahl vermeintlich passender Tagespfleger vorbehält und den Eltern nicht die Kontakte aller Pflegekräfte weitergibt. Dem hält das Jugendamt entgegen, dass die individuelle Beratung im Vordergrund stehe. „Nicht alle Tagespflegepersonen betreuen die nachgefragte Altersgruppe oder decken die gewünschten Betreuungszeiten ab.“ Die Auswahl stelle die besondere Qualität der Vermittlung sicher, sagt Gasteyer. „Die Herausgabe einer reinen Adressliste ist nicht sachgerecht.“ Das bestätigt auch das Mayener Jugendamt. Dort erfolgt bei Anfrage eine Vorauswahl. Jasmin Franz aus der Mayener Pressestelle erklärt: „Die Vermittlung erfolgt an die Tagespflegeperson, die die Kapazitäten für den Betreuungsbedarf und den entsprechenden Betreuungsplatz frei hat.“

Den Vorwurf mangelnder Unterstützung und Kooperation durch die Mitarbeiter des Kreisjugendamtes weist Martin Gasteyer fürs Kreisjugendamt zurück: „Die weit überwiegende Mehrzahl der Tagespflegepersonen spiegelt eine hohe Zufriedenheit mit den Beratungs- und Unterstützungsleistungen wider.“ Dass die angeregten Vernetzungstreffen von Tagespflegekräften, die abwechselnd in Andernach und Mayen stattfinden sollen, keine Unterstützung fanden, erklärt Gasteyer damit, dass es bereits Treffen gibt. Sowohl in Andernach an der Familienbildungsstätte feste, als auch in der Region Mayen selbst organisierte regelmäßige Treffen. Dass es um gemeinsame Treffen ging, die Tagesmutter Jutta Neideck aus Mendig angeregt hatte, blieb dabei unbeantwortet.

Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

So wird die Kindertagespflege vermittelt und bezahlt

Die Suche nach einer Tagesmutter läuft zentral über das Kreisjugendamt und die Jugendämter in Mayen und Andernach. Die Vermittlung von Kitaplätzen hingegen ist dezentral gelöst und wird über die Orte und Träger gesteuert. Für die Tagespflege bedeutet die zentrale Steuerung: Wer einen privaten Betreuungsplatz für sein Kind sucht, meldet sich bei den Fachstellen der Jugendämter.

Die geben dann die Telefonnummern ausgewählter Tagespflegekräfte raus. Natürlich gibt es auch die mündlichen Weiterempfehlungen unter Freunden. Aber: Wer den Betreuungsplatz finanziell von den Kommunen gefördert haben will, muss einen offiziellen Betreuungsvertrag abschließen. Dabei ist egal, in welchem Ort das Kind betreut wird. Den Basisbetrag, den Tagespflegekräfte bekommen, zahlt das Jugendamt, in dessen Bezirk das Kind wohnt. Die Kommunen zahlen den Tagespflegekräften einen sogenannten Anerkennungsbetrag und einen Betrag für materielle Aufwendungen pro Kind und Stunde. In Andernach sind dies 3,20 Euro plus 1,50 Euro, im Kreis und in Mayen 3 Euro plus 1,80 Euro. Zudem haben Tagespflegekräfte in Rheinland-Pfalz die Möglichkeit, mit Eltern einen zusätzlichen Stundenbeitrag auszuhandeln, den diese dann selbst tragen. Die Tagesmütter müssen das versteuern. Eine Anhebung der finanziellen Unterstützung durch die Kommunen müsste vom Kreistag und vom Stadtrat beschlossen werden. Die Tagespflegekräfte hatten 6 Euro pro Stunde gefordert. kst

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