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Polch

Koch: Nach den sieben Meeren auf dem Maifeld gestrandet

Frank Stankovic ist viel auf den Beinen. "Noch etwas Mayo? Ja, kein Problem. Bitteschön. Guten Appetit", sagt er und saust schon wieder in die Küche, um für einen anderen Gast einen kleinen Salat herbeizubringen. Mit seinen 44 Jahren hat er schon eine beeindruckende Karriere auf See hinter sich, als Küchenchef war er unter anderem auf der "Queen Mary 2" tätig. Das alles hat er nach 20 Jahren aber aufgegeben – um sich in Polch selbstständig zu machen.

Als Küchenchef großer Kreuzfahrtschiffe rührte er eher selten in den Töpfen. In seinem eigenen Restaurant in Polch kümmert sich Frank Stankovic nun nicht nur um Organisatorisches, sondern steht selbst am Herd. 
Foto: Anne Fuhrmann
Als Küchenchef großer Kreuzfahrtschiffe rührte er eher selten in den Töpfen. In seinem eigenen Restaurant in Polch kümmert sich Frank Stankovic nun nicht nur um Organisatorisches, sondern steht selbst am Herd.
Foto: Anne Fuhrmann – afu

Ein eigenes Restaurant, das war schon länger ein Traum des gebürtigen Bielefelders. Dass es ihn auf das Maifeld verschlagen hat, das war dagegen reiner Zufall. "Ich habe mich in Koblenz und Umgebung umgehört und mitbekommen, dass in Polch ein neuer Pächter gesucht wird", sagt er. Wegen seiner Lebensgefährtin wohnt er inzwischen in Koblenz.

Der Zufall ist es auch, der ihm 1992 eine Anstellung auf dem ersten Schiff verschafft. Damals wird er über eine Zeitungsannonce auf die amerikanischen Kreuzfahrt-Gesellschaft "Celebrity Cruises" aufmerksam. Er heuert bei der Flotte an. Was folgt, ist eine schwere Zeit. Sieben bis acht Monate arbeitet er zu Beginn am Stück, sieben Tage die Woche. "Da wurde ich hart rangenommen", erinnert sich Stankovic. Das Leben auf See sei eine anstrengende Sache, der Job verlangte ihm alles ab. Doch er hält durch, arbeitet sich nach oben. Schließlich wird er zum stellvertretenden Küchenchef befördert. Nach dem 11. September 2001 und seinen Folgen entscheidet er sich, wieder bei einem europäischen Unternehmen zu arbeiten.

An Land winken jedoch erst einmal nur schlechter bezahlte Jobs, deshalb bleibt er der Seefahrt treu und wechselt zur "Costa"-Reederei, bei der er erstmals als Küchenchef arbeitet. 2005 nimmt er das Angebot an, diese Position auch auf dem großen Liner "Queen Mary 2" zu übernehmen. Mit zunehmendem Erfolg genießt er mehr Freizeit und sieht einiges von der Welt. Nach zwei Jahren allerdings ist der Wunsch, Partnerin und Sohn näher zu sein, so stark, dass er auf die Flussschifffahrt wechselt und als Küchenchef auf der "MS Amadeus Princess" arbeitet. Anstatt auf den sieben Weltmeeren ist er dann auf dem Rhein unterwegs.

Seit Anfang März jedoch hat er meist sicheren Boden unter den Füßen. "Ich habe mir gedacht, dass ich nicht mehr für andere arbeiten will. Wenn ich schon sieben Tage in der Woche Dienst mache, dann für meinen eigenen Laden", erklärt Stankovic den Wechsel. Außerdem habe er sich verwirklichen und seine Vorstellung von guter Gastronomie umsetzen wollen. "Auf dem Schiff war Kreativität nicht gefragt, es gab wenig Spielräume."

Eine gute Schule und Vorbereitung auf das eigene Restaurant waren die 20 Jahre aber allemal. Mehr als 3000 Passagiere und mehr als 1000 Personen Besatzung hatten er und seine Teams zeitweise zu verpflegen. Auf Reisen, die drei Wochen dauern konnten, musste jeden Tag ein anderes Menü arrangiert werden. 280 bis 300 Küchenmitarbeiter waren zu koordinieren, viele Tonnen Lebensmittel zu bestellen und zu verarbeiten. "Das war aus logistischer Sicht oft eine Herausforderung", erinnert sich der Koch und Gastronom. Auch durch die Vielfalt der Speisen konnte er viel Erfahrung sammeln.

"Den Start eines eigenen Restaurants hätte ich mir trotzdem etwas einfacher vorgestellt", gesteht Stankovic. Gutes Personal zu finden, das sei schwierig. "Ich muss mich jetzt noch um vieles selbst kümmern", sagt er. Und wieder ist er auf den Beinen, um einen Gast im "Kartoffelhaus" zu bedienen. Von unserer Redakteurin Anne Fuhrmann

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