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Andernach

Häuslebauer betrogen: Andernacher zu Haftstrafe verurteilt

Thomas Krämer

Wegen Insolvenzverschleppung, pflichtwidriger Verwendung von Baugeldern, gewerbsmäßigen Betrugs und Gläubigerbegünstigung ist der ehemalige Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft (76) mit Sitz in Andernach jetzt vom Amtsgericht Koblenz zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Die Haftstrafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Mit Fertighäusern (Symbolbild) hat ein Andernacher betrogen.
Mit Fertighäusern (Symbolbild) hat ein Andernacher betrogen.
Foto: picture alliance

Sein Verteidiger Markus Herzog hatte sich vor Prozessbeginn um eine Verständigung mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht bemüht, diese wurde auch gewährt. Gemäß der Absprache war der Angeklagte vor Gericht in allen Anklagepunkten geständig. Und die waren lang. Knapp eine Stunde dauerte die Verlesung der Anklageschrift.

So war der Angeklagte der alleinige Geschäftsführer einer GmbH, die sich unter anderem mit der Entwicklung, Planung, Errichtung und dem Verkauf von Bausatzhäusern, Ausbauhäusern und Fertighäusern und Ankauf, Verkauf und Vermittlung von Grundstücken und Häusern beschäftigt hat. Das Unternehmen soll bereits seit Mitte 2010 Liquiditätsprobleme gehabt haben und nach einer Zahlungsunfähigkeit vom 31. August 2012 bis zum 31. Dezember 2012 erneut seit dem 31. Juli 2013 zahlungsunfähig gewesen sein.

Der Angeklagte hat jedoch entgegen seiner Verpflichtung den Insolvenzantrag nicht rechtzeitig innerhalb von drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit, sondern erst am 31. Oktober 2013 gestellt. Den Jahresabschluss für die GmbH zum 31. Dezember 2012 hat er zudem verspätet am 15. Oktober 2013 erstellt.

Baugelder zweckentfremdet

Des Weiteren hat er Baugelder, die von den Bauherren zweckgebunden für die Herstellung eines Baues gezahlt wurden, auf den Geschäftskonten der GmbH nicht separiert und nur zum Teil zur Begleichung der Rechnungen der am Bau beteiligten Lieferanten beziehungsweise Werkunternehmen eingesetzt. Die übrigen Gelder hat der Angeklagte für andere Bauvorhaben sowie für Ausgaben im Zusammenhang mit dem Geschäftsbetrieb wie Steuern, Miete und Versicherungen verwendet. Den Baugeldgläubigern entstand dadurch ein Schaden von insgesamt über 85.000 Euro. Darüber hinaus schloss der Angeklagte Verträge mit Zulieferfirmen im Bezug auf Einbau und Lieferung von Fenstern und Haustüren oder der Erstellung und Lieferung von Dachstühlen sowie mit der Erbringung von Architektenleistungen, obwohl er wusste, dass die GmbH zahlungsunfähig war.

Trotzdem schloss er aber weiterhin mit potenziellen Bauherren Kaufverträge ab. Dabei entstand den Bauherren insgesamt ein Schaden in Höhe von über 230.000 Euro. Weiter gewährte der Angeklagte im Jahr 2012 seiner GmbH ein Darlehen in Höhe von 45.000 Euro, von dem er sich selbst im Jahr 2013 in Kenntnis der zu diesem Zeitpunkt bestehenden Zahlungsunfähigkeit mehrere Raten in Höhe von 7500 Euro zurückzahlte, um sich selbst vor den anderen Gläubigern zu begünstigen.

Angeklagter ist weiterhin als Bauträger tätig

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft und arbeitet nach eigenen Angaben seit 1976 in dieser Branche. Und das tut er auch weiter. Laut seiner Auskunft ist er wieder selbstständig als Bauträger tätig, dabei auch als Geschäftsführer, zahlt sich selbst aber kein Gehalt mehr, da er eine Rente und eine Betriebsrente bezieht. Seine Schulden gab er mit etwa 1,2 Millionen Euro an.

Opfer seiner Geschäftspraktiken waren im Gerichtssaal anwesend und zeigten wenig Verständnis, dass sie als potenzielle Zeugen während des Geständnisses von der Verhandlung ausgeschlossen wurden. Richterin Nadja Straub wies aber darauf hin, dass alle Ansprüche der Geschädigten im Rahmen des Insolvenzverfahrens geklärt werden, aktuell ging es nur um die strafrechtlichen Konsequenzen.

Somit lautete das Urteil gegen den Mann auf ein Jahr und zehn Monate Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Darüber hinaus muss der Angeklagte eine Geldbuße in Höhe von 7000 Euro an die Aidshilfe Koblenz zahlen, die 7500 Euro Rückzahlung seines eigenen Darlehens werden eingezogen und der Mann muss die Prozesskosten tragen.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Krämer

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