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Gemeinsame Wirtschaftsregion rund um Koblenz: Was denken die Landräte?

Thomas Brost

Wie wenn ein flacher Stein auf die Oberfläche eines Sees auftrifft und sein Aufprall Kreise zieht, so wirkt der jüngste Vorstoß der Initiative Mittelrhein-Koblenz: Die Großregion um Koblenz soll gemeinsame Sache machen, um den Ballungsgebieten Rhein-Main und Köln-Bonn in mancherlei Hinsicht die Stirn bieten zu können. Der künftige Oberbürgermeister David Langner findet die Idee prima. Bei den Landräten drum herum verfängt die Idee ebenso. Aber es gibt auch vorsichtige Stimmen der Skepsis, einer der Kreischefs ist gar ein wenig beleidigt.

Wie groß soll der Radius einer Regiopol-Region Koblenz sein? Die Initiative Koblenz-Mittelrhein will den ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz als Basis nehmen, andere warnen davor, dieses Konstrukt zu groß zu machen. Und gehört dann der gesamte Rhein-Hunsrück-Kreis dazu? Foto: Damian Morcinek
Wie groß soll der Radius einer Regiopol-Region Koblenz sein? Die Initiative Koblenz-Mittelrhein will den ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz als Basis nehmen, andere warnen davor, dieses Konstrukt zu groß zu machen. Und gehört dann der gesamte Rhein-Hunsrück-Kreis dazu?
Foto: Damian Morcinek

Hätte eine Regiopol-Region Chancen, im Konzert der Großräume vernehmlich mitzuspielen? Die Idee hat Charme, das betonen die Landräte aus fünf umliegenden Kreisen und stoßen damit ins gleiche Horn wie der künftige OB David Langner (die RZ berichtete). „Hervorragende Bedingungen zum Leben und Arbeiten“ hat die Region schon heute, sagt MYK-Landrat Alexander Saftig, denn infrastrukturell biete sie für Familien und Unternehmen vieler Branchen einiges. Der Begriff „Regiopol“ wird „schon lange gelebt“, betont der Verwaltungschef des größten Landkreises in Rheinland-Pfalz. Es gelte, die bevorzugte Lage zwischen den Ballungsgebieten und zu europäischen Nachbarn „offensiv zu kommunizieren, weiter auszubauen und in längeren Zeiträumen zu denken“.

Eine Prognose, wie das Gedankenmodell Kontur annimmt, will Marlon Bröhr nicht abgeben. Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises erinnert an die Wirtschaftsregion Rostock, die bisher als Einzige in Deutschland als Regiopol-Region Hand in Hand arbeitet. Ob sie Erfolge zeitigt, ist abzuwarten. Für Bröhr darf das Gebiet nicht zu groß sein. „Es ist nicht einfach, für die Region eine gemeinsame Identität zu finden.“ Den Vorschlag der Initiative Mittelrhein-Koblenz, den früheren Regierungsbezirk zur Schablone zu nehmen, lehnt Bröhr deswegen ab. Andererseits dürfe nicht nur der Speckgürtel um Koblenz herum an einem solchen Verbund beteiligt sein.

Man brauche dazu keine neuen Strukturen und Verwaltungseinheiten, mahnt Manfred Schnur. Vielmehr seien „kluge und zukunftsdenkende Politiker“ spielentscheidend, sagt der Cochem-Zeller Landrat. Der ist im Übrigen etwas verstimmt, weil David Langner im RZ-Interview diesen Kreis nicht erwähnt hat. Schnur: „Offenbar gehören wir nach dessen Äußerungen nicht zum harten Kern.“ Das Ziel könne nicht die Lösen der städtischen Probleme sein, Gewinner und Profiteure „müssen alle sein“.

Frank Puchtler ist sehr angetan von der Regiopol-Idee. Der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises sagt, es führe kein Weg daran vorbei. „Andernfalls dominieren uns die großen Räume.“ Es sei wichtig, gemeinschaftlich und partnerschaftlich zu agieren. Darin trifft er sich mit seinem Kollegen Achim Schwickert. Der Landrat des Westerwaldkreises ist der Meinung, dass eine Regiopol-Region nicht nur das „Selbstbewusstsein einer Region stärkt“, sondern auch zur Bildung von Netzwerken und Synergien mit positiven Effekten anregt.

Welche positiven Effekte können von einer Regiopol-Region ausgehen? Was ist unrealistisch? Der Rhein-Lahn-Kreis hat es geschafft, in einer Kooperation mit vier Landkreisen die Entsorgung zu erledigen, der Verbund reicht bis nach Bonn. „Eine solche Zusammenarbeit klappt, wenn jeder Partner eine Stimme hat“, sagt Landrat Puchtler. Chancen hätten nur diejenigen, die „Gruppen bilden und versuchen, in gewissen Ligen mitzuspielen“. Das nütze allen. Solche Modelle müsse man forcieren, damit gewinne man an Gewicht – sogar bis zur Bundesebene.

Marlon Bröhr sieht eine Reihe von positiven Effekten, insbesondere könne dem Fachkräftemangel mit einer verbesserten Vermarktung begegnet werden. Synergien führten zu Kostenvorteilen, es entständen, so Bröhr, „regionale Mehrwerte, zum Beispiel durch die Vermarktung einer Region im touristischen Sektor“. Unrealistisch sei hingegen, dass Stadt und Umland gleichermaßen von dem Verbund profitieren würden. Und es fehle an Finanzen, um schlagkräftig zu sein, insbesondere in klammen Kreisen.

Die neuartige Region soll, so MYK-Kreischef Saftig, „mehr als ein bloßer Marketingzusammenschluss“ sein. Am besten funktioniere sie, wenn alle ein Zusammengehörigkeitsgefühl eint, wenn aber parallel „der individuelle Charakter aller Partner“ gewahrt bleibt. Kommunale Gebietsgrenzen dürften keine unüberwindbaren Barrieren bilden. Ein Vorzeigeprojekt sei der gemeinsame Industriepark an der A 61. Es sei dem Kreis, der Stadt Koblenz und den Gemeinden Kobern-Gondorf und Bassenheim gelungen, leistungsfähige Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen zu gewinnen. Auch andere Gemeinschaftsprojekte – in puncto Entsorgung mit Stadt und dem Kreis Cochem-Zell – arbeiteten erfolgreich. Schritt für Schritt lässt sich so ein enges Netz weben, das für die Region Vorteile bietet – und Perspektiven für mehr eröffnet.

Von unserem Chefreporter Thomas Brost

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