40.000
Aus unserem Archiv
Andernach

Eklat beim Andernacher Rosenmontagsumzug: Sorgten betrunkene Schüler für Chaos?

Ein stockender Zug, riesige Lücken in der Formation, ein zwischenzeitliches Chaos: So beschreibt eine Leserin in einem Brief an unsere Zeitung den Verlauf des diesjährigen Rosenmontagszugs. Der veranstaltende Festausschuss macht dafür vor allem die Abiturienten der beiden Andernacher Gymnasien verantwortlich, die teils stark alkoholisiert am Zug teilgenommen haben sollen – bis eine der Gruppen wegen angeblicher Flaschenwürfe sogar ganz vom Zug ausgeschlossen wurde. Nun sorgen sich Schulen und Zugveranstalter um ihren Ruf.

Auf Höhe des Rheintors wurde die Abiturientengruppe des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums vom Rosenmontagszug ausgeschlossen. Einen solchen Rauswurf gab es in der Amtszeit des Festausschussvorsitzenden Lutz Schnitzendöbel bisher noch nicht.
Auf Höhe des Rheintors wurde die Abiturientengruppe des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums vom Rosenmontagszug ausgeschlossen. Einen solchen Rauswurf gab es in der Amtszeit des Festausschussvorsitzenden Lutz Schnitzendöbel bisher noch nicht.
Foto: Martina Koch

Mit ihrer Enkelin beobachtete Uta Waldow in der St.-Thomaser-Hohl den Rosenmontagszug – und ärgerte sich bald schon über immense Lücken im Zug und teils gänzliche Stopps der Festwagen: „Das bedeutete gleichzeitig, dass die Traktoren ihre stinkigen und oft sogar Übelkeit verursachenden Auspuffgase ungehindert“ ausstießen und vor allem den Kindern ins Gesicht bliesen, schreibt Waldow in einem Brief an unsere Zeitung.

Warum also hielt der Zug so oft an? Nachfrage bei Lutz Schnitzendöbel, der für den Andernacher Rosenmontagszug als Vorsitzender des Festausschusses verantwortlich zeichnet: Für die Störungen im Ablauf des Zuges sieht er vor allem die Abiturienten der Andernacher Gymnasien verantwortlich.

Anweisungen der Zugleitung ignoriert

Ihre Teilnahme im Andernacher Zug ist eigentlich Tradition – und daran habe Schnitzendöbel bisher auch nichts ändern wollen. Doch in diesem Jahr hätten sich die Schüler besonders danebenbenommen, sagt der Vorsitzende des Festausschusses: „Die Jugendlichen haben schon zu Beginn des Zuges jede Menge Alkoholika dabeigehabt und waren schnell auch stark alkoholisiert“, berichtet Schnitzendöbel. Ohnehin sieht er den Alkoholkonsum von Zugteilnehmern aus Sicherheitsgründen kritisch, hielt ein Verbot bisher aber noch nicht für zielführend.

Nun seien die Jugendlichen aber so betrunken gewesen, dass die Anweisungen der Zugleitung komplett vergessen zu sein schienen – immer wieder sollen sich Zugteilnehmer der Abiturgruppen aus der Formation gelöst, für Staus und große Lücken gesorgt und sich in Sprechchören gegenseitig beleidigt haben. „Das ist so weit gegangen, dass sich andere Zugteilnehmer belästigt gefühlt haben, weil der Zug immer wieder anhalten musste und auseinandergezogen wurde“, sagt Schnitzendöbel, der sich nun um den Ruf des Rosenmontagszuges sorgt: „Natürlich ist das kein gutes Bild für die Zuschauer, wenn Jugendliche da krakeelend und alkoholisiert durch die Straßen laufen.“

Dass nicht allzu ernst gemeinte Beleidigungen gegen die Nachbarschule gefallen sind, bestätigen auch die Schüler beider Gymnasien, wehren sich ansonsten aber gegen die Vorwürfe: „Ich habe unsere Gruppe nicht als großen Störfaktor wahrgenommen“, sagt Alina Busenkell, Sprecherin des Abiturjahrgangs am Kurfürst-Salentin-Gymnasium (KSG). „Wir haben zwar Alkohol getrunken, aber nicht übermäßig. Aus unserer Gruppe hat niemand randaliert, niemand hat sich daneben benommen – ich hatte sogar das Gefühl, dass wir Stimmung gemacht haben.“ Nach mehreren Ermahnungen der Zugleitung durften die KSG-Schüler auch tatsächlich bis zum Marktplatz ziehen – anders als die Gruppe der Abiturienten des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums (BvSG), die auf Höhe des Rheintores als erste Gruppe in der Amtszeit Schnitzendöbels aus dem Zug genommen wurde.

Schüler empfinden Strafe als ungerecht

Zuvor soll der Zugleiter von BvSG-Schülern mit Glasflaschen beworfen worden sein. Die Verantwortlichen zogen die Reißleine, für zehn Minuten stoppte der gesamte Zug. Eine „ungerechtfertigte Kollektivstrafe“, meinen die Sprecherinnen der Abiturienten am BvSG. Trotz Bier- und Schnapskonsum sei niemand in der Gruppe übermäßig alkoholisiert gewesen, und weder sei man verantwortlich für Lücken im Zug noch für Flaschenwürfe. „Wir unterstützen solche Vorkommnisse natürlich nicht. Aber es war in der Situation nicht zu beweisen, ob die Flasche überhaupt von uns geworfen wurde – uns alle deshalb vom Zug auszuschließen, ist ungerecht“, sagt eine der Schülersprecherinnen, die namentlich nicht genannt werden wollen. „Für einen Imageschaden haben wir sicherlich nicht gesorgt“, meint sie.

Ob das stimmt, bezweifeln die Schulleiter der Gymnasien allerdings. „Ich sorge mich um den Ruf einzelner Schüler, die ja im Namen unserer Schule auftreten“, sagt Ulrich Hotz, Schulleiter des BvSG, der die Schüler selbst noch zu den Vorwürfen befragen möchte. Wie er verurteilt auch KSG-Leiterin Birgit Vogel die gegenseitigen Verunglimpfungen der Schüler. Sanktionieren können sie das Verhalten jedoch nicht – denn die Teilnahme der Abiturienten ist keine Schulveranstaltung, sondern wird privat organisiert. „Trotzdem schwappen solche Vorkommnisse natürlich zu uns herüber“, sagt Vogel, die das Thema nun ebenfalls intern aufarbeiten will – und auch Schnitzendöbel will die Problematik gemeinsam mit Stadt und Ordnungsamt besprechen. Ob Schülergruppen im kommenden Jahr wieder teilnehmen dürfen und ob vielleicht sogar ein grundsätzliches Alkoholverbot für die Zugteilnehmer geprüft wird, ist noch unklar.

Von unserem Mitarbeiter Raphael Markert

Mayen-Andernach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
Mayen: 725 Jahre Stadt
epaper-startseite
Regionalwetter
Sonntag

15°C - 28°C
Montag

17°C - 30°C
Dienstag

17°C - 28°C
Mittwoch

16°C - 26°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Anzeige