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Andernach

Einzelhändler: Darum sind wir in Andernach

Die Angst, dass es mit dem Einzelhandel in ihrer Innenstadt bergab geht, beschäftigt viele Andernacher. Dabei gibt es immer wieder Gewerbetreibende, die sich ganz bewusst auf das Wagnis einlassen, in Zeiten von Onlinehandel und Gewerbeparks ein Geschäft in der Bäckerjungenstadt anzumieten: Gerhard Schneider etwa eröffnete vor einem halben Jahr das Haushaltswarengeschäft Look & Cook am Andernacher Marktplatz. Dirk Lüttichaus Outdoor Store in der Bahnhofsstraße wird in Kürze seine ersten Kunden empfangen. Wir haben mit den Geschäftsleuten darüber gesprochen, warum sie Andernach als Standort wählten und welche Perspektiven sie für den Einzelhandel in der Stadt sehen.

Beide Ladenbetreiber sind nämlich in ihrer jeweiligen Branche keineswegs Neulinge: Dirk Lüttichau betreibt bereits ein Geschäft für Outdoorausrüstung in Boppard. Gerhard Schneider ist seit 30 Jahren in der Haushaltswarenbranche tätig: Er führt ein Fachgeschäft in Mönchengladbach und organisiert deutschlandweit Sonderverkäufe bei Geschäftsauflösungen. Beide Gewerbetreibenden entschieden sich ganz bewusst für die Andernacher Innenstadt.

Das Einzugsgebiet der Einkaufsstadt Andernach überzeugte Lüttichau bei seiner Standortwahl – sowie die Tatsache, dass er mit seinem Sortiment in der Fußgängerzone konkurrenzlos ist: "Es gibt hier kein anderes Geschäft, dass Wander- und Outdoorbekleidung anbietet, und wir haben auch keine Filiale einer Sportfachkette vor der Nase."

Gerade für kleinere Fachgeschäfte bietet Andernach als Standort Vorteile, glaubt auch der Haushaltswarenhändler Schneider: "Die Filialisten werden nicht nach Andernach kommen." Sie finden in der Innenstadt nicht die Ladenflächen, die sie benötigen, wodurch Raum für individuelle Läden bleibt.

Die familiäre Atmosphäre in der Innenstadt gefiel dem Outdoorspezialisten Lüttichau auf Anhieb, als er sich auf die Suche nach einem zweiten gewerblichen Standbein machte: "In Boppard ist das Geschäft rein auf die touristische Saison beschränkt." In Andernach hofft Lüttichau auf konstant gute Geschäfte und setzt dafür auf individuellen Service und fachliche Kompetenz: "Bei Funktionsbekleidung ist eine persönliche Beratung einfach ein Muss."

Auch für Gerhard Schneider hat der Kundenservice einen hohen Stellenwert: Er bietet in seinem Haushaltswarengeschäft neben einer fundierten Beratung auch einen Bestellservice und plant Workshops und Abendveranstaltungen rund um sein Sortiment. Dennoch hat er an seinem neuen Standort mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen: "Der Marktplatz ist für die Andernacher keine Einkaufsstätte. Diese Situation habe ich unterschätzt", gibt der Einzelhändler zu.

Dabei ist Schneider in Andernach kein Unbekannter: Von 2014 bis 2015 betrieb er bereits ein Haushaltswarengeschäft in der Stadthaus-Galerie, welches er kündigte, als die Miete erhöht wurde. Da die Stadt es ihm angetan hat, hielt Schneider die Augen nach einem neuen Geschäft offen. Andernach hat Potenzial, ist der erfahrene der Einzelhändler sicher: "Hier tut sich immer wieder was. Andernach ist eine lebendige Stadt mit einem guten Branchenmix." Allerdings konzentriere sich der Einzelhandel stark auf die Eins-a-Lagen in der Bahnhofstraße sowie in der Hochstraße – wie er selbst gerade schmerzlich erfahren muss: "In den Lagen ringsherum haben es Newcomer schwer."

Aber nicht nur die Standortfrage entscheide über die Zukunft der Fachgeschäfte, auch die Konkurrenz durch das Internet und große Gewerbeflächen vor den Toren der Stadt spielten laut den Einzelhändlern nach wie vor eine große Rolle: "Das Internet ist der Hauptgrund dafür, dass Ladenbetreiber aufgeben müssen", betont Lüttichau.

Auch Schneider spürt die Konkurrenz aus dem Netz und wundert sich darüber, dass viele Andernacher die Einkaufsmöglichkeiten in ihrer eigenen Innenstadt kaum nutzen: "Die Andernacher kaufen nicht viel am Ort. Meine Kunden kommen in der Regel aus dem Umkreis zum Bummeln und bringen dann auch viel Zeit mit." Allein: "Das sind viel zu wenige." Bereut hat der Fachhändler den erneuten Schritt nach Andernach bis jetzt noch nicht: "Aber ich hoffe, dass sich was tut."

Von unserer Redakteurin Martina Koch

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