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Andernach/Koblenz

Einbruch in Bordell "Club 82": 61-Jähriger vor Gericht

Eugen Lambrecht

Für einen Mann (61) aus dem Kreis Mayen-Koblenz endete das Jahr 2016 in einem Desaster: Während das ganze Land Silvester feierte, wurde der Staplerfahrer am Bordell „Club 82“ in Andernach verprügelt, festgenommen und in Handschellen auf die Polizeiwache in Andernach gebracht – mit gebrochener Augenhöhle und ausgeschlagenen Zähnen. Jetzt droht ihm eine jahrelange Haftstrafe. Der 61-Jährige steht vor dem Landgericht Koblenz, weil er mutmaßlich Teil eines Trios war, das an Silvester versucht haben soll, das Andernacher Bordell zu plündern – und einen Sachschaden von 30 000 Euro verursachte.

Der „Club 82“ in Andernach: Ein Staplerfahrer soll an Silvester in das Bordell eingebrochen und dabei auf frischer Tat ertappt worden sein. Foto: Ditscher
Der „Club 82“ in Andernach: Ein Staplerfahrer soll an Silvester in das Bordell eingebrochen und dabei auf frischer Tat ertappt worden sein.
Foto: Ditscher

Was ist an jenem 31. Dezember 2016 geschehen? Die Staatsanwaltschaft rekonstruierte den Abend so: Der Staplerfahrer will mit zwei Komplizen im „Club 82“ in Andernach Beute machen. Die Männer brechen gegen 18.30 Uhr die Hintertür des Bordells auf, versuchen im Gebäude Zigaretten- und Spielautomaten zu knacken. Dabei schlägt das Trio auf die Automaten ein, demoliert sie bis zur Funktionslosigkeit. Aus der Schublade eines Schreibtisches stehlen die Drei einen Briefumschlag mit 4000 Euro.

Bei 30 Grad in Lederjacke: Der mutmaßliche Dieb im Prozess.
Bei 30 Grad in Lederjacke: Der mutmaßliche Dieb im Prozess.
Foto: Sascha Ditscher

Während die Männer noch im Gebäude sind, betritt ein Angestellter das Bordell, um nach dem Rechten zu sehen. Er hört Lärm, sieht das Trio Richtung Ausgang stürmen und nimmt die Verfolgung auf. Zwei Männern gelingt die Flucht. Doch der Bordellangestellte schafft es, den Staplerfahrer einzuholen. Als er ihn an der Schulter packt, dreht sich der Staplerfahrer um und versucht mit einem Schraubenzieher nach dem Bordellangestellten zu stechen. Dem gelingt es, auszuweichen und den Angreifer in den Würgegriff zu nehmen. Doch der Staplerfahrer lässt nicht locker. Er schlägt und tritt nach dem Mann. Bis ihn dieser mit zwei Schlägen in die Rippen und einem Faustschlag ins Gesicht zu Boden streckt.

Die Beweislage scheint eindeutig: Weil der Staplerfahrer von dem Bordellangestellten auf frischer Tat ertappt wurde. Weil seine Fingerabdrücke auf dem Schraubenzieher waren, den Polizisten am Tatort fanden. Und weil er ihnen die Tat am Silvesterabend auf dem Revier gestanden hat.

Jetzt, fünf Monate nach dem Vorfall am Bordell, saß der 61-Jährige bei 30 Grad in Hemd und Lederjacke vor dem Landgericht – und schwieg. Sein Anwalt Franz-Rudolf Dietz verlas eine Erklärung: Der Angeklagte bestreitet demnach die Vorwürfe. Er sei an jenem Abend lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Ja, er ging am 31. Dezember zu dem Andernacher Bordell – aber nicht um dort einzubrechen, sondern „um sich was zu gönnen.“ Just in dem Moment, als er feststellte, dass das Lokal geschlossen war, sah er zwei Männer aus der Hintertür des Bordells stürmen, gefolgt von dem Angestellten des Etablissements. Der habe ihn völlig grundlos körperlich misshandelt. Der Staplerfahrer hatte Angst, sei „kurzzeitig weggetreten“. Sein Geständnis bei der Polizei sei somit zurückhaltend zu betrachten.

Ein Polizist schilderte vor Gericht, dass der Mann bei seiner Festnahme teilnahmslos wirkte. Der Beamte führte das zum einen darauf zurück, dass der 61-Jährige auf frischer Tat ertappt wurde. Zum anderen auf die starken Verletzungen des Mannes. Der Polizist fand seine drei ausgeschlagenen Zähne am Boden vor dem Bordell.

Der 61-Jährige ist vielfach vorbestraft, saß bereits mehrmals hinter Gitter. Bei der Landesjustizkasse hat er derzeit Schulden in Höhe von 12 000 Euro. Momentan ist er in der Justizvollzugsanstalt Koblenz inhaftiert. Gegen einen seiner mutmaßlichen Einbruchskomplizen (63) läuft derzeit ein gesondertes Verfahren. Im Prozess gegen den Staplerfahrer sollte der 63-Jährige aussagen, machte aber von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Für den Prozess hat das Gericht zwei weitere Termine anberaumt. Wir werden weiter über den Prozess berichten.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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