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Andernach

Einbruch in Andernacher Bordell: Angeklagter schweigt weiterhin vor Gericht

Nur mit seinem Anwalt steckt er ab und zu die Köpfe zusammen, doch ansonsten schweigt der Angeklagte auch gestern am zweiten Prozesstag im Koblenzer Landgericht. In der Silvesternacht soll der Staplerfahrer aus Mayen-Koblenz mit zwei Komplizen in ein Andernacher Bordell eingebrochen sein und versucht haben, Geld zu entwenden. Bei Prozessauftakt am Montag ließ er über seinen Anwalt seine Unschuld beteuern (die RZ berichtete), doch die Beweislast wird drückender.

Der „Club 82“ in Andernach: Ein Staplerfahrer soll an Silvester in das Bordell eingebrochen und dabei auf frischer Tat ertappt worden sein. Foto: Ditscher
Der „Club 82“ in Andernach: Ein Staplerfahrer soll an Silvester in das Bordell eingebrochen und dabei auf frischer Tat ertappt worden sein.
Foto: Ditscher

Denn gestern bestätigten mehrere als Zeugen geladene Polizisten nahezu übereinstimmend den Silvesterabend, wie ihn auch schon die Staatsanwaltschaft am Montag beschrieb: Dass ein Angestellter den Staplerfahrer gewaltsam vor dem Andernacher Bordell „Club 82“ stellen konnte, nachdem der vorher versucht hatte, auf den Angestellten einzustechen. Zuvor soll der Staplerfahrer mit zwei mutmaßlichen Komplizen einen Umschlag mit 4000 Euro aus dem Büro des Bordells geklaut und dort auch Spiel- und Zigarettenautomaten geknackt haben – Sachschaden: 30000 Euro. „Uns hat der Angeklagte dann erzählt, dass er nur zu dem Bordell gefahren ist, um nach schönen Mädchen zu schauen – das haben wir ihm nicht geglaubt“, sagt ein Polizist (29) aus.

Bei 30 Grad in Lederjacke: Der mutmaßliche Dieb im Prozess.
Bei 30 Grad in Lederjacke: Der mutmaßliche Dieb im Prozess.
Foto: Sascha Ditscher

Nach einer Untersuchung im Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhaus nimmt ihn die Polizei in Gewahrsam, in einer Vernehmung gibt er die Tat auch zu, lässt aber vor aber vor Gericht seinen Anwalt verlesen, dass er mit dem Einbruch nichts tun habe. Ein unbeschriebenes Blatt ist der Staplerfahrer allerdings nicht. Fast eine Dreiviertelstunde braucht die Vorsitzende Richterin Katja Major, um sämtliche 15 Vorstrafen des Weißenthurmers – vor allem Einbruchsversuche – vorzulesen. Meistens war der Staplerfahrer bei seinen Taten alkoholisiert, auch in der Silvesternacht wurden 0,31 Promille bei ihm festgestellt. Das habe man auch gerochen, sagen alle Polizisten einvernehmlich, doch angemerkt habe man dem Staplerfahrer den Alkohol nicht.

Auch einen Kriminalpolizisten aus Andernach befragt die Richterin. Er glaubt an die Schuld des Staplerfahrers – weil er dem Kripo-Mann noch in der Nacht die Tat gestanden hat und die mutmaßlichen Täter schon in anderen Verfahren gemeinsam angeklagt wurden. „Gute Bekannte also“, fasst Richterin Major zusammen.

Außerdem werden bei den Ermittlungen an mehreren Tatwerkzeugen Spuren gefunden, die zum Täter passen könnten. Teils ist das sogar so wahrscheinlich, verliest die Richterin das Gutachten der kriminaltechnischen Untersuchung, dass eine Übereinstimmung mit dem Staplerfahrer eine Billion Mal wahrscheinlicher ist als mit einer fremden Person. Als klar ist, wie eindeutig die Beweislast gegen den Staplerfahrer ist, erklärt dessen Anwalt Franz-Rudolf Dietz: „Ich will auf jeden Fall noch etwas beantragen, weiß aber noch nicht, was.“ Später sagt er unserer Zeitung, dass er noch den Bundeswehrarzt vorladen lassen will, der den 61-Jährigen in der Nacht behandelt hat. Denn der Arzt hat in seinem Gutachten von einem Alkoholrausch des Staplerfahrers geschrieben – und widerspricht so den Aussagen der Polizisten. Auch das Werkzeug will Dietz noch ein mal zum Thema machen. Denn auch da gibt es aus seiner Sicht noch Ungereimtheiten.

Von unserem Mitarbeiter Raphael Markert

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