40.000
Aus unserem Archiv
Kreis Mayen-Koblenz

Droht ein Mangel an Apotheken im Kreis? Vor allem im ländlichen Raum gibt es Lücken

Wo eine Arztpraxis ist, ist nicht weit entfernt auch eine Apotheke – in Städten der Region, etwa Koblenz, Mayen oder Andernach, sogar gleich mehrere. Im ländlichen Raum jedoch klaffen oft große Lücken. Und wenn eine Apotheke schließt, wie zuletzt in Brodenbach an der Mosel, findet sich in der Regel kein Nachfolger, und der Bevölkerung drohen eine erhebliche Verschlechterung und noch weitere Wege. Wie die allgemeine Situation im Kreis Mayen-Koblenz aussieht und ob man sich hier angesichts des bundesweiten Phänomens des Apothekensterbens sorgen vor einer Unterversorgung machen muss – die RZ hat nachgefragt.

Andreas Kluge, Inhaber der Maifeld-Apotheke in Münstermaifeld (Foto) und der Kastor-Apotheke in Kobern-Gondorf, weiß vor welchen Herausforderungen Apotheken im ländlichen Raum stehen.
Andreas Kluge, Inhaber der Maifeld-Apotheke in Münstermaifeld (Foto) und der Kastor-Apotheke in Kobern-Gondorf, weiß vor welchen Herausforderungen Apotheken im ländlichen Raum stehen.
Foto: Heinz Israel

Deutschlandweit ist die Zahl der Apotheken von 20 023 (2016) auf 19 748 im vergangenen Jahr gesunken. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Deutschen Apothekerverbands hervor.

Andreas Kluge beobachtet diese Situation und natürlich jene im Landkreis bereits seit Langem. Der 39-Jährige ist seit 2007 Inhaber der Kastor-Apotheke in Kobern-Gondorf und leitet zudem die Maifeld-Apotheke in Münstermaifeld. Seit der Schließung der Adler-Apotheke in Brodenbach, die keinen Nachfolger gefunden und in der Folge der Schließung der Arztpraxis in Burgen früher als geplant dichtmachen musste, kann Kluge in Kobern-Gondorf nun mehr Kundschaft begrüßen. An den Kunden, so ist sich der Apotheker sicher, kann es nicht gelegen haben, dass die Brodenbacher Apotheke nicht übernommen wurde. „Wir haben hier sehr dankbare und freundliche Kunden“, betont Andreas Kluge. Es wird wohl eher am abgelegene Standort oder der geringen Anzahl an Arztpraxen in der Umgebung gelegen haben. „Wir im ländlichen Raum haben auch eine hohe Notdienstrate – eventuell hat auch das abgeschreckt“, sagt Kluge und betont, dass er alle 13 Tage Notdienst hat. In einer Stadt wie Koblenz müssten Apotheker in der Regel nur einmal im Monat ran.
Je lukrativer ein Standort für einen Apotheker ist, desto höher sind die Chancen auf eine Übernahme, weiß auch Tilman Scheinert, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz mit Sitz in Mainz. Und es kommt oft auch darauf an, wie modern eine Apotheke bereits eingerichtet ist, ergänzt er. Hinzu kommt, dass es für Apotheker keine Sicherstellungspflicht gibt, wie sie die Kassenärztliche Vereinigung für Hausärzte hat. „Wir haben seit 1958 Niederlassungsfreiheit – jeder Apotheker kann sich niederlassen, wo er will“, betont Scheinert. Und wenn der ländliche Raum als geschäftlich unattraktiv betrachtet wird, gibt es eben nur wenige bis keine Apotheken dort.

43 Apotheken gibt es derzeit noch im Kreis MYK. Zum Vergleich: Im Koblenzer Stadtgebiet sind es 35 (zwei schlossen 2017), in ganz Rheinland-Pfalz sind es gut 950. „Im Kreis Mayen-Koblenz können wir noch nicht von einer Unterversorgung sprechen“, sagt der Chef der Landesapothekenkammer Scheinert und betont, dass es gern mehr sein könnten – auch mit Blick auf die Verteilung der Nacht- und Notdienste, für die die Kammer verantwortlich zeichnet. „Leider gibt es einen Mangel an Fachkräften.“

Wie Tilmann Scheinert sieht auch Andreas Kluge noch keine Unterdeckung im Kreis – wohl aber eine Tendenz. „Die Patienten müssen auf jeden Fall weitere Wege in Kauf nehmen, um ihr Rezept einzulösen“, sagt der Apotheker. Er selbst würde den Standort nicht gegen einen in der Stadt eintauschen wollen. „Der Kreis der Kunden ist zwar kleiner, aber wenn man sich gut um sie kümmert, wissen sie es zu schätzen.“ Kluge verweist hier auf die Beratungsleistung, die eine Apotheke ihren Kunden gegenüber erbringt. „Bei uns geht kein Kunde ohne eine Frage raus“, versichert er.
Sorge macht ihm der Hausärztemangel, der sich auf dem Maifeld zunehmend bemerkbar macht. „In Münstermaifeld sind wir noch gut aufgestellt“, beruhigt der Apotheker. Doch gebe es im Umfeld schon Hausarztpraxen, die keine Patienten mehr aufnähmen. Der Erfolg der Apotheken sei von der Ärzteversorgung abhängig. Bei Arztbesuchen in Koblenz würde ein Teil der Patienten die dortigen Apotheken in Anspruch nehmen.

Auch wenn es auf dem Land insgesamt wenige Apotheken gebe, so stehe man „dennoch in einer Konkurrenzsituation und versuchen, uns in unserer Geschäftspolitik auch so zu verhalten.“ Wie vielen anderen Apothekern machen ihm insbesondere auch Internetapotheken das Leben schwer. „Höherpreisige nicht verschreibungspflichtige Präparate gehen oft übers Internet günstiger weg, da können örtliche Apotheken oft nicht mithalten“, sagt Kluge und betont, dass es immer mehr Kunden mit der Erwartungshaltung gibt, etwas nach Hause geliefert zu bekommen. Entgegenhalten kann Kluge da höchstens noch mit seinem kostenlosen Botendienst, der ursprünglich für Kunden installiert wurde, die den Weg zur Apotheke nicht selbst antreten können. Doch auch dieser Service will gut kalkuliert sein.

Damian Morcinek/Heinz Israel

Mayen-Andernach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
Mayen: 725 Jahre Stadt
epaper-startseite
Regionalwetter
Dienstag

4°C - 15°C
Mittwoch

6°C - 18°C
Donnerstag

9°C - 22°C
Freitag

8°C - 18°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach