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    AndernachDemos in Koblenz: Andernacher Hans-Peter Etzold kämpft für ein geeintes Europa

    Ob Ungarns Rolle in der Flüchtlingskrise, die Ukrainekrise oder der Brexit – wohin der Blick in der EU auch fällt, wird klar: Die europäische Idee trifft in diesen Zeiten auf die knallharte Realität. Viele haben ihren Glauben in die Ländergemeinschaft längst verloren – doch Hans-Peter Etzold ist einer von denen, die noch immer an den Geist des Zusammenhalts glauben. Und zwar so sehr, dass der Andernacher inzwischen jeden Sonntag eine Demonstration in Koblenz auf die Beine stellt – für Europa.

    Ganz bewusst wollte sich der Andernacher Europa-Aktivist Hans-Peter Etzold vor den Fahnen am Rhein ablichten lassen: „Ich sehe mich als Schwabe, Deutscher und Europäer gleichzeitig.“  Foto: Raphael Markert
    Ganz bewusst wollte sich der Andernacher Europa-Aktivist Hans-Peter Etzold vor den Fahnen am Rhein ablichten lassen: „Ich sehe mich als Schwabe, Deutscher und Europäer gleichzeitig.“
    Foto: Raphael Markert

    Es ist der Sonntag nach Aschermittwoch. In zehn Minuten soll die erste Auflage von „Pulse of Europe“ – zu Deutsch: „Impuls für Europa“ – in Koblenz starten. So zumindest sagen es die Flyer, die Etzold überall in Restaurants und Geschäften ausgehangen hat. Schon seit Wochen hat der Andernacher die Demonstration, die unter diesem Namen von anderen Organisatoren erstmals in Frankfurt auf die Beine gestellt wurde, geplant. Nun will er ein Zeichen setzen gegen die weltpolitischen Entwicklungen der vergangenen Monate.

    „Niemals hätte ich geglaubt, dass heute noch Polemik zur Politik wird – wie bei Trump und dem Brexit“, meint Etzold. Nun ist der Platz vor dem symbolträchtigen Deutschen Eck fast leer. Schlussendlich waren es nur 50 Menschen, die zur ersten Demonstration für Europa nach Koblenz kamen. Ob es tatsächlich nur noch so wenige sind, die für den europäischen Gedanken brennen, fragte sich der 50-Jährige, als er an diesem Abend wieder zu Hause ankam. Doch entmutigen ließ sich Etzold nicht, verlegte die Veranstaltung wenig später einige Hundert Meter weiter auf den Jesuitenplatz. Beim nächsten Mal kamen dann schon 300 Demonstranten, heute sind es jeden Sonntag 500 – plus lokale Politprominenz. Doch nicht jeder ist glücklich über die Veranstaltung: Ein Koblenzer AfD-Politiker hat die Demonstrationen des Andernachers in einem Leserbrief an unsere Zeitung verärgert als „Jubelveranstaltung“ bezeichnet. Wenn Etzold heute – einige Wochen später – an den raschen Aufstieg seiner „Pulse of Europe“-Demos in Koblenz denkt, fährt ein Lächeln über sein Gesicht. „Inzwischen kommen die Menschen mit Europaflaggen, singen gemeinsam die Europahymne, das macht Hoffnung“, sagt Etzold. Er selbst beschreibt sich sowieso als Optimisten, er ist eigentlich Team-Building-Berater in Andernach. Wohl naheliegend, sich da auch ein engeres Zusammenwachsen der EU-Länder zu wünschen. Immerhin, so sagt er, profitiert auch sein Unternehmen schon finanziell von der Länderunion, und sogar seine Website läuft kostengünstig über niederländische Server – ohne die EU wäre das nicht möglich.

    Schon Etzolds Urgroßvater, sein Großvater und sein Vater waren Flüchtlinge in verschiedenen unruhigen Epochen, seine Mutter war Kriegswaise. Umso wichtiger ist es Etzold, sich nun zu engagieren. Alleine schon deshalb, um sich später keine Vorwürfe machen zu müssen. Heute ist er überzeugt: „Es gibt keine Alternative zur EU, denn Nationalismus bedeutet Krieg.“ Umso mehr sorgt sich der gebürtige Schwabe um die bald anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland. Sollten dort rechte Parteien hohe Ergebnisse einfahren, rechnet der sonst so optimistische Etzold gar mit dem Ende der EU – auch das ein Grund für ihn, Woche für Woche auf die Straße zu gehen: „Wenn eine Herzkammer versagt, war’s das“, meint der Andernacher.

    Umso mehr appelliert Etzold an seine Mitmenschen, bei der Bundestagswahl proeuropäisch zu wählen – und selbst für die Europäische Union auf die Straße zu gehen. Denn er glaubt: „Der eigentlich größte Feind der EU ist die Gleichgültigkeit.“

    Die nächsten „Pulse of Europe“-Demonstrationen finden am morgigen 23. April, am 30. April und am 7. Mai jeweils ab 14 Uhr auf dem Koblenzer Jesuitenplatz statt.

    Von unserem Mitarbeiter Raphael Markert

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