40.000
Aus unserem Archiv
Kreis MYK

Bäckereien stehen vor düsterer Zukunft: Immer mehr Betriebe geben auf

Elvira Bell

Die Schließung der Bäckerei Kieffer vor einigen Tagen – sie ist kein Einzelfall. Immer mehr Bäcker geben auf. Gestiegene Energie- und Mietpreise, Fachkräftemangel, Backstationen und die Konkurrenz aus dem Discounter machen dem Bäckerhandwerk zu schaffen. Dabei sind die kleinen Traditionsbäckereien gerade auf dem Land ein wichtiger Faktor der Nahversorgung.

Frische Backwaren vom Bäcker werden immer mehr zur Rarität. Viele Handwerksbetriebe haben in den vergangenen Jahren aufgegeben. Auch in diesem Jahr mussten einige in der Region schließen.
Frische Backwaren vom Bäcker werden immer mehr zur Rarität. Viele Handwerksbetriebe haben in den vergangenen Jahren aufgegeben. Auch in diesem Jahr mussten einige in der Region schließen.
Foto: dpa

In Mayen sind in der Brückenstraße seit dem vergangenen Sommer die Auslagen des Brücken- Cafés und auch die des Cafés Hartel leer. Dort, wo es vor Jahrzehnten fünf bis sechs putzige Cafés gab, liegt kein Duft von Frischgebackenem mehr in der Luft. Seit Mitte November sind die Filialen von Bäckermeister René Kieffer in Thür, Polch, Münstermaifeld und in Kaisersesch dicht (die RZ berichtete).

Dies bedauert nicht nur Rainer Hilger, der Bürgermeister von Thür, sondern auch sein Kollege Gerd Klasen aus Polch. Dort gibt es zwar neben einer Lohner-Filiale „noch die Bäckerei der Familie Justen, eine Ur-Polcher Bäckerei und auch das Viedel-Backstübchen im Ortskern. Aber es ist schade um jeden Betrieb, der zumacht. Man muss befürchten, dass eines Tages die Bäckerei Justen ihre Pforten schließt, weil diese möglicherweise keinen Nachfolger findet.“

Dass er Ende nächsten Jahres seine Bäckerei an der Kirche schließt, sei im Ort schon bekannt, sagt Hermann Justen. Der 63-Jährige hat zwei Töchter, die die Bäckerei auf keinen Fall übernehmen werden. Um einen möglichen Nachfolger habe er sich noch nicht gekümmert.

Froh ist Klasen indes, dass der Betreiber des Einkaufszentrum Centro Polch, in dem René Kieffer seine Bäckerei und sein Café hatte, möglicherweise einen Nachfolger für diesen findet. „Ich bin da guter Dinge.“ Ja, es gebe einige Interessenten, bestätigt Valentin Krames, der Ehemann der Eigentümerin Heike Stein-Krames auf RZ-Anfrage.

Auch Claudia Schneider bedauert, dass René Kieffer keine Perspektive mehr gesehen hat. Nun gibt es dort nur noch eine Lohner-Filiale. „Es war die letzte Backstube in Münstermaifeld. Noch vor einigen Jahren gab es bei uns drei aktive Bäckereien“, sagt die Stadtbürgermeisterin. „Leider ist der Grund der Schließungen nicht der mangelnde Bedarf in Münstermaifeld und seinen Stadtteilen gewesen, sondern private und wirtschaftliche Aspekte. Die Münstermaifelder bedauern es zutiefst und würden deshalb Interessierte mit offenen Armen empfangen.“

Tatsächlich ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Handwerksbetriebe, die im Innungsgebiet Rhein-Mosel-Eifel ansässig sind, massiv zurückgegangen. „Damals waren es noch rund 90 Betriebe, jetzt ist es gerade mal die Hälfte“, sagt Frank Klein. Gründe für diese Entwicklung gibt es viele. Der Obermeister der Bäckerinnung Rhein-Mosel-Eifel erklärt, dass viele Bäckereien schließen, weil sie keinen Nachfolger finden, der ihre alteingesessene Bäckerei übernimmt. Wieder anderen fehlt der Bäckernachwuchs. Die viele Arbeit und das frühe Aufstehen seien wenig verlockend. „Dabei verdient man bei uns im Handwerk gutes Geld. Seitdem es nur noch die Realschule plus und das Gymnasium gibt, will keiner mehr einen Handwerksberuf ergreifen.“ Eine Herausforderung für die Bäcker seien auch die EU-Richtlinien. „Die Betriebe müssen immer mehr dokumentieren.“

Frank Klein würde sich über eine Rückbesinnung der Verbraucher hin zum traditionellen Brot aus der Bäckerei von nebenan sehr freuen. Die kleinen Dorfbäcker, die nur ein Hauptgeschäft haben, würden immer weniger. „Viele sind nicht bereit, beim Bäcker, der regional und nachhaltig produziert und Arbeitsplätze sichert, mehr Geld auszugeben als beim Discounter. Der Obermeister der Bäckerinnung prognostiziert eine düstere Zukunft: „In 10 bis 15 Jahren muss der Kunde möglicherweise 20 bis 30 Kilometer weit fahren, um ein richtig gutes Brot zu bekommen.“

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

Mayen-Andernach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
Mayen: 725 Jahre Stadt
epaper-startseite
Regionalwetter
Mittwoch

6°C - 18°C
Donnerstag

9°C - 22°C
Freitag

7°C - 16°C
Samstag

4°C - 15°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach