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    Ausstellung zeigt: "Demenz ist anders"

    Für viele ist es eine Art Schreckgespenst, das mit zunehmendem Alter immer bedrohlicher zu werden scheint, mit dem man im Freundeskreis, in der eigenen Familie konfrontiert wird oder von dem man sogar persönlich betroffen ist: Demenz wird mit steigender Lebenserwartung zu einem immer drängenderen Problem, von dem allein in Rheinland-Pfalz gegenwärtig rund 70 000 Menschen betroffen sind. Aufklärung und Objektivierung tut not.Einen Schritt in diese Richtung unternimmt seit einiger Zeit eine Wanderausstellung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung, die jetzt im St.-Nikolaus-Stiftshospital in Andernach Station macht. Ihr Titel: "Demenz ist anders".

    Familiäre Gemeinschaft trotzt der Demenz: Dieses Foto ist eines der Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. 
Fotorepro: Lieselotte Sauer-Kaulbach
    Familiäre Gemeinschaft trotzt der Demenz: Dieses Foto ist eines der Bilder, die in der Ausstellung zu sehen sind. Fotorepro: Lieselotte Sauer-Kaulbach

    Andernach - Für viele ist es eine Art Schreckgespenst, das mit zunehmendem Alter immer bedrohlicher zu werden scheint, mit dem man im Freundeskreis, in der eigenen Familie konfrontiert wird oder von dem man sogar persönlich betroffen ist: Demenz wird mit steigender Lebenserwartung zu einem immer drängenderen Problem, von dem allein in Rheinland-Pfalz gegenwärtig rund 70 000 Menschen betroffen sind. Aufklärung und Objektivierung tut not.

    Einen Schritt in diese Richtung unternimmt seit einiger Zeit eine Wanderausstellung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung, die jetzt im St.-Nikolaus-Stiftshospital in Andernach Station macht. Ihr Titel: "Demenz ist anders". Gezeigt werden Aufnahmen des in Rellingen bei Hamburg lebenden, 1965 geborenen Fotografen Michael Hagedorn. Seit etlichen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Alter und Tod, seit 2005 verstärkt in einem umfassenden Fotografie- und Multimediaprojekt mit dem Thema Demenz.

    Ein deprimierendes, Schwermut beförderndes Thema, könnte man meinen. Aber allein schon die vergleichsweise kleine Auswahl an Arbeiten im Foyer des Andernacher Krankenhauses spricht eine andere Sprache. "Ich möchte die Leute zum Umdenken bewegen und dazu bringen, genau hinzuschauen. Es geht darum, die Person anzusehen und sie nicht auf ihre Krankenakte zu reduzieren. Viele Menschen leben nach der ersten Diagnose noch über Jahre hinweg ein weitgehend selbstbestimmtes Leben und können ihre Wünsche und Vorlieben auch entsprechend artikulieren. Doch die allgemeine Meinung zu Demenz sieht anders aus. Das will ich ändern", so Hagedorn in einem im Ausstellungskatalog abgedruckten Gespräch.

    Dieses Ziel merkt man allen Fotos an. Es sind Fotos, die den Menschen in seiner Gebrechlichkeit, seiner Pflegebedürftigkeit zeigen, ihn aber trotzdem nicht seiner Menschenwürde entkleiden. Es sind Aufnahmen, die die Kranken nicht in erster Linie isoliert oder vereinsamt darstellen, sondern in Gemeinschaft mit anderen Menschen, mit ihren Pflegern im Heim, mit ihren Angehörigen oder mit Pflegefamilien, in denen sie als respektiertes Familienmitglied leben. Als Menschen, die zwar durch die Krankheit einen mehr oder minder großen Teil ihrer kognitiven Fähigkeiten, ihres Gedächtnisses eingebüßt haben mögen, die an Emotionalität aber häufig zugewinnen. Die sehr wohl noch Lust am Leben finden und diese auch zeigen, ob im Urlaub, im Thermalbad (das entsprechende Foto sprüht geradezu vor Lebenslust), bei der Polonaise im "Alzheimer Café" oder beim Malen, beim Umgang mit Farben, die kaum lebhafter und lebensfroher sein könnten.

    Deutlicher ließe sich nicht demonstrieren, dass Demenz nicht zwingend begleitet sein muss von Ausgrenzung, Ablehnung und Vereinsamung.

    Eine Besucherin der Ausstellung, erzählt Hagedorn im erwähnten Interview, habe ihm gesagt: "Seit ich Ihre Fotos gesehen habe, habe ich keine Angst mehr davor, dement zu werden." Wenn die Bilder dies auch in Andernach leisten, wenn sie zu einem selbstverständlicheren, sachlicheren und von irrationalen Ängsten befreiten Umgang mit der Krankheit, mit den Erkrankten führen, haben sie eine wesentliche Aufgabe, der Intention des Fotografen gemäß, erfüllt. Die von Oberbürgermeister Achim Hütten als Schirmherr unterstützte Ausstellung im Foyer des Stifthospitals ist bis zum 25. Januar zu sehen.

    Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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