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Andernach

Aufräumaktion in den Rheinanlagen: So will eine Andernacherin die Weltmeere sauberer machen

Martina Koch

Plastikteller, Plastikstrohhalme, Plastikbesteck, Plastikohrstäbchen – mit ihrem Beschluss, diese Einwegprodukte aus Kunststoff künftig zu verbieten, sorgte die EU-Kommission kürzlich für Aufsehen. Die EU-Politiker sagen dem Plastikmüll den Kampf an – ein Kampf, den Natalie Karij bereits vor rund einem Jahr aufgenommen hat. Mit ihrer Initiative „Andernach R(h)einheit“ will die junge Andernacherin das Rheinufer von der Nettemündung bis zum Namedyer Werth vom Müll befreien.

Der Strand am „kleinen Deutschen Eck“ in Andernach ist von Plastikflaschen und Styroporteilen übersät. Die Initiative „Andernach R(h)einheit“ will hier am Samstag aufräumen.
Der Strand am „kleinen Deutschen Eck“ in Andernach ist von Plastikflaschen und Styroporteilen übersät. Die Initiative „Andernach R(h)einheit“ will hier am Samstag aufräumen.
Foto: Martina Koch

Am Samstag, 16. Juni, 10 Uhr, startet die nächste Aufräumaktion der Initiative in den Rheinanlagen, alle Interessierten sind dazu eingeladen. Unsere Zeitung sprach mit Natalie Karij darüber, wie sie mit ihrem Engagement die Weltmeere sauberer machen will.

Dass sie einmal eine eigene Umweltschutzinitiative ins Leben rufen wird, hätte sich Karij vor gut einem Jahr nicht träumen lassen. Die Andernacherin unternimmt gern ausgedehnte Spaziergänge am Rheinufer: „Das ist wie ein kleiner Urlaub.“ Doch im Frühjahr vergangenen Jahres fiel ihr auf, dass das Flussufer fast durchgehend von Unrat übersät ist: „Ich konnte die Umgebung nicht mehr genießen, weil ich nur noch den Müll gesehen habe.“

Karij begann sich mit dem Thema zu beschäftigen und fand Erschreckendes heraus: 80 Prozent des Mülls, der in den Weltmeeren treibt, wurde aus den Flüssen dorthin gespült – und damit auch aus dem Rhein. Sie wandte sich daraufhin ans Andernacher Jugendzentrum (JuZ) in der Hoffnung, dort Unterstützer für ihr Vorhaben zu finden, das Rheinufer vom Abfall zu befreien – mit Erfolg: Gemeinsam mit dem JuZ und unterstützt vom Bauhof der Stadt stellte Karij am 5. August vergangenen Jahres die erste Aufräumaktion am Andernacher Rheinufer auf die Beine. Die Initiative „Andernacher R(h)einheit“ war geboren. 45 Helfer kamen zur Erstauflage am Bootshaus zusammen und räumten drei Stunden lang auf.

Sie schafften es dabei nicht, die komplette Strecke abzusuchen, weil das Ufer überall mit kleinen Plastikteilen übersät war: „Wir finden bei unseren Aktionen immer viele Flaschenverschlüsse und Ohrstäbchen, also Kleinteile die von Fischen versehentlich verschluckt werden können.“ Einmal im Jahr aufzuräumen, wie es in vielen Kommunen beim „Dreck-weg-Tag“ praktiziert wird, reicht da nicht aus, findet Karij: Aufräumaktionen in dreimonatigen Abständen sind das Ziel der Initiative.

Von dieser Idee konnte Karij inzwischen auch Unterstützer außerhalb ihrer Heimatstadt überzeugen: Im vergangenen Jahr lernte sie bei einem Besuch in Bad Hönningen zufällig den Stadtbürgermeister Guido Job kennen und erzählte ihm von ihrem Engagement für ein sauberes Rheinufer. Job ließ sich vom Tatendrang der Andernacherin mitreißen und sicherte ihr seine Unterstützung zu. Seitdem wird auch am Bad Hönninger Rheinufer regelmäßig Müll gesammelt.

Dabei halfen in der Vergangenheit auch Schüler der dortigen Römerwallschule, worüber sich Karij besonders freut: „Die Schüler sind unsere Zukunft. Es ist wichtig, dass Kinder ein neues Bewusstsein für die Umwelt bekommen.“ Karij stellt ihre Initiative daher auf Einladung gern in Schulen vor und bietet demnächst an einer Schule nachmittags eine eigene Umwelt-AG an.

Natalie Karij möchte sich mit ihrem Engagement für den Umweltschutz selbstständig machen.
Natalie Karij möchte sich mit ihrem Engagement für den Umweltschutz selbstständig machen.
Foto: privat

Von den Funden der Aufräumaktionen sind Jugendliche und Erwachsene meist beeindruckt – im negativen Sinne. Bei einer Aktion nach dem Hochwasser im Januar fanden die Helfer am Bad Hönninger Rheinufer etwa zwei alte Kühlschränke und mehrere Autoreifen: „Also Sachen, die überhaupt nichts im Fluss verloren haben“, ärgert sich Karij, die sich inzwischen ein kleines Netzwerk an Unterstützern und Sponsoren aufgebaut hat, welches sie in Zukunft noch erweitern will. Der Wuppertaler Verein Waterranger gehört etwa dazu, der sich für den Schutz des Wassers einsetzt. Aber auch viele Andernacher Vereine und Unternehmen tragen zum Gelingen der Aufräumaktionen bei: Am Ende der dreistündigen Veranstaltung gibt es für die Helfer immer einen kleinen Imbiss, außerdem werden Gutscheine und kleine Präsente verlost, die die Gewerbetreibenden zu diesem Anlass gespendet haben. „Ich will etwas Positives schaffen“, betont Karij.

Ihr Engagement bereitet ihr so viel Freude, das die gelernte Einzelhandelskauffrau nun sogar plant, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Denn für den Umweltschutz hat sie noch viele Ideen: „Ich will einfach auch verrückte Sachen ausprobieren.“

Die nächste Aufräumaktion der „Andernach R(h)einheit“ beginnt am Samstag, 16. Juni, um 10 Uhr. Treffpunkt ist am Bootshaus. Anmeldung und weitere Infos per E-Mail an natalie.karij@waterranger.net

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