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Kreis MYK/Koblenz

Arbeiten manche Wirte mit miesen Tricks? Insider berichten über krasse Fälle in der Region

Raphael Markert

Ein höheres mögliches Maximalarbeitspensum pro Woche, die Erlaubnis zu einer längeren Tagesarbeitszeit und auch sonst ein Mehr an Flexibilität im Arbeitszeitgesetz für die Gastronomie: Das forderten die Kreisvorsitzenden des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) aus Koblenz und dem Kreis MYK.

Arbeitszeiten, die über dem gesetzlichen Rahmen liegen, unbezahlte Überstunden, Schwarzarbeit – es gibt in der Gastronomie offenbar Wirte, die sich und ihren Berufszweig in Misskredit bringen.
Arbeitszeiten, die über dem gesetzlichen Rahmen liegen, unbezahlte Überstunden, Schwarzarbeit – es gibt in der Gastronomie offenbar Wirte, die sich und ihren Berufszweig in Misskredit bringen.
Foto: dpa/Axel Heimken

Dabei schaffen sich manche Gastronomen die gewünschte Flexibilität schon jetzt selbst – und verstoßen dabei wissentlich gegen das Arbeitsgesetz: Mit welch illegalen Methoden Restaurantchefs in der Region sogar ihre Mitarbeiter strafbar machen, haben uns Brancheninsider berichtet.

Eigentlich ist Marco H. (Name geändert) nur auf 450-Euro-Basis in einem Restaurant im Landkreis beschäftigt – im Monat dürfte er bei einer Bezahlung auf Mindestlohnbasis also nicht über 50 Stunden arbeiten. Tatsächlich teilt ihn der Chef aber jeden Monat deutlich öfter in die Dienstpläne ein – nicht selten sogar doppelt so häufig wie erlaubt. In manchen Monaten verdient der junge Mann so über 900 Euro – über die Hälfte also schwarz. "Den Übertrag kassieren wir dann bar auf die Hand", berichtet Marco. "Wir sind im Betrieb alle der Meinung, dass sich etwas ändern muss, gerade mit der Schwarzarbeit. Wir machen uns ja selbst strafbar. Aber wir haben Angst, dass wir rausgeworfen werden, wenn wir gegen die Methoden etwas sagen – und ich brauche den Job." Eigentlich arbeitet der junge Mann in einer ganz anderen Branche, verdient sich nach Feierabend mindestens dreimal pro Woche aber im Restaurant Geld dazu. Normalerweise hätte er hier um 22 Uhr Feierabend. Doch nahezu jedes Mal könne er den Laden erst eine halbe Stunde später verlassen.

Die zusätzliche Arbeitszeit wird Marco und seinen Mitarbeitern weder bezahlt noch als Überstunde angerechnet. "Vor 22 Uhr dürfen wir gar nicht aufräumen und sauber machen, es könnten ja noch Gäste kommen. So spart der Chef ungefähr drei Stunden pro Mitarbeiter und Monat an uns ein – mit der Begründung, dass das eben so üblich ist." Den Dehoga-Vorschlag, künftig für noch mehr Flexibilität im Arbeitszeitgesetz zu sorgen und damit neben dem Arbeitgeber auch Beschäftigten entgegenkommen zu wollen, kann Marco nicht nachvollziehen: "Das hilft doch in erster Linie dem Arbeitgeber, und die Arbeitszeiten sind schon jetzt anstrengend genug."

Einer, der das genauso sieht, ist Klaus Schu, der im Land für die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) die Verhandlungen mit der Dehoga führt. Eine Flexibilisierung entlaste die Arbeitnehmer nicht im Geringsten, sondern legalisiere nur bisher schon bestehende unhaltbare Zustände. "Die Probleme mit Schwarzarbeit und Mitarbeiterausbeutung kennen wir – das ist ein riesiges Thema", klagt Klaus Schu. Er glaubt: Die Zustände bestehen vor allem deshalb, weil Betriebsräte in der Gastronomie nicht die Regel sind.

Wir sprechen mit der Mitarbeiterin eines Restaurants in einem kleinen Ort bei Koblenz. Als sie dort zu arbeiten begann, war sie noch minderjährig, hätte nach geltendem Gesetz also nie länger als bis 22 Uhr arbeiten dürfen. Bei jeder dritten Schicht, schätzt sie, sei das gesetzliche Limit aber teils deutlich überschritten worden. Manchmal habe sie bis Mitternacht im Service gearbeitet. Hinterfragt habe sie das nicht – denn ansonsten sei sie zufrieden in dem Betrieb, habe so außerdem auch mehr verdienen können.

Dabei kritisiert auch die Dehoga die Methoden von gesetzesuntreuen Gastronomen: "Das sind schwarze Schafe, die wir in der Branche nicht wollen", sagt Kreisvorsitzender Michael Helling zu den Schilderungen der Mitarbeiter. "Die öffnen nur die Tür dafür, dass wir als Gastronomen noch mehr unter Generalverdacht gestellt werden." Er ist überzeugt: Eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes würde helfen, die Bedingungen auch für Arbeitnehmer zu verbessern – die fachliche Qualität des Arbeitgebers vorausgesetzt.

Von unserem Mitarbeiter Raphael Markert

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