40.000
Aus unserem Archiv
Andernach

Annenacher Mundartkünstler schwelgen in Erinnerungen: Als beim Gabel das Wasser von den Wänden rann

Winfried Scholz

„Goode Morje Annenach, ich maach dich“ diese Liebeserklärung der beiden „Mademoiselle aus Annenach“ (Vera Zerwas-Schneider und Andrea Paulmann) an ihre Heimatstadt, weitere Lieder und Krätzjer sowie köstliche Verzeelcher von Gisela Pfeil, Heribert „Molly“ Zins, Bernd Schwickert und Addi Klöppel ließen rund 150 Besuchern im voll besetzten großen Saal des historischen Rathauses einen herrlichen Nachmittag der guten Laune erleben.

Eine illustre Runde fand sich zum beim Mundartabend „Ditt on Datt“ im Andernacher Rathaus ein: Moderator Molly Zins (von links), die von den Bäckerjungen eingerahmte Gisela Pfeil sowie die Mademoiselle aus Annenach, Vera Zerwas-Schneider und Andrea Paulmann.
Eine illustre Runde fand sich zum beim Mundartabend „Ditt on Datt“ im Andernacher Rathaus ein: Moderator Molly Zins (von links), die von den Bäckerjungen eingerahmte Gisela Pfeil sowie die Mademoiselle aus Annenach, Vera Zerwas-Schneider und Andrea Paulmann.
Foto: Winfried Scholz

Die Volkshochschule und der Kulturpunkt Andernach trafen mit der von Bürgermeister Claus Peitz eröffneten Veranstaltung „Ditt on Datt off Annenache Platt“ bestens den Geschmack des begeisterten Publikums. Das Titellied sang Michael Krupp.

Urkarnevalist und Kreiswackesträger Molly Zins erinnerte unter anderem an „Faasenacht vor 40 Johr“ beim Gabel. Heute befindet sich hier ein griechisches Restaurant. Zins wusste zu berichten: „Dat wor dä einzije Saal en Deutschland met fließendem Wasser von de Wänn eronner“. Die Mehrzweckgarderobe wurde nach der Sitzung zur Haifischbar: „Do konnt‘ mer dann trinke on knutsche.“ Anerkennendes Lachen kam im Publikum auf, als Zins von „der Frau Florentine Calabrese“ erzählte: „Die trug immer en Riesenhoot, su e ruut dut Dier om de Hals (Stola) und hatte ein schönes Dekolleté.“ Ihr aus Italien stammender Mann hatte eine Zylinderschleiferei.

"Faasenacht ist nicht zum saufen da"

Besonders erwähnte Zins, dass Frau Florentine sehr viel für den Andernacher Karneval gespendet hat. Er mahnte: „Faasenacht ist nicht zum saufen da, immer in Maßen, und es darf keinen Konkurrenzkampf zwischen den Generationen oder den verschiedenen Vereinen geben.“

Der 83-jährige Addi Klöppel, ebenfalls ein karnevalistisches Urgestein erzählte, wie er als Junge von einem amerikanischen Soldaten ein noch original verschlossenes Paket geschenkt bekam. Freudig, in der Hoffnung es sei was Gutes zum Essen drin, trug er es nach Hause. Beim Öffnen stellte sich raus, es waren lauter nagelneue Kondome.

Dä Naachswächde (Bernd Schwickert) trug noch einmal sein Protokoll aus der Blauen-Funken-Sitzung vor, wo er vor allem die Politik heftig aufs Korn genommen hatte („Im Karneval darf man hemmungslos lästern“). Gisela Pfeil berichtete von den Jugendpartys im Petticoat im ausgeräumten elterlichen Wohnzimmer mit Tanzen, Essen und Schmusen. „Zu essen gab's Russische Eier, Hausgetränk war Cinzano on dat Schallplatte-Apparäätsche es häissjeloff met demm „Sugar, Sugar Baby“ vom Peter Kraus.“

An Fronleichnam waren einst alle auf den Beinen

Etwas nachdenklicher berichtete sie von der früheren Fronleichnam-Prozession mit 8000 Teilnehmern („Alles wat laawe konnt‘, wor domols off de Bein‘“), die es in dieser Form nicht mehr gibt: „Do looch ebbes Heilijes üwwer onserer Stadt, dat es jetzt nimmi.“ Spruddler Gerd Thelen, begleitet von Aaron Friedland sang neben anderen „Dat Lied vom Pöntche“ (Fähre zwischen Andernach und Leutesdorf). Natürlich durfte auch das Lied der Bäckerjungen Fränzje on Döres nicht fehlen. Patrick Steuder und Michael Stein waren in diese Rolle geschlüpft. Vor 60 Jahren wurden von acht Offizieren des Stadtsoldatenkorps die Musikgruppe Altstadt-Rebellen gegründet. Ihre Nachfolger brachten in der Besetzung Waldemar Thiele, Stefan Fischer, Molly Zins und Aaron Friedland den Saal zum Schunkeln.

Wie Molly Zins im Gespräch mit der RZ berichtete, wollen die Mitwirkenden mit einem leicht verkürzten Programm „Ditt on Datt“ auch in den Seniorenheimen der Stadt aufführen.

Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

Mayen-Andernach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
Mayen: 725 Jahre Stadt
epaper-startseite
Regionalwetter
Mittwoch

15°C - 27°C
Donnerstag

15°C - 30°C
Freitag

18°C - 30°C
Samstag

16°C - 25°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach