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Andernach

Andernacher Jecken außer Rand und Band: Krahnenbergkaserne hält dem Ansturm nicht stand

Martina Koch

Die Enttäuschung steht dem Standortältesten Peter Richter ins Gesicht geschrieben: „Drum stehen wir hier mit Holzgewehr und leisten Gegenwehr“, hatte er seine Truppen noch angefeuert, bei der Verteidigung der Andernacher Krahnenbergkaserne vor dem närrischen Ansturm am frühen Morgen des Schwerdonnerstags alles zu geben – vergeblich. Mit dem Schlachtruf „Möhnen voran“ schickte der Kommandant der Blauen Funken, Hans-Peter Klein, die schärfste Waffe der Karnevalisten in den Kampf.

Können mit der Leistung ihrer Truppen nicht zufrieden sein: Oberstarzt Dieter Leyk (2. von links) und Oberstarzt Peter Richter (rechts) bleibt nichts anderes übrig, als Hans-Peter Klein, Präsident und Kommandant der Blauen Funken, die Kapitulationsurkunde auszuhändigen.
Können mit der Leistung ihrer Truppen nicht zufrieden sein: Oberstarzt Dieter Leyk (2. von links) und Oberstarzt Peter Richter (rechts) bleibt nichts anderes übrig, als Hans-Peter Klein, Präsident und Kommandant der Blauen Funken, die Kapitulationsurkunde auszuhändigen.
Foto: Martina Koch

Noch vor Sonnenaufgang müssen sich die Soldaten und zivilen Mitarbeiter der Krahnenbergkaserne eingestehen, dass sie eine schmerzliche Niederlage erlitten haben. Nahezu ungehindert nahmen die Andernacher Karnevalsvereine das Kasernengelände ein. Zur Ehrenrettung des Standorts muss allerdings angemerkt werden, dass die Jecken deutlich in der Überzahl waren: 30 uniformierten Kräften standen Dutzende kostümierte Kämpfer für den Frohsinn gegenüber, die die am Kasernentor errichteten Barrieren mit Leichtigkeit überrannten.

Dabei hatten sich der Standortälteste Richter und Oberstarzt Dieter Leyk eigens Verstärkung aus der Karnevalshochburg Köln organisiert: Hermann Esser, gebürtiger „kölsche Jung“ und Soldat, wechselte erst diese Woche von Koblenz in die Andernacher Krahnenbergkaserne. Er konnte aber ebenfalls kein Patentrezept liefern, wie dem närrischen Ansturm standzuhalten sei. „Im nächsten Jahr werden wir vielleicht Sonderkommandos aus Mayen dazubestellen“, bereitet Esser die Andernacher Karnevalisten darauf vor, dass man den Schlüssel zum Standort künftig nicht mehr ohne nennenswerte Gegenwehr herausrücken werde.

Von den Stadtsoldaten, der Prinzengarde, den Blauen Funken, den Rot-Weißen Husaren, den Möhnen Ewig Jung, der Gerak und dem Festausschuss des Andernacher Karnevals hagelt es angesichts der schwachen Verteidigung Häme – aber auch zahlreiche Orden. Damit danken die Karnevalisten den Standortangehörigen dafür, dass sie als gute Verlierer gemeinsam mit den Jecken eine schöne Zeit in der Kaserne verbringen. „Ohne einen Schuss loszulassen, feiern wir friedlich zusammen“, erklärt Werner Peusens vom Festausschuss versöhnlich. „Wir kommen auch, um Euch dazu zu gratulieren, dass Ursula von der Leyen Eure Obermöhn bleibt!“, versucht Carsten Meyer, Kommandeur der Rot-Weißen Husaren, das Eis zu brechen.

Schließlich haben die mit närrischen Auszeichnungen überhäuften Soldaten und viele der karnevalistischen Würdenträger eines gemeinsam: Sie haben an Schwerdonnerstag nichts zu melden. Karnevalsprinz Thomas I. (Manstein) und die Männer im Hofstaat fügen sich in ihre neue Rolle, indem sie präventiv ihre Gesichter hinter einem Mundschutz verbergen. „Die Männer dürfen heute nichts sagen. Was ist das schön ruhig!“, befand dem entsprechend Prinzessin Bettina I. (Manstein), die bei der Verrichtung des närrischen Alltagsgeschäfts von Tageskanzlerin Katja Budelmann unterstützt wird.

Von unserer Redakteurin Martina Koch

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