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Andernach

Andernach berechnet Beitrag und kommt zu kuriosem Ergebnis: Zahlen Touristen bald einen "Gäste-Cent"?

Martina Koch

Die Stadt Andernach hat in den vergangenen Jahren viel in den Tourismus investiert: Auf gut 7 Millionen Euro belief sich der tourismusbezogene Aufwand allein im Jahr 2017. Zumindest einen kleinen Teil davon wollte man sich von den Übernachtungsgästen, die die touristische Infrastruktur nutzen, zurückholen: mittels eines Gästebeitrags, der von den Betreibern der Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen in der Stadt eingezogen und an die Gemeinde überwiesen wird.

Wer in den Andernacher Hotels übernachtet, soll mit dem Gästebeitrag einen Obolus für die touristische Infrastruktur der Stadt leisten – so lautete der Plan.
Wer in den Andernacher Hotels übernachtet, soll mit dem Gästebeitrag einen Obolus für die touristische Infrastruktur der Stadt leisten – so lautete der Plan.
Foto: Martina Koch

Doch das städtische Amt für Finanzwesen, welches den Gästebeitrag im Auftrag des Haupt- und Finanzausschusses berechnete, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Nach der vorgenommenen Kalkulation liegt der höchstmögliche Beitragssatz pro Gast bei sagenhaften 0,01 Euro. Doch wie kann das angesichts der millionenschweren Aufwendungen für die touristischen Einrichtungen der Stadt sein?

Zunächst müssen bei der Kalkulation des Gästebeitrags die Erträge der touristischen Einrichtungen vom Aufwand abgezogen werden: Die Erträge lagen im Jahr 2017 bei 3,8 Millionen Euro, der verbleibende beitragsfähige Aufwand beläuft sich damit auf gut 3,3 Millionen Euro.

Da in Andernach allerdings nicht nur Touristen, sondern auch die Einwohner die touristische Infrastruktur nutzen, wird für jede Einrichtung individuell ein Einwohnernutzungsgrad festgelegt, der nach Erfahrungswerten geschätzt wird. So hat das Andernacher Freibad, welches ebenfalls zu den touristischen Einrichtungen zählt, etwa einen höheren Einwohnernutzungsgrad als das Geysirzentrum.

Das Amt für Finanzen geht von einem Nutzungsanteil durch die Andernacher Bürger von 46,3 Prozent aus. Gemessen am finanziellen Aufwand, der der Stadt durch ihre touristischen Einrichtungen entsteht, entspricht dies knapp 3,3 Millionen Euro. Dieser Betrag muss dann von dem zuvor berechneten beitragsfähigen Aufwand in Höhe von gut 3,3 Millionen Euro abgezogen werden. Dadurch bleibt lediglich ein Aufwand von 4656,52 Euro übrig.

Bei der Umlage dieses Aufwands auf die Touristen werden indes nicht nur die Übernachtungsgäste (rund 124.000 pro Jahr), sondern auch die Tagesgäste (rund 600.000) mit einbezogen. Daraus ergibt sich letztendlich der höchstmögliche Beitragssatz von aufgerundet 0,01 Euro pro Gast.

Den nun ermittelten „Gäste-Cent“ werden Besucher, die in der Stadt übernachten, allerdings nicht entrichten müssen: Die dadurch erzielten Einnahmen stünden in keinem Verhältnis zum Verwaltungsaufwand. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses, denen die Kalkulation in der jüngsten Sitzung vorgelegt wurde, baten um weiterführende Informationen zu den Zahlen, die der Berechnung zugrunde liegen.

Andernach.net-Geschäftsführer Christian Heller zweifelt die Kalkulation der städtischen Kämmererin nicht an, bedauert allerdings, dass es in Andernach derzeit keine Grundlage für die Erhebung eines Gästebeitrags gibt: „Dann sind wir mit unseren touristischen Einrichtungen wohl zu erfolgreich“, erklärt Heller im Hinblick auf die Millioneneinnahmen der touristischen Einrichtungen, die die Berechnungsgrundlage senken.

Heller hätte mit Einnahmen in einer Größenordnung von 140.000 bis 150.000 Euro durch den Gästebeitrag gerechnet und ist nach wie vor von der Sinnhaftigkeit einer Erhebung überzeugt: „Es wird für die Kommunen immer schwieriger, touristische Infrastruktur zu finanzieren. Ein Gästebeitrag kann da einer von vielen Bausteinen sein.“

Auf der Suche nach Einnahmequellen für die Tourismuswerbung hatte die städtische Gesellschaft Andernach.net erst im vergangenen Jahr versucht, auf freiwilliger Basis einen Tourismusbeitrag von den Betrieben zu erheben, die vom Fremdenverkehr in der Stadt profitieren. Dabei kamen statt der erhofften 50.000 bis 60.000 Euro lediglich Zusagen über 20.000 Euro zusammen. Auf eine freiwillige Erhebung wurde daher verzichtet.

Von unserer Redakteurin
Martina Koch
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