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Mayen/Nürburgring

Adi Ohligschläger feierte im Motorradsport Erfolge: Mayener lässt der Nürburgring nicht mehr los

Elvira Bell

Der Nürburgring feierte im vergangenen Jahr sein 90-jähriges Bestehen. In einer kleinen Serie stellten wir Menschen vor, die zum Ring eine besondere Beziehung haben. Im letzten Teil dieser Serie steht Adolf (Adi) Ohligschläger im Mittelpunkt.

Der Mayener Adi Ohligschläger blickt auf ein bewegtes Leben als Motorradrennfahrer zurück. Auch wenn der Privatfahrer seine größten Erfolge im Ausland erzielte: Der Nürburgring übt bis heute eine besondere Faszination auf ihn aus.
Der Mayener Adi Ohligschläger blickt auf ein bewegtes Leben als Motorradrennfahrer zurück. Auch wenn der Privatfahrer seine größten Erfolge im Ausland erzielte: Der Nürburgring übt bis heute eine besondere Faszination auf ihn aus.
Foto: Elvira Bell

Ohligschläger galt in den 1960ern als einer der größten Talente im Motorradsport. Für die älteren Motorradfahrer ist er eine Legende. Mit seinen Erfolgen machte das Ausnahmetalent nicht nur auf der alten legendären Südschleife des Nürburgrings, sondern auch auf Rennstrecken in Neuseeland, in Italien, in Finnland, Jugoslawien und vielen anderen Ländern der Welt bei den Meisterschafts- und Weltmeisterschaftsläufen mit sehr guten Platzierungen auf sich aufmerksam.

„Der Nürburgring ist meine zweite Heimat“, erzählt der in Mayen-Kürrenberg lebende Familienvater. Die „Grüne Hölle“ ist ein Teil von ihm. Sie hat sein Leben seit seiner frühen Kindheit geprägt. Wenn der rüstige Senior die Augen schließt, sieht er jeden Kilometer der damaligen Rennstrecke vor sich. Nach dem Krieg ist er als kleiner Junge mit seinem Vater Josef Ohligschläger an den Wochenenden regelmäßig zum Ring gefahren, um die Motorradrennen zum Greifen nah zu verfolgen.

Hunderttausende Menschen kamen in den 60er-Jahren in die Eifel, um die Motorradrennen auf dem Nürburgring zu verfolgen.
Hunderttausende Menschen kamen in den 60er-Jahren in die Eifel, um die Motorradrennen auf dem Nürburgring zu verfolgen.
Foto: Elvira Bell (Repro)

Dort war seinerzeit die Hölle los. „Auf der Fahrt dorthin habe ich auf der Ladefläche unseres Lastwagens gesessen.“ Der Rennbetrieb auf dem Nürburg stand damals nicht nur bei Adi und Josef Ohligschläger hoch im Kurs: Vielmehr strömten mehr als 250.000 rennsportbegeisterte Zuschauer von überall her regelmäßig in die Eifel, um die Motorradweltmeisterschaftsläufe hautnah zu erleben. „Mich hat der Ring völlig fasziniert und nicht mehr losgelassen.“

Der RZ gewährt der heute 78-Jährige einen Einblick in seine Rennsportkarriere. Diese begann quasi vor seiner Haustür und verlief schnell und steil nach oben. „Bereits auf der kurvenreichen Strecke durch die hügelige Eifellandschaft von Mayen bis zum Nürburgring stimmte ich mich mit einer 125er (Kubikzentimeter) DKW fahrtechnisch ein.“ Sein erstes Rennen hatte Adi Ohligschläger 1962 mit seiner DKW, natürlich auf seiner Heimstrecke bestritten. Zwei Jahre fuhr er die DKW, ehe er von 1964 bis 1968 an der Deutschen Motorradmeisterschaft mit einer spanischen Maschine, einer Bultaco in der 250er- und 350er-Klasse, teilnahm.

Die berüchtigten Kurven der "Grünen Hölle" bewältigte Adi Ohligschläger auch bei nasser Fahrbahn gut.
Die berüchtigten Kurven der "Grünen Hölle" bewältigte Adi Ohligschläger auch bei nasser Fahrbahn gut.
Foto: Elvira Bell (Repro)

Adi Ohligschläger hatte eine besondere Vorliebe: Als Regenspezialist schätzte er nasse Rennpisten, die anderen Fahrern hingegen schwer zu schaffen machten. Obwohl er gegenüber seinen Konkurrenzen den Vorteil hatte, die Strecke aus dem Effeff zu kennen, „konnte ich die ganz großen Erfolge auf dem Nürburgring leider nicht einfahren“. Dennoch waren die Resultate in der Endabrechnung beachtlich: 1965 wurde Ohligschläger auf dem Nürburgring Sieger der deutschen Juniorenmeisterschaft und 1966 und 1967 wurde der gelernte Schlosser Vizemeister bei der Deutschen Motorradmeisterschaft.

Im Gegensatz zu vielen anderen Motorradfahrern, die auf der gefährlichen Südschleife in die Bredouille gerieten und schlimme Unfälle erlitten, hatte Ohligschläger auf seiner Rennstrecke, die kaum geschützt war, großes Glück: Er blieb bei Stürzen, auch in den tückischen „Hundskurven“, von Knochenbrüchen verschont. Diese – es sind insgesamt 28 – hat er sich im Laufe der Jahre auf den anderen Strecken zugezogen. Dennoch sagt er: „Mein Christophorus, den ich immer bei mir hatte, brachte mir viel Glück und hat mich beschützt.“

Ruhm erntete der Privatfahrer auf den Rennstrecken im Ausland. Die Rennen verschlangen eine Menge Geld. „Wir hatten gerade gebaut, so dass ich Ende 1968 schließlich nicht mehr in der Lage war, das Ganze zu finanzieren.“ Mit dem Mayener Günther Hennerici hatte Ohligschläger per Zufall einen guten Mäzen gefunden. Der Inhaber der Eifelland-Wohnwagen-Firma investierte eine beträchtliche Summe in ihn. Auch der gute Draht zu Alfons Mohr, einem deutschlandweit bekannten Motorradhändler aus Mayen-Hausen, zahlte sich für ihn aus.

Seine größten Erfolge feierte der Mayener bei Motorradrennen im Ausland.
Seine größten Erfolge feierte der Mayener bei Motorradrennen im Ausland.
Foto: Elvira Bell (Repro)

Durch die Platzierung in der Spitze bei den Deutschen Meisterschaften gelang es Mohr, Adi Ohligschläger eine funkelnagelneue 350er Yamaha zu besorgen, die Günter Hennerici sponserte. Mit zwei Yamahas, einer 250er und 350er, heimste sich Ohligschläger dann große Erfolge ein und belegte in der Motorradweltmeisterschaft zwischen den Werkfahrern als einziger deutscher Privatfahrer Top-Ten-Plätze und dass, obwohl er die Strecken vorher noch nie gefahren war. Erstaunlich ist: Kein anderer Fahrer konnte bisher seinen Streckenrekord in der 250er-Klasse in Jicin im heutigen Tschechien unterbieten.

Mit Vollgas über den Ring ist Adi Ohligschläger mit seinem Motorrad zum letzten Mal mit 70 Jahren gefahren. An die Erlebnisse erinnert er sich gern, insbesondere dann, wenn ihn sein Freund Ginger Molloy aus Neuseeland in Kürrenberg besucht. Der 80-Jährige war oft mit Ohligschläger, unter anderem vor rund 20 Jahren, im Pukekohe Park in Neuseeland an den Start gegangen.

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

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