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Mayen

85 Jahre: Herzlichen Glückwunsch, Mario Adorf (Mit Bildern & Video)

Es war im Winter 1930/31. Eine Frau kommt mit ihrem dreieinhalb Monate alten Sohn nach Mayen. Der Junge wächst hier auf, verbringt Kindheit und Jugend in der Eifel. Jetzt ist er Ehrenbürger dieser Stadt, der beliebteste deutsche Schauspieler und feiert am Dienstag, 8. September, seinen 85. Geburtstag: Mario Adorf.

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

Der Junge hatte keine leichte Kindheit. Als uneheliches Kind wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Er boxte sich im wahren Sinn des Wortes durchs Leben. Noch heute pflegt der Weltstar intensiv seine Wurzeln in der Eifel und Freundschaften, die er vor vielen Jahrzehnten hier schloss. Nicht nur der überaus rege Künstler, sondern auch Weggefährten in der Heimat erinnern sich gerne an die gemeinsame lebhafte Schul- und Jugendzeit und an so manche unterhaltsame Begebenheit.

Zu denen gehört der 84-jährige Häns Steinmetz. Als junger Bursche hat er gegen Adorf geboxt. Denn um sich in der Nachkriegszeit gegen Attacken verteidigen zu können, beispielsweise dann, wenn er etwas gehamstert hatte, erlernte Adorf das Boxen. "Wir haben früher nicht nur zusammen im legendären Sterngarten geboxt, sondern wir haben auch gemeinsam Forellen in der Nette gefangen", erinnert sich Steinmetz, der mit ihm in der Volksschule die Schulbank geteilt hatte. "Mittags durfte Mario manchmal mit zu meinen Eltern nach Hause kommen."

Beim Boxen im Sterngarten war auch das Nachbarsmädchen Grit Schwindenhammer, geborene Comie, dabei. "In den Nachkriegsjahren haben wir Mario oft beim Boxen im legendären Sterngarten bewundert", erzählt die Anfang-Achtzigjährige. "Wir haben immer in der ersten Reihe gesessen, um alles genau zu verfolgen".

Früher Mario Lanza imitiert

Schwindenhammer wundert sich nicht, dass aus Adorf etwas Besonderes wurde und er eine Weltkarriere absolvierte: Als junger Mann habe er schließlich auf der Straße immer Schlager des französischen Schauspielers und Sängers Tino Rossi gepfiffen und den Hollywoodstar Mario Lanza, den 1950er-Jahren weltbekannten Opernsänger, imitiert. "In Gedanken waren und sind wir Jugendfreunde immer bei ihm. Wir haben uns von Zeit zu Zeit immer wieder gesehen und er hat mir und meinem Mann öfters Briefe geschrieben." Sie kennt Adorf noch länger als ihren Mann. Der hatte den aufstrebenden Schauspieler in den 50er-Jahren auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin mal zu einem Interviewtermin begleitet. Da hatte dieser gerade in dem Film "Nachts wenn der Teufel kam"brilliert.

Oft und gerne denkt auch Alwine Mathers an das Geburtstagskind. Die fast Neunzigjährige sagt: "Wir mochten uns sehr, haben früher viel diskutiert und waren gute Kumpel". Im Sommer waren sie oft mit ihrer Clique an der Reiffsmühle im Nettetal zum Schwimmen. "Wir haben dort ganze Nachmittage verbracht. Mario ist und war ein Kavalier durch und durch. Er hat mir oft meine Badesachen nach Hause getragen. Ich habe die Gesellschaft mit ihm genossen." Auch in späteren Jahren haben sich Alwine Mathers und ihr Ehemann noch des Öfteren mit Mario Adorf getroffen. Gerne liest sie auch heute noch seine Briefe, in denen er ihr von seinen Reisen und auch von seiner Mutter, um die er immer sehr besorgt war, erzählt. "Für uns Mayener ist er ein echter Mayener Jung geblieben. Er soll so bleiben, wie er ist. Ich schätze ihn sehr."

Auf viele Begegnungen mit Mario Adorf kann sein langjähriger Weggefährte Peter Seydel zurückblicken. Der 62-jährige Mayener hat Mario Adorf schon in seiner Jugend verehrt. "Stellen sie sich vor: Einer, der in Mayen aufgewachsen ist, spielt in Karl-May-Filmen mit. Das war schon was Besonderes für mich." Doch einmal war der junge Seydel von Adorf tief enttäuscht: Hatte der doch in der Rolle des Bösewichts Santer in Winnetou I kaltblütig die Schwester von Winnetou getötet. Diese Karl-May-Verfilmung war übrigens einer der erfolgreichsten Filme der deutschen Kinogeschichte. Heute ist Mario Adorf für Peter Seydel ein väterlicher Freund, dem er mit Respekt vor seinen Leistungen begegnet.

Die persönlichen Kontakte haben sich beruflich ergeben: Als Fotograf ist Seydel seit rund 30 Jahren bei vielen offiziellen Anlässen zugegen, wenn Mario Adorf sich mit anderen Prominenten trifft oder ihm besondere Auszeichnungen verliehen werden. "Mario ist keine Aufnahme zu viel. Er ist ganz pflegeleicht." Noch heute ist Seydel aufgeregt, wenn er beruflich mit dem Weltstar zusammentrifft. "Ich werde ihn heute anrufen und ihm zu seinem 85. Geburtstag ganz viel Gesundheit wünschen. Und meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass wir noch viele gemeinsame Treffen und gute Gespräche bei einem guten Glas Wein haben werden".

Der Mutter ein Buch gewidmet

Tief beeindruckt zeigt sich Seydel, wie auch alle anderen Weggefährten, von der ungeheuren Wertschätzung, die der Künstler seiner Mutter entgegenbringt. Dieser außergewöhnlichen Frau, die ein entbehrungsreiches Leben führte, hat Adorf das ergreifende Buch "Mit einer Nadel bloß" gewidmet.

Gute Weine und kreative Speisen – Mario Adorf genießt sie. Und so ist es kein Wunder, dass er immer wieder mal beim Mayener Gourmetkoch Jupp Wagner zu Gast ist. Was aber bei keinem mehrgängigen Menü fehlen darf ist – Döppekoche. "Den bekomme ich ja sonst nie", hat Adorf Jupp Wagner anvertraut. Und es ist für ihn ganz klar, dass, wenn er bei Jupp Wagner oder überhaupt in Mayen ist, mit ihm Mayener Platt gesprochen werden muss.

Zum Geburtstag gratuliert Wagner mit einer persönlich gestalteten Karte. "Ich wünsche ihm natürlich Gesundheit, dass er seinen Frohsinn und guten Geschmack behält und wir noch viele, nicht nur kulinarische Begegnungen haben werden." Allerdings bedauert Wagner, dass Mario Adorf seinen 85. Geburtstag nicht in Mayen feiert. "Eine Geburtstagsfeier für den Mayener Ehrenbürger wäre doch mit ein paar Anrufen sicher zu organisieren gewesen. Schade!"

Für eine Feier in Mayen hätte Peter Nüesch dem Schauspieler sicher gerne eine Bühne geboten. Der Intendant der Burgfestspiele ist stolz, dass Adorf die Patenschaft über die Festspiele übernommen hat. Nicht im Traum hätte er früher daran gedacht, eines Tages "diesem beeindruckenden Charakterdarsteller gegenüberzustehen, seinen starken und doch so liebevollen Händedruck spürend und seine unverwechselbare, Gänsehaut machende Stimme hörend: Großartige Leistung, diese Burgfestspiele! Das sagt mir ein Mann, den ich seit Jahrzehnten bewundere und verehre." Was Nüesch Adorf zum Geburtstag wünscht? "Dass er alle diese wunderbaren Eigenschaften behalten möge. Gesund genug, damit großzügig umzugehen und fröhlich genug, sich und andere damit glücklich zu machen!"

Für Mayen ist Mario Adorf ein Glücksfall – davon ist Oberbürgermeister Wolfgang Treis überzeugt. "Er hält Mayen in Ehren und vertritt Mayen in der ganzen Welt hervorragend. Trotz vollem Terminkalender, anstrengender Dreharbeiten und vieler anderer Verpflichtungen – regelmäßig nimmt sich Mario Adorf Zeit für Mayen und seine Menschen. Herzlichen Glückwunsch zum 85. Geburtstag."

Mayen-Andernach
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