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Mayen

20-jähriger Azubi aus Mayen veruntreut 120 000 Euro

Ein 20-jähriger Mayener hat von August bis November 2012 rund 120 000 Euro von seinem Ausbildungsbetrieb veruntreut.

Foto: Symbolfoto

Dafür musste er sich nun vor dem Mayener Jugendschöffengericht verantworten. Er wurde zu 16 Monaten Jugendhaft auf Bewährung verurteilt. Mit großer Erleichterung nahm der junge Mayener das Urteil entgegen.

Zum Tatzeitpunkt war der Mayener bereits ein Jahr Lehrling in einem Autohaus der Region. Der Ausbilder und auch der Geschäftsführer sagten vor Gericht, dass sie mit ihrem Azubi sehr zufrieden waren, ihn für zuverlässig hielten und ihm deshalb blind vertrauten – ein großer Fehler, der dem Unternehmen fast die Insolvenz beschert hätte. Während seiner Ausbildung war der Angeklagte mit der Lagerhaltung und den Bestellungen beauftragt. Wie er dem Gericht glaubhaft machen wollte, habe ihn sein Ausbilder auf die Idee gebracht, altes Autozubehör, das keiner mehr benötigt, zu Geld zu machen. "Ich durfte die alten Stoßstangen und was da sonst noch so rumlag mitnehmen und sollte sie über das Internet verkaufen. Den Erlös durfte ich behalten", erklärte der 20-Jährige dem Gericht. Dieser Aussage widersprach der Ausbilder später im Zeugenstand entschieden und sprach von einer glatten Lüge.

Weiter berichtete der Angeklagte, dass er dazu überging, Neuware zu bestellen, als keine alten Gegenstände mehr zu finden waren, da er in kürzester Zeit einen florierenden Internethandel aufgebaut hatte. Inzwischen fragten seine Kunden gezielt nach Autoteilen. Da er jederzeit Zugriff auf den Computer hatte, bestellte er kurzerhand in einem Zeitraum von nur vier Monaten Waren im Wert von 120 000 Euro. Der Verkaufswert der Autozubehörteile wird auf 250 000 Euro geschätzt.

Der Angeklagte verkaufte die originalverpackte Ware im Internet zu einem Fünftel des eigentlichen Wertes. Kein Wunder, dass er schnell Stammkunden fand, die immer mehr bei ihm bestellten. Diese Kunden werden sich allerdings in Kürze wegen Hehlerei verantworten müssen.

Bei seinen Taten handelte der 20-Jährige nicht aus Geldnot, sondern aus dem Wunsch heraus, sich ein eigenes Auto zu leisten. Innerhalb der kurzen Zeit flossen rund 25 000 Euro auf sein Privatkonto. Inzwischen wurde die Buchhaltung des Unternehmens stutzig, konnte sich die Zahlen nicht erklären, dachte nach einer Systemumstellung aber zunächst nur an einen Computerfehler. Zwar sprach sie auch den Angeklagten darauf an, dieser behauptete jedoch nur, dass es sich um Fehlbestellungen handele, die er wieder zurückgeschickt habe.

Erst als der Mayener mit seinem neuen Wagen, den er sich inzwischen geleistet hatte, zur Arbeit kam, wurden der Geschäftsführer und der Ausbilder skeptisch. "Wir können eigentlich bis heute noch nicht glauben, dass er uns derart betrogen hat. Noch nie wurden wir menschlich derart enttäuscht", berichtete der Ausbilder dem Gericht. Der Inhaber sprach von einer finanziellen Katastrophe: "Wenn wir nicht ein so alteingesessenes Unternehmen mit guter Liquidität gewesen wären, dann hätten wir Insolvenz anmelden können", erklärte er.

Für die Staatsanwältin war das Grund genug, in ihrem Plädoyer zwei Jahre Jungendhaft auf Bewährung zu beantragen. Da der Mayener jedoch nicht vorbestraft ist, sich stets geständig zeigte und nach Meinung von Richter Bernd Schmickler auch das Unternehmen selbst zu wenig Sicherheitsmaßnahmen ergriffen hatte, wurde der 20-Jährige zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich muss er 20 Sozialstunden binnen sechs Monaten ableisten.

Katrin Weber

Mayen-Andernach
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