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Koblenz

Wer enthauptete Obdachlosen? Bestialischer Mord hält Koblenzer Polizei in Atem

Stephanie Mersmann

Der Tod von Gerd Michael Straten und die traurige Bestätigung der Gerüchte, das er enthauptet wurde, sind nach wie vor das Thema in der Stadt. Die Polizei hat bei einer Pressekonferenz nun Einblicke in die Ermittlungen gegeben.

Wer hat den grausigen Fund gemacht, wie genau wurde der Mann getötet, was für eine Waffe wurde genutzt, wurden auch andere Körperteile abgeschlagen als der Kopf? All diese Fragen beschäftigen die Ermittler. Tatsächlich ist seit einigen Tagen klar, wie gewaltsam die Tat wirklich war.

Das Opfer wurde enthauptet, eine bestialische Tat, zu der die Polizei am Donnerstag eine Pressekonferenz gegeben hat. Und das Interesse war riesig, Dutzende Journalisten und Kameraleute aus ganz Deutschland kamen zu dem Termin in Koblenz.

Die Obduktion seines Leichnams, der am Freitag, 23. März, auf dem Koblenzer Hauptfriedhof entdeckt worden war, ist beendet, die Ergebnisse erlauben laut Oberstaatsanwalt Rolf Wissen keinen Zweifel: „Er ist eines gewaltsamen Todes gestorben.“ Außergewöhnlich brutal und menschenverachtend: So beschreibt Wissen den Mord an dem Obdachlosen Gerd Michael Straten (59).

Vieles von dem, was in der vergangenen Woche zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen – der wahrscheinlichen Todeszeit von Straten – geschehen ist, ließen die Beamten auch bei dieser Konferenz offen, aus ermittlungstaktischen Gründen. Wer hat den grausigen Fund gemacht, wie genau wurde der Mann getötet, was für eine Waffe wurde genutzt, wurden auch andere Körperteile abgeschlagen als der Kopf? All dies ist mögliches „Täterwissen“, das letztlich dabei helfen könnte, den Mörder zu überführen.

Auch über den genauen Fundort sagten die Ermittler nicht viel. Entdeckt wurde die Leiche an einer öffentlich zugänglichen Stelle am Pulverturm auf dem Hauptfriedhof. Straten lebte bereits seit mehreren Jahren in diesem abgelegenen Teil des Friedhofs. Hier hatte er eine feste Stelle, an der er immer sein Lager aufschlug, schildert Kathrin Süßenbach, Leiterin der Zentralen Kriminalinspektion.

Zur Person des Opfers wurden aber weitere Details bekannt. Gerd Michael Straten wuchs in Köln auf, bevor er 1979 nach Koblenz kam. Von 1986 bis 1997 führte er hier ein Geschäft in der Altstadt, in dem er Kunst und Bilderrahmungen anbot, schilderte Thomas Lauxen, Leiter der Soko Hauptfriedhof. Danach war er weitgehend wohnungslos. Diverse Zeugen schildern ihn auch gegenüber unserer Zeitung als zurückhaltend, freundlich und gebildet, interessiert an Kunst und am Zeitgeschehen.

Gerd Michael Straten.
Gerd Michael Straten.
Foto: Polizei

Straten legte viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres, er trank kaum oder keinen Alkohol und nahm auch keine Drogen zu sich. Er hielt sich häufig im Bereich des Hauptbahnhofs auf und besuchte regelmäßig Cafés, Biomärkte und Bibliotheken, wo er oft stundenlang die Zeitung las. In der Vergangenheit war er unter anderem im Sommer als Pfandsammler auf Festivals unterwegs und mietete dafür manchmal ein Auto.

Auch Inhaber benachbarter Geschäfte in der Gemüsegasse lernten Straten schon früher als intelligenten und gepflegten Menschen kennen, berichteten sie unserer Zeitung. Bei späteren Begegnungen, als Straten bereits auf der Straße lebte, hatte einer von ihnen den Eindruck, dass es diesem unangenehm war, so gesehen zu werden.

In der Mehlgasse in der Altstadt hat das Mordopfer bis 1997 betrieben. Foto: Jessica Pfeiffer
In der Mehlgasse in der Altstadt hat das Mordopfer bis 1997 betrieben.
Foto: Jessica Pfeiffer

Eine heiße Spur, die zu dem Täter führen könnte, gibt es bislang nicht, sagt Jürgen Süs, Leiter Polizeieinsatz im Präsidium Koblenz. In Deutschland gebe es zwar vergleichbare Fälle, Verbindungen dazu sehen die Ermittler aber derzeit nicht, ebenso wenig wie eine Häufung von Gewalt gegen Obdachlose in Koblenz. Dass die Bürger in der Stadt nun besorgt sind, versteht Süs, „aber es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine größere Gefahr besteht“.

Jetzt wird unter Hochdruck ermittelt: In der Soko Hauptfriedhof arbeiten 35 Beamte von morgens bis in die Nacht, unterstützt vom Landeskriminalamt. 240 Spuren wurden bereits aufgenommen, mehr als 100 Zeugen vernommen, mehrere Hundert Asservate sichergestellt. Am Samstagmorgen versuchen die Ermittler mit einer Flugblattaktion, weitere Informationen zu bekommen. Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, wurde eine Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt. Fragen, die für die Polizei von Bedeutung sind:

  • Wer kannte Gerd Michael Straten?
  • Wer kann Angaben zu seinem Umfeld und zu Kontaktpersonen machen?
  • Wer hat Auffälliges im Bereich des Hauptfriedhofes bemerkt?
  • Wer kann Angaben zu Streitigkeiten zwischen dem Opfer und anderen Personen machen?
  • Wer kennt weitere Personen, die auf dem Hauptfriedhof leben oder sich dort oft aufhalten?
  • Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise geben?

Hinweise nehmen die Kriminaldirektion Koblenz (Telefon 0261/1031) sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen. Infos gibt es auch unter www.polizei.rlp.de/de/ fahndung

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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