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Koblenz

Weltbekannter Streetart-Künstler gibt ein Heimspiel: Neues Gesicht für das Bohnen-Haus

Stephanie Mersmann

Vielleicht ist es die bekannteste Hauswand der Stadt, für Hendrik Beikirch ist es in jedem Fall eine der besten Stellen für Kunst im öffentlichen Raum in Koblenz: die Wand des Bohnen-Hauses in Lützel, auf die man von der Balduinbrücke aus direkt blickt. Und diese Wand verändert sich gerade. Wo bis vor Kurzem noch ein alter Slogan für einen Umzug mit der Firma Bohnen warb, entsteht nun Kunst. Seit Mittwoch bemalt Beikirch die Fassade mit einem riesigen Porträt.

Gestern haben einen schon die Augen der jungen Frau angeblickt, wenn man auf der Brücke unterwegs war, am nächsten Mittwoch soll das Wandgemälde komplett sein, sagt Beikirch. Die Vorlage basiert auf einer realen Person, „wichtiger ist aber, für was die Frau steht“, sagt Beikirch. „Sie ist jung und selbstbewusst“, eine Person, die Stärke ausstrahlt. Und das ist bei dem Bild von großer Bedeutung: Beikirch malt dieses auf Initiative des Koblenzer Frauennotrufs. Ehrenamtlich.

Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht für den 44-jährigen Bendorfer, genau genommen ist es eine Premiere. Denn: Hendrik Beikirch ist ein renommierter Graffiti- und Streetart-Künstler, dessen Schwarz-Weiß-Porträts Gebäude in der ganzen Welt zieren, und unentgeltlich arbeitet er normalerweise nicht. In Dänemark oder Mexiko, Frankreich oder Indien, China oder New York sind die zum Teil Dutzende Meter hohen „Murals“ zu sehen. Und jetzt eben auch in Koblenz.

Für den Frauennotruf erstellt Hendrik Beikirch das Porträt ehrenamtlich.
Für den Frauennotruf erstellt Hendrik Beikirch das Porträt ehrenamtlich.

Oft haben die Bilder eine sozialkritische Aussage. Im südkoreanischen Busan etwa ist das 70 Meter hohe Porträt eines Fischers an einer Fassade zu sehen – in einer Stadt, in der viele Fischer neuen Hochhäusern weichen mussten. Und auch in Koblenz soll das überdimensionale Porträt etwas bewirken: Es ist ein Gegenpol zu den gängigen Schönheitsidealen, Mädchen und Frauen soll es ermutigen, sich ihrer Stärke bewusst zu werden.

Für das Projekt hat der Frauennotruf viel Unterstützung erhalten. Der Künstler bringt seine Arbeitszeit und die Spezialfarben ein, Bürger haben Geld gespendet, und der Hauseigentümer hat die Hauswand zur Verfügung gestellt. Karl-Heinz Bohnen findet es großartig, was mit der Fassade seines Hauses passiert, erzählt er – auch wenn er das Haus nie anders kannte als mit dem Werbeslogan des Umzugunternehmens. Sich von diesem zu trennen, fiel ihm aber nicht sehr schwer: „Mein Vater hat die Firma gegründet, aber sie ist schon seit Jahrzehnten in fremden Händen.“

Und auch in Koblenz soll das überdimensionale Porträt etwas bewirken.
Und auch in Koblenz soll das überdimensionale Porträt etwas bewirken.

Mit seiner Tochter steht er am Fuß des Hubkrans mit schwenkbarer Arbeitsbühne, auf der Beikirch steht und malt. Mit einer kleinen Malerrolle trägt er gerade freihändig die Farbe auf, erst aus der Entfernung erkennt man richtig, dass hier gerade das Gesicht einer Frau entsteht. Für den Künstler ist dies quasi ein Heimspiel, in Koblenz hat er schon studiert und ist immer in der Region geblieben. Meistens ist er unterwegs, in den nächsten zwei Wochen arbeitet er zum Beispiel in Paris, Calais, Marrakesch und Moskau. „In Koblenz zu arbeiten, ist für mich wie ein Urlaub zu Hause.“

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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