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Koblenz-Asterstein

Welle der Hilfsbereitschaft überrollt Flüchtlingsheim auf dem Asterstein

Überwältigt von einer riesigen Hilfsbereitschaft werden die Organisatoren der neuen Flüchtlingsunterkunft auf dem Asterstein – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

140 Flüchtlinge sind auf dem Asterstein angekommen – und so viele Koblenzer wollen ihnen helfen, dass das Pfarrheim im Ortsteil mittlerweile einer Kleiderkammer gleicht.
140 Flüchtlinge sind auf dem Asterstein angekommen – und so viele Koblenzer wollen ihnen helfen, dass das Pfarrheim im Ortsteil mittlerweile einer Kleiderkammer gleicht.
Foto: Stephanie Mersmann

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

"Es ist einfach fantastisch, was sich hier tut", sagt Bernd Krawczyk, stellvertretender Leiter der Landesfeuerwehrschule, in deren Sporthalle seit Samstag, 5. Septemer, mehr als 100 Flüchtlinge untergebracht sind. Gleichzeitig ist bei zahlreichen Bürgern der Wunsch zu helfen so groß, dass er kaum noch zu bewältigen ist.

Wirklich los ging es am Sonntag, 6. September: "Morgens standen die ersten Leute mit Tüten voller Kleidung und Spielzeug vor der Landesfeuerwehrschule", schildert deren Sprecher Peter Schüßler. Schnell und unbürokratisch wurden Helfer aus dem Stadtteil zusammengetrommelt, und im Pfarrheim wurde eine provisorische Annahmestelle eingerichtet. Diese konnte gerade einmal zwei Stunden geöffnet bleiben – dann war jeder Raum, jeder Fleck so gefüllt mit Kleidern, Decken, Spielzeug, dass nichts mehr angenommen werden konnte.

Seither hängt ein Schild an der Tür: "You're welcome" mit zig Ausrufezeichen – und dem Hinweis, dass Sachspenden hier nicht mehr angenommen werden können. Noch immer sind zahlreiche ehrenamtliche Helfer damit beschäftigt, Ordnung in den Wust zu bringen, die Waren zu sortieren und an die Flüchtlinge zu verteilen, die allein oder in Grüppchen ins Pfarrheim pilgern, um sich mit dem Nötigsten auszustatten. Und auf den Gängen des Hauses ist weiter ein reges Kommen und Gehen: Menschen aus der ganzen Stadt, die weiter ihre Spenden abgeben wollen, geben sich die Klinke in die Hand, manche bleiben gleich und packen selbst mit an.

Gebraucht werden viele Spenden allemal, so auch die Lkw-Ladung Windeln, die an diesem Tag ankommt – und die auch wieder irgendwo untergebracht werden muss. Und nicht nur bei den Spendern ist der Wunsch ungebrochen, etwas Gutes zu tun, schildert Schüßler: Viele wollen sich einbringen, zum Beispiel Lehrer, die Deutschunterricht anbieten, Übersetzer, Ärzte. Mit den Vereinen aus dem Stadtteil versucht man, einen Zeitplan mit Aktivitäten aufzustellen, Fußballturniere etwa oder Spiele für die Kinder, die die Pfadfinder wöchentlich in der Jurte anbieten wollen, die sie am Sonntag rasch aufgeschlagen haben. "Wir versuchen, die Bürger, die helfen wollen, einzubinden", betont Volker Grabe vom Deutschen Roten Kreuz in Koblenz, das die Unterkunft auf dem Asterstein betreut und selbst ständig mit zahlreichen Helfern präsent ist. "Aber das geht nicht auf einmal."

(Zu) große Hilfsbereitschaft: Die Koblenzer haben so viel gespendet, dass der Platz nicht mehr reicht.
(Zu) große Hilfsbereitschaft: Die Koblenzer haben so viel gespendet, dass der Platz nicht mehr reicht.
Foto: Stephanie Mersmann

126 Flüchtlinge – darunter viele Familien mit Kindern – leben zurzeit in der Sporthalle, einige sind bereits abgereist. Die meisten von ihnen sind am Samstag mit Bussen aus Trier angekommen, und in der Nacht auf Sonntag wurden noch rund 40 Menschen aus München gebracht, die die Horrortour aus Ungarn gerade hinter sich hatten. Dennoch sei die Stimmung ganz gut, sagt Grabe, und auch in der Unterkunft selbst habe sich das meiste bewährt. "Bei den Sanitäranlagen müssen wir noch etwas nachbessern, allerdings ist der Markt für Duschcontainer leer gefegt", sagt er. Zwei erste Sanitärcontainer und ein Waschmaschinencontainer konnten gestern dennoch besorgt werden.

Das DRK hat ein Spendenkonto für diejenigen eröffnet, die die Flüchtlingsarbeit in Koblenz finanziell unterstützen möchten: Sparkasse Koblenz, BLZ 570 501 20, Konto 44016, Stichwort "Flüchtlingsarbeit"

Infoveranstaltung am Mittwoch, 9. September

Am Mittwoch, 9. September, um 20 Uhr findet eine Bürgerversammlung auf dem Asterstein statt. Das Integrationsministerium, das Rote Kreuz, die Feuerwehrschule und der Ortsring Asterstein informieren in der katholischen Kirche Maria Himmelfahrt, Lehrhohl 40, über die Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, über bisherige Erfahrungen und Maßnahmen. Auch eine Fragerunde der Einwohner ist geplant.

Koblenz
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