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Mülheim-Kärlich

Weihnachtliche Deko: Zum Schmücken kommt er zurück aus der Rente

Für viele ist es fast schon selbstverständlich, dass die eigene Gemeinde oder Stadt im Advent weihnachtlich geschmückt ist. Dass dahinter aber eine Menge Arbeit steckt, bekommen die wenigsten mit. Franz-Josef Franzen weiß nur zu gut, mit wie viel Aufwand das Anbringen des Schmucks und das Aufstellen der Bäume verbunden ist. Seit 18 Jahren kümmert er sich in Mülheim-Kärlich darum. Eigentlich müsste er das nicht mehr tun, denn er befindet sich seit mehr als zwei Jahren im Ruhestand.

Franz-Josef Franzen (Mitte) schmückt zusammen mit den Bauhofmitarbeitern Andree Marx (links) und Marco Schmidt das „Häuschen“ am Mülheimer Kolpingplatz.
Franz-Josef Franzen (Mitte) schmückt zusammen mit den Bauhofmitarbeitern Andree Marx (links) und Marco Schmidt das „Häuschen“ am Mülheimer Kolpingplatz.
Foto: Volker Schmidt

Nur fürs weihnachtliche Schmücken kehrt Franzen, der 30 Jahre beim Bauhof der Stadt arbeitete, zurück. „Für mich ist es die schönste Arbeit im Jahr“, sagt der Urmitz-Bahnhofer, den seine Kollegen nur „Jupp“ nennen. Er genießt die schöne Aussicht, die er von der Hubarbeitsbühne hat. „Zumindest bei schönem Wetter“, sagt er lachend. Aber er ist auch mit seinem Kollegen Andree Marx einer Meinung, wenn der sagt: „Wenn man abends daran vorbeifährt, sieht das einfach klasse aus.“

Bis zum ersten Advent muss die Beleuchtung in den Stadtteilen Kärlich, Mülheim und Urmitz-Bahnhof hängen, erklärt der Leiter des Bauhofs, Franz Dreher. Bis seine Mitarbeiter mit dem Aufhängen beginnen können, muss aber erst mal überprüft werden, ob die Birnen noch funktionieren. Rund 3000 davon befinden sich an den Ketten und Überhängern. Früher, als noch die alten Glühbirnen verwendet wurden, mussten diese häufiger ausgetauscht werden. Die LED-Lampen, auf die man inzwischen umgestellt hat, sind nicht nur stabiler und gehen somit seltener zu Bruch. Sie halten auch länger und sparen Strom.

Trotzdem ist das Ganze kein ganz günstiges Unterfangen. Laut Bürgermeister Uli Klöckner kostet der Weihnachtsschmuck die Stadt 15.000 bis 20.000 Euro pro Jahr – Kosten für Personal, Strom und Ersatzteile inklusive. Die Resonanz aus der Bevölkerung auf den Schmuck, den die Stadt vor fast 30 Jahren angeschafft hat, sei überwiegend positiv. Vor allem bei denjenigen, die neu zugezogen sind, erklärt Dreher. Trotzdem wird nicht mehr überall geschmückt, zum Beispiel nicht mehr im Gewerbepark. Die Bauhofmitarbeiter konzentrieren sich auf die Zentren der drei Stadtteile. Zudem werden an manchen Plätzen, etwa am Rathaus in Mülheim, auch noch privat gespendete Weihnachtsbäume aufgestellt. „Wir überlegen uns jetzt, ob wir uns irgendwann mal über ein neues Konzept Gedanken machen“, sagt Klöckner.

Bis dahin hängen die Bauhofmitarbeiter noch den alten Schmuck auf. 10 bis 15 Minuten dauert es, bis sie einen der Straßenüberhänger von Haus zu Haus gespannt haben. Das Problem ist weniger das Aufhängen, als vielmehr eine Parkmöglichkeit für den Lastwagen mit der Hebebühne sowie den Transporter mit dem Schmuck zu finden. „Früher gab es an verschiedenen Häusern auch mal eine Tasse Kaffee von den Bewohnern“, sagt Jupp Franzen. Die Zeiten sind allerdings vorbei. Wegen seiner lädierten Knie glaubt der 68-Jährige, dass er in diesem Jahr zum letzten Mal dabei ist. Vermutlich wird er im nächsten Jahr in seinem Heimatort Urmitz-Bahnhof kritisch unter die Lupe nehmen, ob seine Kollegen alles richtig machen.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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