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Koblenz

Warum wurde Ozan (58) ermordet? Polizei fahndet weiter nach dem Täter von Koblenz-Neuendorf

Seitdem die Polizei die Leiche von Servet Kuru (58) in dem Haus in der Neuendorfer Hochstraße gefunden hat, geht eine Nachbarin nicht mehr aus dem Haus. „Ich kann nicht an der versiegelten Tür vorbeigehen, ich schaffe es einfach nicht“, sagt sie. Sie und ihre Tochter hatten die Polizei am 11. Februar informiert, weil sie den Nachbarn so lange nicht gesehen hatten. „Und weil Spuren an der Tür waren, die sahen aus, als wäre es Blut“, sagt die Neuendorferin.

In dem Haus in der Hochstraße wurde an Karnevalssonntag die Leiche von Servet Kuru (genannt Ozan) gefunden. Schon Wochen zuvor war der 58-Jährige in seiner Wohnung im Erdgeschoss ermordet worden.
In dem Haus in der Hochstraße wurde an Karnevalssonntag die Leiche von Servet Kuru (genannt Ozan) gefunden. Schon Wochen zuvor war der 58-Jährige in seiner Wohnung im Erdgeschoss ermordet worden.
Foto: Doris Schneider

Blut von dem Toten? „Meine Tochter hat ihn in einer Blutlache liegen sehen, als die Polizei in der Wohnung war und die Tür offen stand“, sagt die Frau. Die Polizei gibt auf Anfrage der Rhein-Zeitung keine Auskunft darüber, wie Servet Kuru, den alle nur Ozan nannten, umkam. Aus ermittlungstaktischen Gründen, wie die Pressestelle sagt. Warum der Neuendorfer diesen Spitznamen trug, der im Türkischen so viel bedeutet wie Poet oder Dichter und ein gängiger Vorname ist, ist übrigens unklar, die Nachbarin weiß es auch nicht.

Vermutlich wurde Servet Kuru bereits Wochen vor dem Fund seiner Leiche in der Wohnung im Erdgeschoss ermordet, so die Polizei, die vor einer knappen Woche an die Öffentlichkeit gegangen ist und seitdem mit Plakaten nach Zeugenhinweisen sucht. Seit Anfang/Mitte Dezember war der stämmige Türke mit dem buschigen Schnauzbart nicht mehr gesehen worden. Zuvor lebte er zwar recht zurückgezogen, war aber viel unterwegs, fuhr mit seinem braunen Vesparoller durch die Gegend, hielt sich an verschiedenen Supermärkten in Cliquen auf. Der Roller wurde später am Lidl-Parkplatz am Wallersheimer Weg gefunden, möglicherweise hat der Täter ihn gefahren.

Mit diesem Plakat sucht die Polizei nach Zeugnen.
Mit diesem Plakat sucht die Polizei nach Zeugnen.
Foto: Polizei

„Früher hat er viel getrunken, aber jetzt nicht mehr“, sagt seine Nachbarin. Ozan sei krank gewesen, und seitdem Bluthochdruck und Zucker bei ihm diagnostiziert worden seien, habe er kaum noch etwas getrunken. Aber in den Cliquen, die sich unter anderem am Lützeler Netto-Markt und am Bahnhof treffen und dort Alkohol trinken, habe er immer noch viel Zeit verbracht. Hier hatte es auch Anfang/Mitte Dezember einen Streit zwischen Ozan und anderen Männern gegeben, zu dem die Polizei Zeugen sucht.

Während die Anwohner und Passanten in der Hochstraße den 58-Jährigen als sehr zurückhaltend beschreiben, mit dem man keinen Kontakt hatte, beschreibt die Frau ihn als „wirklich guten Nachbarn“. Seit dem Jahr 2003 hat Ozan in dem Haus in der Hochstraße gewohnt, fast ebenso lange wohnt sie jetzt da. „Wir haben uns oft gesehen, manchmal mehrmals in der Woche, haben auch bei ihm oder bei mir Kaffee zusammen getrunken.“ Von seinen Söhnen habe er manchmal erzählt, auch von einer Frau, die aber in der Türkei sei. Umso erstaunter war sie, als sie ihn ab Anfang oder Mitte Dezember nicht mehr gesehen hat. „Ab und zu war er allerdings immer ein paar Tage weg, da habe ich mir anfangs nicht so viel Gedanken gemacht.“ Und ab und zu flog er auch zu seiner Familie in die Türkei. „Aber da war er erst vor Kurzem, weil seine Mutter gestorben war, deshalb habe ich nicht geglaubt, dass er schon wieder hin ist.“ Umso mehr hat sie sich gewundert, dass sie ihn so lange nicht gesehen hat: „Ich habe schon befürchtet, dass was passiert ist.“

„Er hatte auch manchmal Besuch, und die Leute sahen nicht aus, als kämen sie zum Kaffeetrinken.“ Die Nachbarin fürchtet, dass Ozan „sich mit den falschen Leuten eingelassen“, vielleicht auch Geschäfte gemacht hat. Denn der 58-Jährige war arbeitslos, viel Geld hatte er nicht. Auch das Haus sieht nicht so aus, als würden hier reiche Leute wohnen: Die Wohnungen sind klein und alles andere als luxuriös, die Toiletten sind im Hausflur.

Die Polizei hat die Wohnung untersucht, ist weiterhin auf der Suche nach Zeugen.
Die Polizei hat die Wohnung untersucht, ist weiterhin auf der Suche nach Zeugen.
Foto: Doris Schneider

Umso unwahrscheinlicher ist es, dass der Mord nach einem Einbruch passiert ist. Ob es Einbruchsspuren an der Haustür oder der Wohnungstür gab, dazu sagt die Polizei nichts. Hinweise gibt es aber darauf, dass die Wohnung durchsucht worden ist, bestätigt sie. „Die Ermittlungen zur Verifizierung von vermeintlich fehlenden Gegenständen dauern an“, so die Soko „Roller“, die zur Aufklärung des Verbrechens gegründet worden ist.

Seitdem der Tote gefunden wurde, waren Spurensucher fast jeden Tag im Haus, erzählt die Nachbarin. Zuletzt am Dienstag, wie das Siegel an der Wohnungstür zeigt. Die Nachbarin hat jetzt jedenfalls Angst, große Angst. Denn der Schlüsselbund des Toten soll nicht gefunden worden sein, hat sie gehört. Der Vermieter hat deshalb jetzt auf ihre Bitte hin das Schloss ausgetauscht. Und sie schließt sich in ihrer Wohnung ein, macht die Tür erst auf, wenn sie aus dem Fenster gesehen hat, wer davor steht. „Ich bin froh, wenn die Polizei die Täter hat, dann kann ich wieder ruhig schlafen.“

Noch ist die Soko „Roller“ aber nicht so weit. Eine Befragung am Wochenende ergab einige Hinweise, insbesondere Angaben zu Aufenthaltsorten und Kontakten des Herrn Kuru, aber bislang gibt es keine konkreten Täterhinweise, so die Polizei. Auch wann der 58-Jährige getötet wurde, weiß die Polizei noch nicht. „Genaue Erkenntnisse liegen noch nicht vor. Die Ermittlungen diesbezüglich sind schwierig und dauern weiterhin an.“

Wenn Ozan beerdigt wird, dann würde sie gern hingehen, sagt die Nachbarin. Aber das wird vermutlich nicht gehen. Noch ist die Leiche nicht freigegeben, so die Polizei auf Anfrage. Und: „Nach der Leichenfreigabe wird die Familie für die Bestattung sorgen.“ Und die wohnt nicht in Koblenz, sondern primär in Süd- und Norddeutschland, so die Polizei.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

Zeugen gesucht: Wer kann Hinweise geben?

Die Polizei sucht Zeugen und fragt:

  • Wer kann Hinweise zu Kontakt- oder Begleitpersonen von Servet Kuru geben?
  • Wer kann Angaben zu Streitigkeiten zwischen Kuru und anderen Personen machen, insbesondere zu einem lautstarken Streit vor dem Netto-Markt in der Neuendorfer Straße Anfang/Mitte Dezember 2017?
  • Wer kann Angaben zum Verschwinden oder Abstellen des Vesparollers machen?
  • Wer hat den Roller seit Anfang Dezember 2017 benutzt?
  • Wurde der Roller zum Kauf angeboten?
  • Wer Zeugenaussagen machen kann, wendet sich an die Kriminaldirektion Koblenz, Telefon 0261/1031, oder an jede andere Polizeidienststelle. Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, wurde von staatlicher Seite aus eine Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt.

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