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    Koblenz/Kreis MYKViele offene Azubi-Stellen in Koblenz - und keiner will sie

    Im September startet das neue Ausbildungsjahr – und nach wie vor sind in der Stadt Koblenz und im Kreis MYK fast die Hälfte der Ausbildungsplätze unbesetzt.

    Oliver Scheifgen hat sich einen der beliebtesten Ausbildungsberufe ausgesucht: Er ist Azubi zum Kfz-Mechatroniker im Autohaus Nett in Mayen. Während es für diesen Beruf viele Bewerber gibt, haben Arbeitgeber in anderer Bereichen große Probleme, guten Nachwuchs zu finden.
    Oliver Scheifgen hat sich einen der beliebtesten Ausbildungsberufe ausgesucht: Er ist Azubi zum Kfz-Mechatroniker im Autohaus Nett in Mayen. Während es für diesen Beruf viele Bewerber gibt, haben Arbeitgeber in anderer Bereichen große Probleme, guten Nachwuchs zu finden.
    Foto: Raphael Markert

    Noch werden sie wohl größtenteils gedeckt werden können, doch in den kommenden Jahren wird das in der Region wohl ganz anders aussehen. Schuld daran sind vor allem der demografische Wandel und der Trend zur Akademisierung. Doch Experten sehen inzwischen auch noch einen ganz anderen Grund. Angebot und Nachfrage bei den Stellen passen nicht zusammen. Ein Problem, in dem aber gleichzeitig große Chancen für junge Leute stecken.

    Ein Blick in die Autowerkstatt des Autohauses Nett in Mayen: Mehrere Jugendliche werden hier zu Kfz-Mechatronikern ausgebildet. In dieser Branche können Arbeitgeber offene Plätze nach wie vor noch recht gut besetzen. „Ich habe mich schon immer total dafür interessiert, an Autos zu schrauben – und wie ihre Weiterentwicklung funktioniert“, erzählt Oliver Scheifgen, Azubi zum Kfz-Mechatroniker im zweiten Lehrjahr. Er hat sich einen der beliebtesten Berufe junger Männer ausgesucht. Ebenfalls in den Top drei sind die Ausbildung zum Verkäufer und zum Kaufmann. Bei jungen Frauen aus Koblenz und MYK dagegen besonders beliebt: Ausbildungen zur Verkäuferin, Arzthelferin oder Kauffrau – daran hat sich seit Jahrzehnten nicht viel verändert.

    Eine Erklärung dafür hat Ulrike Mohrs, Vorsitzende der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen: „Befragungen haben ergeben, dass junge Menschen von 350 Ausbildungsberufen durchschnittlich nicht mehr als 20 kennen.“ Gerade für unbekannte Berufe macht das die ohnehin angespannte Situation besonders schwierig. Denn junge Menschen orientieren sich oft an dem, was sie kennen. „Nicht selten ist das deckungsgleich mit dem, was schon die Eltern gemacht haben.“ Mohrs versucht jetzt, wo im Kreis MYK von anfangs 1452 noch 621 Stellen, in Koblenz von 1281 noch 498 offen sind, den Blick junger Leute zu öffnen – mit Informationsveranstaltungen in Schulen und auf Messen. „Viele machen sich mit ihrer Berufswahl nämlich die Chancen eng“, sagt sie.

    Ein gutes Beispiel sei da tatsächlich die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker: Sie ist außergewöhnlich gefragt, während ähnliche Berufe kaum Begeisterung ernten. Schuld daran sei ein Informationsdefizit. „In Beratungen empfehlen wir dann zum Beispiel die verhältnismäßig unbekanntere Ausbildung zum Industriemechatroniker. Die ist doch relativ ähnlich und man verdient sogar deutlich besser.“ Trotzdem ist der Expertin eines wichtig: Jugendliche dazu zu überreden, einen Beruf zu erlernen, der nicht zu ihnen passt, kommt nicht infrage – auch nicht zu den zwar bekannteren, aber eher unbeliebten Berufen. Vornehmlich sind das Ausbildungen in der Gastronomie sowie in der Bäckerei oder Metzgerei. „Vielfach hat das geringe Interesse hier mit den Arbeitszeiten oder Produkten zu tun, die für Jugendliche nicht besonders hip sind.“

    In allen Branchen haben laut der Expertin große Arbeitgeber noch keine Not bei der Besetzung von Azubi-Stellen. Anders sieht es bei mittelständischen Unternehmen aus, insbesondere im Handwerksbereich. Doch der Blick in die Zukunft sieht für alle düster aus, meint Mohrs. „Wenn man mal 20 Jahre weiter blickt, werden da nahezu alle Betriebe Probleme mit Azubimangel haben“ – im Kreis wohl noch mehr als in Koblenz. Denn neben dem demografischen Wandel als Gesellschaftsfrage hat die berufliche Ausbildung ein Imageproblem. „Viele junge Leute glauben, mit einem Studium zwangsläufig bessere Berufschancen zu haben“, weiß Mohrs. Doch die Realität sieht oft anders aus. „Ein selbstständiger Klimatechniker zum Beispiel lacht einen Akademiker in einem ähnlichen Beruf später aus – denn er hat heute im Normalfall die deutlich besseren Verdienstmöglichkeiten.“

    Mohrs' Fazit für junge Berufssuchende: „Wenn jemand etwas in der Birne hat und bereit ist, das in einem Handwerk einzubringen, hat er beste Chancen.“ Ob das so allerdings auch bei jungen Leuten ankommt, bleibt fraglich – mehr denn je kämpfen Berufsverbände um junge Bewerber. Der Deutsche Handwerkskammertag steckte vor einigen Jahren rund 50 Millionen in eine an Jugendliche adressierte Imagekampagne. Das zeigt: Der Druck auf Arbeitgeber, Nachwuchs zu finden, wächst. ram

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