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Koblenz

Unzumutbare Temperaturen in Kita Rauental: Kinder und Erzieher leiden unter der Hitze

Doris Schneider

Die Kleinen liegen nur mit einer Windel bekleidet auf ihren Matratzen im ersten Stock und sind nach dem Mittagsschlaf trotzdem total verschwitzt. Im Erdgeschoss spielen die Kinder im Halbdunkeln, weil alle Jalousien heruntergelassen sind. Raus können sie kaum, weil es viel zu wenig Schatten im Außengelände gibt, auf der Rutsche könnte man ohne Probleme Spiegeleier braten. Die Kita Kunterbunt im Rauental ist erst vier Jahre alt – aber genauso lange gibt es schon die Probleme. Und eine echte Lösung ist nicht in Sicht.

Die Eltern sind sauer: Immer wieder haben sie sich an die Stadt gewandt, aber bei ihnen verstärkt sich der Eindruck, dass dort ihr Anliegen zwischen Ämtern hin- und hergeschoben wird. Immerhin ist jetzt endlich Sonnenschutzfolie auf einigen Fenstern aufgebracht worden. Ob die viel bewirkt, muss man noch abwarten. Und vor ein paar Tagen ist auch die Lüftung sauber gemacht worden, zum ersten Mal. Seitdem zieht sie etwas besser.

Das Problem besteht seit drei Jahren, sagen die Elternvertreterinnen Manuela Feld-Seel, Sarah Frisch und Julia Löwenstein beim Rundgang durch die Kita. Sie haben den Eindruck, dass es grundlegende Probleme mit der Planung gibt, denn die Lüftung ist in ihren Augen nicht ausreichend dimensioniert. Bei Passivhäusern ist es ja oft so, dass sie im Sommer sehr warm werden, sagen die drei Frauen und stellen die Frage: Ist ein Passivhaus vielleicht nicht die richtige Wahl beim Bau einer Kita für 75 Kinder?

Und auch an anderer Stelle kommen ihnen Zweifel, ob alles vernünftig geplant ist. Denn als sie angeregt haben, eine Markise auf der Rückseite des Hauses anzubringen, um die Terrasse zu beschatten, sei ihnen gesagt worden, dass das Probleme mit der Statik geben könnte, erzählen die Mütter empört. „Das kann doch nicht wahr sein!“

31 Grad waren es an manchen Tagen im Schlafraum der Kleinen im ersten Stock. Schon viermal in diesem Jahr wurden die Eltern morgens gebeten, ihre Kinder deshalb schon mittags vor dem Schlafen abzuholen – für Berufstätige oft kaum zu organisieren. Und der Sommer dauert ja hoffentlich noch mindestens ein paar Wochen.

Ihre Kinder sind unterschiedlich betroffen: Die Kleinen leiden besonders unter der Hitze im Schlafraum, die Größeren darunter, dass sie nicht raus können, bei schönstem Wetter im Halbdunkel sitzen und es trotzdem sehr warm ist. Die Wand, die die Turnhalle normalerweise abtrennt, ist geöffnet, damit die Luftzirkulation besser funktioniert. Dadurch fällt der Raum zum Toben aber weg. Eine Erzieherin musste schon wegen Kreislaufproblemen nach Hause gehen. Und auch die Eltern leiden. Denn wenn sie – wie in diesem Jahr bereits viermal geschehen – am Morgen kurzfristig gebeten werden, ihre Kinder wegen der Hitze vor dem Schlafen abzuholen, dann haben die meisten ein großes Problem mit ihrem Arbeitgeber oder ihren Kollegen.

Einige Vorschläge haben die Eltern schon gemacht. Zum Beispiel zur Außenanlage, die beim Besuch der RZ an diesem Mittag verwaist ist, weil es einfach zu warm ist in der brennenden Sonne. „Es heißt dann, da sind ja Bäume gepflanzt“, sagt Manuela Feld-Seel sauer. „Sollen wir 20 Jahre warten, bis die groß sind und genügend Schatten werfen?“

Die Eltern haben kürzlich verschiedene Fraktionen im Rat angeschrieben, und Vertreter der Grünen und der SPD haben sich des Themas angenommen. Nach einer Ortsbegehung kamen auch sie zu dem Schluss, dass die Situation an warmen Tagen wirklich sehr schwierig ist: „Als Minimum sollte es eine Außenverschattung geben mit verstellbaren Lamellen. In jedem Fall brauchen wir eine sofortige Behebung der Probleme, da die Zustände für Kinder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unhaltbar sind“, so Uwe Diederichs-Seidel von den Grünen in einer Pressemitteilung. Von „eklatanten Mängeln“ sprechen auch Anita Weis und Ute Wierschem von der SPD.

Aus Sicht der Verwaltung gibt es keine gravierenden Probleme, wie aus der Antwort auf eine entsprechende Anfrage der SPD und der Grünen im Stadtrat hervorgeht: „Der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 2003-07 ist gemäß vorliegendem Energiesparnachweis erfüllt. Dieser wird durch die außen liegenden Raffstoreanlagen mir drehbaren Lamellen an den Fenster-/Türanlagen ohne Rettungsweganforderungen gewährleistet.“

Im Übrigen, so die Verwaltung weiter, hätten bei einem Ortstermin in der Kita an einem warmen sommerlichen Tag die Türen von den Gruppenräumen nach draußen offengestanden, sodass die warme Luft ungehindert rein konnte, und die am Gebäude befindlichen Sonnenschutzeinrichtungen seien nicht im Gebrauch gewesen. Möglich, sagen die Elternvertreterinnen, denn der Besuch sei zur Abholzeit gewesen, wo viele Leute aus- und eingehen. Und eine Recherche der Eltern und der RZ ergibt: An diesem Tag waren in Koblenz etwa 20 Grad. Von Hitze kann also absolut keine Rede sein.

Möglicherweise kommt aber jetzt doch ein wenig Bewegung in das hitzige Thema: Denn die Verwaltung sucht anscheinend nach einer weitergehenden Lösung: „Wir prüfen derzeit die ergänzende Montage von Markisen- beziehungsweise Verschattungsanlagen im Bereich der Gruppen- und Schlafräume.“ Und vielleicht können die Kinder auch bald an sonnigen Tagen draußen spielen: „In Zusammenarbeit mit dem Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen werden weitere Verschattungsmöglichkeiten im Außenbereich – zum Beispiel Rutsche – geprüft und umgesetzt“, steht in der Antwort der Verwaltung auf die Anfrage von Grünen und SPD.

Von unserer Redakteurin
Doris Schneider

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