40.000
Aus unserem Archiv
Kreis MYK/Koblenz

Unwetter rund um Koblenz: Wasser steht meterhoch auf den Straßen

Die sintflutartigen Regenfälle haben am Donnerstagnachmittag zum regelrechten Ausnahmezustand in der Region rund um Koblenz geführt. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Souterrainwohnungen sowie einige Gewerbebetriebe, die Land unter melden und die Schotten dichtmachen mussten. Allein die Feuerwehreinheiten der Verbandsgemeinde Weißenthurm verzeichneten 144 Einsatzmeldungen – und das allein zwischen 14.45 und 16.45 Uhr.

„Wir wohnen schon seit 40 Jahren in dem Haus, aber so viel Wasser hatten wir noch nie im Keller“, sagt Jörg Maring aus St. Sebastian, der mit Gummistiefeln an den Füßen und mit einem Besen bewaffnet versucht, nach erster Hilfe durch die Feuerwehr und ihre Pumpen die restlichen Zentimeter an Wasser aus seinem Keller zu drücken. Wie bei vielen anderen Bewohnern in der Eichendorffstraße stand die Brühe auch bei ihm rund 30 Zentimeter in Keller und der direkt anschließenden Garage. „Zum Glück ist es nur der Keller – andere sind schlimmer ran“, sagt Maring und nimmt es mit einem Lächeln.

Wenige Meter weiter war Oliver Schröder das Lachen schnell vergangen, als er gegen 14.50 Uhr, alarmiert durch seine Frau, in der Eichendorffstraße eintraf. Das Wasser stand dort zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Zentimeter hoch und lief von dort aus über die Terrasse in seine Souterrainwohnung. Fünf Zentimeter hoch stand das Regenwasser dort. „Die Feuerwehr war fünf Häuser weiter und pumpte Keller leer“, sagt der 46-Jährige. Die Freiwillige Feuerwehr brachte schließlich auch eine Pumpe auf seiner Terrasse in Stellung, um das Wasser aus der Kellerwohnung zu bekommen. „Die Wehr ist dann direkt zum nächsten Keller gefahren“, beschreibt Schröder die Situation, die er in den rund 15 Jahren, die er in dem Rheindorf wohnt, so oder ähnlich noch nicht erlebt hat.

Auch Arnd Lenarz, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Weißenthurm fand drastische Worte nach diesem Unwetterereignis: „Wir saufen hier richtig ab. Das Wasser steht uns bis Oberkante Unterlippe“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung, während die Einsätze nicht weniger zu werden schienen. Bis auf die Wehreinheit aus Bassenheim, die ihren Standort aus Sicherheitsgründen nicht verlassen sollte, waren alle Einheiten der VG Weißenthurm im Einsatz. „140 Kräfte“, betonte Lenarz.

Neben vollgelaufenen Kellern und Wohnungen hatten es die Einsatzkräfte insbesondere auch mit überfluteten Straßen zu tun. „In Kettig hat die Bachstraße ihrem Namen alle Ehre gemacht“, berichtete der Wehrleiter und erläuterte, dass sich zum Wasser in den meisten Fällen auch noch Matsch- und Schotterabgänge gesellten. Zwischen Mülheim-Kärlich und Urmitz musste die Bahnunterführung der L 126 wegen Überflutung gesperrt werden. Ebenfalls überflutet waren die Fahrbahnsenke der alten B 9 (L 121) und die anschließende Unterführung in Richtung Tauris.

Zu allem Überfluss schlug in Weißenthurm auch noch ein Blitz in einen Strommast ein und setzte diesen in Brand. „Das war aber ein Einsatz, der uns noch die wenigsten Probleme gemacht hat“, sagte Lenarz und lobte die gute Zusammenarbeit aller Hilfs- und Einsatzkräfte. Dankbar zeigte er sich auch gegenüber all jenen Bürgern, die Verständnis dafür aufbrachten, dass die Feuerwehr erstens nicht überall gleichzeitig sein konnte und zweitens nur dort mit Pumpen ausgeholfen werden konnte, wo das Wasser mindestens vier bis fünf Zentimeter hoch stand. „Das hängt mit der Ansaughöhe unserer Pumpen zusammen“, erläuterte der Wehrleiter.

Nicht von den Wassermassen verschont blieben auch einige Betriebe im Gewerbepark Mülheim-Kärlich. Mitunter drohte dort ein Lager mit Gefahrstoffen überflutet zu werden. „Der Lkw-Anlieferungsbereich stand schon voll mit Wasser, aber zum Glück wurden wir früh genug alarmiert“, sagte Arnd Lenarz. Knapp 20 Zentimeter höher und das Wasser wäre in die Halle gelaufen.

Hart getroffen hat es auch die Stadt Bendorf, wie Wehrleiter Markus Janßen erläuterte: „Um 15 Uhr kam der Alarm von der Leitstelle Koblenz, 20 Minuten später standen bereits 21 Einsätze auf dem Display.“ Insgesamt musste die Feuerwehr in der Rheinstadt 29-mal ausrücken: „90 Prozent überflutete Keller und 10 Prozent Hilfeleistungen im Verkehr“, bilanzierte Janßen. Am schlimmsten hat es die Innenstadt getroffen: „Bis zu einem Meter Höhe stand das Wasser beispielsweise in der Hauptstraße und in der Vallendarer Straße. Überall sind die Gullideckel rausgeflogen. Im Keller der Stadtwerke stand das Wasser 1,50 Meter hoch“, sagte Janßen und betonte: „Es kommt immer öfter.“ Im Wenigerbachtal stürzte ein Baum auf einen Gastronomiebetrieb. „Ich war im Restaurant, als es plötzlich einen Schlag gab“, berichtet Fabrizio Coronati vom Ristorante Belmonte. Verletzt wurde niemand. „Wir hatten zu dem Zeitpunkt keine Gäste, waren gerade bei den Vorbereitungen“, sagte Coronati, der seinen Laden gestern Abend nicht mehr öffnen konnte.

Auch in der VG Pellenz hat das Unwetter Spuren hinterlassen. Wie Detlev Leersch, Wehrleiter der VG Pellenz, mitteilte, sind die B 256 bei Plaidt in Höhe der ED-Tankstelle sowie die Pommernstraße in Plaidt für circa eine Dreiviertelstunde überflutet gewesen. Rund 25 Keller in den Gemeinden Kretz, Saffig und Plaidt sind vollgelaufen, die durch die Feuerwehreinheiten Kretz, Kruft, Saffig und Plaidt leer gepumpt wurden. Etwa 50 Wehrleute waren am Donnerstagnachmittag im Einsatz, teilte Leersch mit. „Es war glücklicherweise nicht so dramatisch“, resümierte der Wehrleiter. dam/pm/mkm

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Mittwoch

15°C - 31°C
Donnerstag

17°C - 29°C
Freitag

9°C - 22°C
Samstag

10°C - 18°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf