40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

TuS-Ultra geht auf gegnerische Fans los: Gericht verurteilt 25-Jährigen

September 2016, Stadion Oberwerth, achter Spieltag der Regionalliga Südwest: Gerade ist das Spiel der TuS Koblenz gegen die Stuttgarter Kickers mit 1:1 zu Ende gegangen. Drei Fans der Kickers sind auf dem Rückweg vom Stadion in Richtung Hauptbahnhof – als sie in der Mainzer Straße auf zwei Männer treffen. Eine Begegnung, die jetzt ein gerichtliches Nachspiel hatte.

In der Mainzer Straße hatte der Angeklagte nach einem Heimspiel von TuS Koblenz die gegnerischen Fans gesehen, kurz hinter der Bahnüberführung, wie er selbst vor Gericht einräumte. Danach soll es zu einem gewalttätigen Überfall gekommen sein – was der 25-Jährige aber bestreitet.
In der Mainzer Straße hatte der Angeklagte nach einem Heimspiel von TuS Koblenz die gegnerischen Fans gesehen, kurz hinter der Bahnüberführung, wie er selbst vor Gericht einräumte. Danach soll es zu einem gewalttätigen Überfall gekommen sein – was der 25-Jährige aber bestreitet.
Foto: Sascha Ditscher

Die nach Überzeugung von Amtsgerichtsdirektor Reiner Rühmann mit einem Hämatom, einer Bindehautverletzung, Prellungen und Schürfwunden endete. Und mit dem Raub eines Fanschals. „Wir waren wohl offenbar zur falschen Zeit am falschen Ort“, fasste es jetzt einer der drei vor Gericht zusammen.

Wie ein Fußball-Hooligan wirkt der 25-jährige Angeklagte nicht, als er vor dem Koblenzer Schöffengericht erscheint. Der schlanke, fast schmächtige Mann, trägt das kurze Haar zum Seitenscheitel frisiert, dazu eine Nerd-Brille. Von Beruf ist er Auszubildender zum Versicherungskaufmann. Doch der Mann stand bereits mehrfach vor Gericht, war bislang aber nicht vorbestraft. Das ändert sich jetzt.

Denn so ging es laut Staatsanwaltschaft bei der Begegnung nach dem Abpfiff weiter: Mit einem unbekannten Mittäter soll der 25-Jährige die drei Kickers-Fans überfallen haben, um diesen ihre Fanartikel abzunehmen und diese als Trophäen zu behalten. Der Angeklagte soll einen der Stuttgart-Fans durch einen Faustschlag ins Gesicht zu Boden gebracht haben. Der Mittäter soll einen anderen mehrfach in den Bauch geschlagen und ihm einen Fanschal weggenommen haben. Mit den beschriebenen Verletzungen als Folge.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Er gab allerdings zu, die Geschädigten nach dem Spiel auf dem Nachhauseweg kurz hinter der Bahnüberführung in der Mainzer Straße gesehen zu haben. Er hielt mit seinem auffälligen Firmenwagen vor den Männern an und stieg aus, weil er sie für „Ultras“ hielt, mit denen es bereits vor dem Spiel zu verbalen Auseinandersetzungen am Fanblock gekommen war. Er selbst rechnet sich „im weiteren Sinne“ auch den Ultras der TuS Koblenz zu.

Einen Kampf „Mann gegen Mann“ habe er erwartet, der laut Kodex enden würde, wenn einer am Boden liegt. Allerdings sei sein „Gegner“ gestolpert, gegen seine Schulter geprallt und zu Boden gefallen, worauf er die Aktion abbrach. Zu seinem Begleiter und dessen Aktionen wollte er keine Angaben machen.

Die Geschädigten, die als Zeugen angereist waren, gehören nach eigenen Angaben nicht zur Ultra-Szene. Die beiden 20-Jährigen und ein 23-Jähriger sind ehrenamtliche Mitarbeiter des Fanradios der Kickers, die das Spiel live aus dem Stadion übertrugen. Nach Abpfiff mussten sie zunächst ihr Equipment abbauen, konnten daher nicht mit den anderen Fans die Arena verlassen und wurden dann von einem Ordner etwas vage Richtung Bahnhof geschickt.

Ihre Aussage war übereinstimmend: Das auffällige Auto hielt vor ihnen an, der Beifahrer und der Fahrer, also der Angeklagte, stiegen aus, der Angeklagte rief etwas wie: „Jetzt aber Schals her!“ Dann schlug der Angeklagte einen der 20-Jährigen mit der Faust ins Gesicht, woraufhin dieser zu Boden fiel. Sein Begleiter schlug auf einen weiteren 20-Jährigen ein und verlangte dessen T-Shirt, gab sich dann aber mit dessen Fanschal zufrieden. Daraufhin fuhren beide Angreifer mit dem Auto weg.

Richter Reiner Rühmann und die Schöffen sahen keinen Grund, an diesen Aussagen zu zweifeln. Zumal ein Entlastungszeuge der Verteidigung nach gut 45 Minuten Befragung letztlich zugeben musste, nichts Wesentliches gesehen zu haben. Wegen Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte das Schöffengericht den Angeklagten zu einer Haftstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zusätzlich muss er 600 Euro in Raten an den Caritas-Verband zahlen. Rühmann richtete deutliche Worte an den Angeklagten. „Sie sollten sich Ihr Leben nicht weiter schönreden. So dürfen Sie in Zukunft nicht mehr auftreten.“

Von unserem Mitarbeiter Thomas Krämer

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Donnerstag

15°C - 23°C
Freitag

16°C - 28°C
Samstag

15°C - 30°C
Sonntag

16°C - 30°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

Anzeige