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Koblenz

Traditionsgasthaus Rheinhof in Pfaffendorf: Ende einer (Schnitzel-)Ära

Das Telefon im Rheinhof klingelt häufig. Und die Antwort, die Doris Fehse gibt, ist immer die gleiche: „Nee, tut mir leid, wir sind voll. Bis zum Schluss.“ Schluss ist am 18. März. Dann schließt das Traditionsgasthaus, das in seiner jetzigen Form 1956 gebaut wurde. Und es wird abgerissen. Damit endet in Koblenz-Pfaffendorf eine Ära: Koblenz verliert eine gastronomische Institution, von den Gästen geliebt vor allem für Riesenschnitzel und authentische Gastlichkeit.

An seiner Stelle werden Eigentumswohnungen entstehen, sagt Klaus Langenfeld, Geschäftsführer der Neuwieder Firma Lano Massivhaus, die das Gelände an der Emser Straße in Pfaffendorf gekauft hat. „Im guten Einvernehmen mit der Stadt und auf jeden Fall so, dass der Jahnplatz für die Feiern verfügbar bleibt.“ Und auch die Bäume sollen möglichst erhalten bleiben, versichert er. Wann es mit dem Bau losgeht, ist noch unklar. „Fraglich, ob dieses Jahr noch“, sagt Langenfeld.

Auch Ralf und Stefan Fehse hätten das Haus gern gekauft, in dem sie seit 1988 die Gaststätte betreiben, die bereits 100 Jahre zuvor gegründet wurde. Warum die Karlsberg-Brauerei es letztlich nicht an sie, sondern an Lano verkauft hat, ist für sie heute aber müßig. „Es kann ja jeder mit seinem Eigentum machen, was er möchte“, sagt Stefan Fehse. Ja, sauer sind die Brüder schon noch ein bisschen, räumt er ein. Sauer und enttäuscht, dass so etwas wie ein kleines Lebenswerk jetzt zerstört wird.

„24 Jahre, die Hälfte meines Lebens, hab’ ich das gemacht“, sagt Stefan Fehse. Die Gaststätte hat sich verändert im Lauf der Jahre. Anfangs war das Thekengeschäft noch wichtiger, später kamen immer mehr Essen dazu. Legendär die Qualität und Größe der Schnitzel und die Auswahl bei den Wildplatten, die die Koch-Brüder immer im Herbst anboten. Legendär auch der Kellner Peter, der, ohne einen Block zu Hilfe zu nehmen, Bestellungen aus der ganzen Kneipe entgegennahm und am Ende des Abends meist besser wusste als der Gast, wie viel der getrunken hatte.

„Wir haben viele Stammgäste hier“, sagt Ralf Fehse. „Um die tut es mir fast noch ein bisschen mehr leid als um uns.“ Die Kneipe war immer viel mehr als ein Arbeitsplatz für die Brüder. Sie war auch der Ort der sozialen Kontakte, das Wohnzimmer.

Ihr „Wohnzimmer“ verlieren auch die Gruppen, die an jedem Tag in drei Schichten im Nebengebäude gekegelt haben und jetzt zum Teil noch nicht wissen, wo sie hingehen sollen. Schulterzucken bei den Frauen, die seit 35 Jahren herkommen. Vielleicht hören sie auf.

Aufhören mit der Gastronomie wollen jedenfalls Stefan Fehse und seine Frau Doris. „Wir haben – seitdem wir die Kündigung haben – einen anderen Standort gesucht“, sagt der 48-Jährige. Aber so einfach ist das nicht. Vieles, was ihnen angeboten wurde, ist schlichtweg zu teuer. „Wenn Sie 5000 Euro Pacht zahlen sollen, müssen Sie die erst mal erwirtschaften.“ Oder den Fehses wurden Kneipen angeboten, die zum Teil seit Jahren leer stehen. „Das funktioniert nicht so einfach.“

Die Erfolgsgeschichte des Rheinhofs können sie nicht wiederholen, davon sind die Brüder überzeugt. Und sie sind auch „müde im Kopf“, sagt Stefan Fehse. Er will etwas ganz anderes machen. „Ich kann mir nicht vorstellen, woanders als Angestellter in der Küche zu arbeiten und mir sagen zu lassen, wie das geht.“ In einem ganz anderen Zweig, als Pförtner oder wie auch immer, wäre das egal: „Da bin ich neu, dann ist das okay.“ Und auch seine Frau Doris möchte lieber wieder in ihrem gelernten Beruf als Verkäuferin arbeiten. „Es geht auch nicht, dass einer abends und der andere tagsüber arbeitet, dann sieht man sich ja gar nicht mehr.“

Urlaub wollen die Fehses übrigens nicht machen nach der Schließung am 18. März. „Im Gegenteil, wir suchen Arbeit! – Wenn man dann nur noch 40 statt 60 Stunden wie jetzt arbeitet, ist das fast schon wie Urlaub“, sagt Doris Fehse und lächelt. Aber erst einmal muss sie was finden. Genau wie Peter und die beiden Küchenfrauen, die im Rheinhof beschäftigt waren. Nur Bruder Ralf, der weiß schon, was als nächstes kommt: Er wird Koch im Weindorf. „Irgendwie muss es ja weitergehen.“

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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