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Koblenz

Stiftung will investieren: Am Florinsmarkt könnte ein Campus entstehen

Was wird aus dem Gebäudeensemble auf dem Florinsmarkt, wenn Stadtbibliothek und Mittelrhein-Museum in das Forum Confluentes auf dem Zentralplatz umgezogen sind? Eine Koblenzer Stiftung will nicht nur alle Gebäude übernehmen, sondern sie auch für einen hochschulnahen Zweck öffnen. Doch was wird dann aus der Synagoge?

Für den Bürresheimer Hof, das Alte Kaufhaus und das Schöffenhaus gibt es ein Nutzungskonzept – und einen Investor.
Für den Bürresheimer Hof, das Alte Kaufhaus und das Schöffenhaus gibt es ein Nutzungskonzept – und einen Investor.
Foto: Denise Remmele

Auch das Dreikönigenhaus würde einbezogen. Der Haken: Die Rückkehr der Synagoge auf den Florinsmarkt dürfte bei einer Entscheidung für dieses Projekt wohl ausfallen. Der Stadtrat wird nun am kommenden Freitag in nicht öffentlicher Sitzung entscheiden, ob ein Vertrag mit dem Investor ausgearbeitet wird. Bei einem Ja wird die Verwaltung gleichzeitig beauftragt, einen Alternativstandort für eine neue Synagoge zu suchen.

Zwar zeichnet sich aktuell eine Mehrheit für das Projekt ab, doch es gibt auch Skeptiker. Dazu gehört Monika Sauer. Die CDU-Ratsfrau kritisiert, dass die ganze Sache geregelt werden soll, ohne die Öffentlichkeit zu beteiligen. Und ihr SPD-Ratskollege Heribert Heinrich erinnert daran, dass die jüdische Kultur in Koblenz rund 1000 Jahre alt ist. Beide suchen jetzt nach einer Lösung, die alle Wünsche berücksichtigt.

Ein Blick zurück: Seit gut einem Jahr wird um die Zukunft des Ensembles gerungen. Ingesamt haben sich sechs Interessenten bei der Stadt gemeldet (die RZ berichtete ausführlich). Die meisten wollten aber nur Teile des Ensembles nutzen. Außerdem sah mancher Plan massive Eingriffe in die erhaltenswerte Bausubstanz vor, weil Wohnungen gebaut werden sollten. Auch gab es einen Bewerber, der ausschließlich am Alten Kaufhaus als Standort einer Kunstsammlung interessiert war. Am Ende blieb ein einziges Nutzungskonzept übrig, das alle Gebäude umfasst.

Denn: Andere Bewerber wollten den Bürresheimer Hof meiden. Der ist zwar stadtbildprägend, hat aber den größten Sanierungsbedarf. Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Wunsch zu sehen sein, die Synagoge an die alte, am 24. Januar 1851 geweihte Stätte zurückzubringen: Der damalige Ministerpräsident Kurt Beck hatte bereits im Mai 2012 hohe Zuschüsse des Landes zugesichert. Das weiß auch der Investor – die Stadt bestätigt RZ-Informationen, nach denen es sich dabei um die Görlitz-Stiftung handelt. Diese ist zur Zusammenarbeit mit der jüdischen Kultusgemeinde bereit.

„Das Problem ist nur, dass eine Synagoge mit bestimmten Anforderungen verbunden ist“, erklären Monika Sauer und Heribert Heinrich. Dazu kommt, dass das gesamte Gemeindeleben von der Schwerzstraße in die Altstadt verlagert werden müsste. Unterstützt würde dieser Ansatz von der christlich-jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit, dem Freundschaftskreis Koblenz/Petah-Tikva, dem Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus – und eben von Ratsmitgliedern. Fakt ist aber auch, dass niemand das Projekt des Investors grundsätzlich ablehnt. Will die Stiftung doch einen zweistelligen Millionenbetrag in die Sanierung investieren und dazu beitragen, die örtlichen Hochschulen durch fachübergreifende Projekte zu fördern. Aus Sicht der Stadt wäre das eine einmalige Chance, wobei es bis zu einer endgültigen Entscheidung wohl noch bis zum Sommer dauern dürfte.

Kern des Konzeptes ist die Verwandlung des Alten Kaufhauses in ein Seminar- und Veranstaltungshaus. Der Bürresheimer Hof soll zu einem Gästehaus werden. Jetzt hoffen Monika Sauer und Heribert Heinrich, dass für dieses Gästehaus in der Nähe ein Alternativstandort gefunden wird. Sie betonen, dass die jüdische Gemeinde den moselseitigen Barockanbau nicht benötigt. Er könnte also ebenfalls von der Stiftung genutzt werden.

Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach

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